[Sonstiges Buchbezogenes]

Montagsfragen: Bücherwelten

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Welche Bücherwelten magst du am liebsten und wieso? (Antworten anderer Blogs hier!)

Während ich früher sehr gerne Fantasy-Welten bereist habe, lese ich nun größtenteils un-phantastische Bücher. Dennoch gibt es natürlich viele verschiedene Welten, die mir offen stehen.

Zum einen finde ich, Bücher, die in der Nähe des Meeres spielen, sind eine ganz eigene Welt. Ich selbst schaffe es leider nur alle paar Jahre mal in die Nähe eines Meeres, deshalb mag ich Bücher, bei denen auf jeder Seite die seeluftsalzige Atmosphäre deutlich wird. Auf diesem Blog reviewt habe ich zum Beispiel, Sommernovelle von Christiane Neudecker, das sofort zu einem meiner Lieblingsbücher wurde, und Zwischen zwei Wassern von Andreas Neeser. Aus diesem Grund mag ich auch sehr gerne die sogenannten Nord- oder Ostseekrimis, für einen kurzen (mordlastigen) Urlaub am Strand, auch bin ich ein großer Fan des viktorianischen Autors Joseph Conrad. Eine ganze Liste meiner gelesenen Schiff-und-Wasserbücher habe ich auf Goodreads angelegt. 🙂

Eine andere Welt, die mir räumlich nicht ganz so fern ist, wie das Meer, ist die der Universität(en). Ich mag sogenannte Campus-Romane, und das, obwohl ich fast täglich selbst zur Uni gehe. 😉 Obwohl ich an diesem Ort manchmal sogar meine berufliche Zukunft sehe (nicht notwendigerweise hier in M., aber an einer Uni), stehe ich natürlich keiner Institution unkritisch gegenüber, weshalb derlei Romane viel Gelegenheit bieten, sich auf- und abzuregen aber auch mal zu schmunzeln. Da ich vom Sortieren nicht lassen kann, auch hierzu mein Goodreads-Regal.

Falls ihr schöne Bücher aus diesen Welten kennt freue ich mich natürlich über Empfehlungen!

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Lyrik

Gedicht des Monats: ‚Ans Meer‘ von Oscar Loerke

Wie ich im vorhergehenden Beitrag angekündigt habe, würde ich gerne häufiger über Lyrik schreiben. Um das nicht bei einem Vorsatz bleiben zu lassen, kam mir der Gedanke, ich könnte doch jeden Monat mit einem Gedicht einleiten, das ich gerne mag. Groß herumanalysieren möchte ich da gar nicht (und hoffe, dass ich mich werde zurückhalten können), sondern euch schlicht etwas zeigen, dass ich sehr mag, und hoffen, dass ich damit jemandem eine Freude machen kann. Vielleicht entdeckt ihr ja neue Lieblingsgedichte oder Dichter*innen. 🙂

Das Novembergedicht lautet Ans Meer und wurde geschrieben von Oskar Loerke (1884 – 1941). Zum ersten Mal darauf gestoßen bin ich im Reclam Gedichtband Das Meer.

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Ans Meer

Der Nebel reißt, der albisch kroch
Aus meinem Blut zum Totenfeld:
Ein Morgen scheint im Wolkenloch
Hoch auf die Welt.

Das Leben kommt von weitem her.
Und es geschieht, was einst geschah?
Mit ihrer Wäsche fährt ans Meer
Nausikaa.

Ein Weg weist nach Byzanz und Rom,
Für mich betritt ihn der Barbar.
Im Stein verwittert schon am Dom
Sein Mund, sein Haar.

Doch wann bin ich? Der Morgen währt,
Ein Rauschen ruft, ein Meer ist nah –
Ans Meer mit ihrer Wäsche fährt
Nausikaa.

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Kein Ort der griechischen Mythologie, sondern Edinburgh. Trotzdem schön, und immerhin Meer. (Und für mich auch mit Nausikaa verbunden. Hier ein Gruß an A. und S., die das hier nicht lesen werden.)

Warum dieses Gedicht? Es fühlt sich für mich nach einem schönen Grauton an, wie es auch der November tut. Der Rhytmus ist wunderschön stetig und beruhigend. Zum wiederholten Lesen vor dem Schlafengehen; zum tagelang im Kopf stecken bleiben und zum Lächeln bringen. ‚Nausikaa‘ ist ein wunderschönes Wort – ich mag es, wenn man zwei hintereinander stehende Vokale zweisilbig auspricht. Weil die letzte Strophe nach ewig und nach nie und wunderschön und wundertraurig klingt.

Historisches · Schwerlich Kategorisierbar

Rezension: Sommernovelle

Sommernovelle1989, nach Tschernobyl und vor der Wende. Die Freundinnen Panda und Lotte sind sehr idealistisch und engagieren sich für Umweltschutz. Da passt es gut, dass sie – obwohl mit 15 eigentlich noch zu jung – in den Osterferien für zwei Wochen auf einer Vogelstation auf einer Nordseeinsel aushelfen dürfen. Dort erleben sie einen Sommer, der sie in vieler Hinsicht fürs Leben prägt; sie lernen viel über sich, andere Menschen, und Vögel, und werden zwischen erster Liebe, großen Enttäuschungen und Desillusionierungen ein wenig erwachsener.

In jedem Fall aber würde ich etwas tun für die Welt. Auch wenn mir noch nicht ganz so klar war, was.
(S.72)

Da ich an alle Bücher, die am oder auf dem Meer spielen, immer mit besonderer Hoffnung herangehe, schlug ich auch die Sommernovelle mit großen Erwartungen auf und wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil! Christiane Neudeckers Stil, wie sie die Landschaft, die Vögel, die Gerüche und Geräusche und das Wetter beschreibt, hat mich so gefangen genommen, dass ich fast das Gefühl hatte, meine Lesestunden wirklich am Strand verbracht zu haben.
Auch vom Inhalt her war das Buch etwas ganz besonderes. Die Mädchen Lotte und Panda, vor allem letztere als Ich-Erzählerin, sind lebendige, sympathische Personen, die man gerne auf ihrem Weg begleitet. Obwohl sie manchmal jugendlich-naiv sind, wird dies im Buch nicht verurteilt oder zynisch verlacht, stattdessen fühlt man mit ihnen, wenn die Realität zu desillusionierend wird, oder sie aus Unwissen in Fettnäpfchen treten. Mit ihnen lernt man die anderen skurrilen und einzigartigen „Bewohner“ der Vogelstation kennen: da gibt es Melanie, eine freundliche und offene Studentin, die auf Männer unverkennbaren Reiz ausübt, den lässigen und freundlichen Julian, der Lotte sofort in seinen Bann zieht, die alte Frau Schmidt, von der niemand so genau weiß, wie ihre Vergangenheit aussah und was sie zur Station zieht, und nicht zuletzt die Senioren Hiller und Sebald, die im Krieg zusammen gekämpft haben und nun jährlich gemeinsam zur Vogelstation fahren. Von Anfang an kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass auf der Station etwas nicht so ist, wie es sein soll, und über all der Idylle hängt die düstere Ahnung, dass noch irgendetwas Unschönes geschehen wird … Als dann schließlich der Professor auftaucht, der die Station leitet, scheint sich eine Gelegenheit zu bieten, Fragen zu stellen, doch ist der Mann seltsam abweisend und geht Fragen nach dem Zweck seiner Forschung lieber aus dem Weg.

Das atmosphärische Buch erzählt von so vielem – von der Liebe zum Meer, zu den Vögeln und zur Literatur, von dem Drang, die Welt verbessern zu wollen, und der Angst, das nicht zu können, und das alles in einem wundervollen Schreibstil. Ich bin versucht, es gleich noch mal zu lesen, um wieder auf die ungenannt bleibende Insel reisen zu können. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung, definitiv eins meiner Highlights meines bisherigen Lesejahres 2015!

Manchmal bauen Menschen sich Luftschlösser. […] Aber das heißt nicht, dass in den Schlossgärten nicht ein paar Blumen wachsen können.
(S.166)

Autorin: Christiane Neudecker
Seiten: 186
Verlag: Luchterhand
Erstauflage: Mai 2015
ISBN-10: 3630874592
ISBN-13: 978-3630874593
Auch im epub-Format und für den Kindle erhältlich!

Fantasy · Jugendbücher

Rezension: Fürchte nicht das tiefe blaue Meer

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Seitdem ihre Eltern, beide Künstler, zu einer Reise nach Paris aufgebrochen sind, leben Violet und ihr Bruder Luke alleine. Da ihre Villa namens Citizen Kane durchaus schon bessere Zeiten gesehen hat, doch das Geld kaum für den täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln genügt, geschweige denn für Reperaturen, beschließt Violet, einen Untermieter aufzunehmen. Als River West auftaucht, verändert sich nicht nur ihr Leben, sondern das der gesamten Kleinstadt. Ein Mann bringt sich auf offener Straße um. Kinder verschwinden. Andere Kinder belagern den Friedhof und behaupten, den Teufel gesichtet zu haben. Für Violet stellt sich die Frage, ob River, an den sie schnell ihr Herz verloren hat, vielleicht die Ursache all dessen sein könnte …

Young Adult Fantasy ist ein Genre, bei dem ich so zwischen Ja, bitte! und Urks, aber doch bitte nicht so! schwanke. Mit Freuden kann ich verkünden, dass ich bei diesem Buch hauptsächlich Tendenzen zu erster Reaktion hatte. Ich kann nicht abstreiten, dass die Charaktere in die für Jugendbücher typischen Klischees fallen: Violet als die ruhige, belesene „nicht so wie die anderen Mädchen“-Hauptperson, River ist der mysteriöse, attraktive und faszinierende Fremde mit dunklem Geheimnis, und Violets beste (und einzige) Freundin Sunshine Black (ähm. ja. ich denke mir das nicht aus!) ist fokussiert auf Äußerlichkeiten und die Anerkennung durch Jungs.
Was, dieses Thema betreffend, das Buch aber aus der Masse des beliebten Genres heraushebt, ist der erstaunlich geringe Anteil an Verurteilung. Ich habe den Eindruck, dass viele Jugendbücher davon leben, dass die Hauptfigur sämtlichen Mitmenschen gegenüber enorm herablassend eingestellt ist und ihren inneren Monolog ständig mit verächtlichen Bemerkungen spickt, die wohl sarkastisch und lustig sein sollen, aber in der Regel doch eher von einem mangelnden Respekt vor Leuten, die ihr Leben auf eine andere Weise führen, zeugt. Hier ist Violet zwar an einigen Stellen genervt, wenn Sunshine und Luke ständig flirten, und ja, eine gewisse Überheblichkeit kann man auch ihr nicht absprechen, doch im Großen und Ganzen merkt man ihre Zuneigung zu ihrem Bruder und ihrer Freundin, trotz der Unterschiede. Ebenfalls positiv ist, dass River tatsächlich nett zu Violet ist, ihr Zuneigung zeigt und es so verständlich macht, dass sie sich in ihn verliebt. Viel zu oft lese ich gerade in Jugendbüchern von zwei Charakteren die sich die ganze Zeit beleidigen und augenscheinlich keine zehn Sekunden im gleichen Raum verbringen können, ohne dass Gefahr besteht, dass einer von beiden einen Mord begeht. „Was sich liebt das neckt sich“ in allen ehren, die meisten YA-Fantasy-Romanzen überschreiten in dieser Hinsicht die Grenzen jeglicher Glaubwürdigkeit.

Die Kritikpunkte, die ich anzumerken habe, sind eigentlich fast schon Standards des Genres: irgendwann wurde mir die Gefühlsduselei doch zu viel, diese Intensität der großen, wahren Liebe, wenn man sich erst mal ein paar Tage kennt. Außerdem weiß ich noch nicht ganz, ob ich das unglaubwürdig oder einfach bedenkenswert finden soll, aber: wenn ich gegen eine*n potentielle*n Partner*in solche Verdächte hege wie Violet im Laufe der Handlung gegen River, dann wäre bei mir schnell Schluss mit „aber ich bin ja so verliebt“! Auch war mir einiges, gerade gegen Ende, viel zu dramatisch geschrieben – es ist ja schwer, nicht ins Lächerliche abzurutschen, und ich fürchte, meine Schmerzgrenze ist da oft etwas niedrig.

Alles in allem habe ich mich aber durchweg gut unterhalten gefühlt. Fantasy Romance ist ein Genre, um das ich eigentlich einen Bogen mache, aber hier hat mich das Cover irgendwie angezogen, und ich bereue nicht, mal wieder mein Glück probiert zu haben. Das Rad wurde nicht neu erfunden, doch die Handlung bleibt unterhaltsam – und dass ständig so von Kaffee geschwärmt wird macht ein Buch für mich dann gleich noch sympathischer! 😀

Für Leute wie mich, die eh nur ab und zu zögerlich in das Genre reinspickeln keine unbedingte Leseempfehlung, aber wer solche Bücher sowieso mag, sollte mit diesem kurzweiligen Roman nicht enttäuscht werden. Auf Englisch gibt es auch einen zweiten Band – Between the Spark and the Burn – der aber nicht auf Deutsch erschienen ist.

Autorin: April Genevieve Tucholke | Übersetzerin: Anja Galić
Originaltitel: Between the Devil and the Deep Blue Sea
Seiten: 384
Verlag: cbt
Erstauflage: August 2013 | Deutsche Erstauflage: September 2013
ISBN-10: 3570308847
ISBN-13: 978-3570308844
Auch im epub-Format und für den Kindle erhältlich!

Dramatisches · Schwerlich Kategorisierbar

[Rezension] „Zwischen zwei Wassern“ von Andreas Neeser

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Autor: Andreas Neeser
Verlag: Haymon
Erstauflage: 12. Februar 2014
ISBN-10: 3709971322
ISBN-13: 978-3709971321
Auch im ePub-Format und für den Kindle erhältlich!
Seiten: 175

Handlung: Der Protagonist verlor beim Muschelsammeln an der Küste seine Frau. Nun kehrt er zurückk an den Ort, an dem es geschah, und versucht, zwischen Felsen, Himmel und Meer seine neue Realität anzunehmen.

Oberflächliches: Sehr toll! Das Foto finde ich wirklich wunderschön. Hinten wird das Meer-Motiv unter einem dunkelroten Schleier wieder aufgenommen. Insgesamt macht der schmale Band wirklich was her. 🙂

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Das Buch hat mich, alles in allem sehr überzeugt. Zu Anfang fiel es mir schwer, mich einzufinden, in die klare, knappe Sprache, die doch letztendlich der Auswegs- und Alternativlosigkeit der Situation des Protagonisten angemessen ist. Er stellt keine Fragen, denn das Blau gibt keine Antwort, selbst wenn: er „wüsste nicht, was er würde wissen wollen“. Doch auch ohne gestellte Fragen wird in Zwischen zwei Wassern viel gelernt; auch ohne eine Sprache, die mit pathetischen Metaphern protzt, brennen sich einige Bilder unauslöschlich ins Gedächtnis.
Trotz des sehr traurigen Themas bemüht sich das Buch nicht darum, den Leser in emotionale Abgründe zu stürzen. Die Sprache bleibt schlicht und ehrlich, man kann sowohl mit dem Erzähler mitfühlen, als ihn auch distanziert dabei betrachten, wie er versucht, zurecht zu kommen. Das fand ich sehr gut – gerade bei Büchern über Tod und Trauer rutscht die Erzählung mir viel zu oft in Melodramatik ab, was es mir dann schwer macht, mitzufühlen – oder sogar, nicht ständig genervt die Augen zu verdrehen. Dieses Buch hier jedoch ist, auf eine dennoch poetische Weise, einfach knallhart ehrlich. Es ist ein Buch über die Realität, über die einzige Tatsache: dass man diese nicht ändern kann.
Man muss den Erzähler nicht mögen, kann vor seinen Handlungen und Reaktionen manchmal den Kopf schütteln, aber man lernt und versteht mit ihm. Zwischen dem Grau und dem allgegenwärtigen, schonungslosen Blau findet man Sätze, über die man einfach nachdenken muss.

Für wen? Menschen, die gerade trauern, je trauerten, oder in Zukunft trauern werden müssen. Also alle. Oder einfach für Menschen, die gerne per Buch fundamentale menschliche Emotionen kennen lernen.

Historisches

[Rezension] „Hansetochter“ von Sabine Weiß


Bildquelle: Lovelybooks.de

Autor: Sabine Weiß
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-10: 3404168879
ISBN-13: 978-3404168873
Seiten: 588

Oberflächliches: Das Cover wirkt in den Braun- und Grüntönen unaufdringlich und angenehm; die Zeichnung passt zum historischen Roman. Für mich stach einzig das Foto der Frau ein wenig unpassend hervor, vielleicht bin ich aber auch nur neidisch auf ihr Kleid. 😉

Handlung: Henrike und ihrem kleinen Bruder Simon leben ziemlich glücklich. Ihr Vater ist ein angesehener Hansekaufmann und versteht sich sehr gut mit seinen Kindern. Als er jedoch plötzlich stirbt, ändert sich alles: Sein Geschäft fällt in die Hände seines Bruders und dessen unsympathischer Familie, die den Kindern das Recht an ihrem Erbe abspricht. Nun ist es an Henrike, Gerechtigkeit wieder herzustellen. Zur Seite steht ihr hierbei vor allem der junge Kaufmann Adrian…

zitat hansetochter nochmal

Das Buch bietet gut recherchierte historische Unterhaltung (im Nachwort nennt die Autorin sogar ihre Quellen, ich bin äußerst entzückt!), in der, zu meiner Freude und Erleichterung, die Liebesgeschichte sich nicht vehement in den Vordergrund drängt, wie es doch oft genug passiert. Natürlich werden die Annäherungen und das Auf und Ab zwischen Henrike und Adrian erzählt, doch die Handlung konzentriert sich vor allem durch die Probleme, die durch Henrikes Onkel und dessen Familie entstehen. Fassungslos und wütend sitzt man da und fiebert mit Henrike und Simon, der den brutalen Schikanen des Cousins am häufigsten ausgesetzt ist, mit. Immer, wenn man denkt, noch schlimmer kann es nicht kommen, setzt vor allem Letztgenannter noch eines drauf. Mein einziger Kritikpunkt war dann auch, dass die Charaktere etwas zu Schwarz-Weiß gezeichnet sind; die Bösen sind von Grund auf schlecht und die Guten nahezu charakterlich unfehlbar. Wenn man sich damit aber anfreunden kann, erwarten einen dafür Antagonisten, die man aus tiefstem Herzen verabscheuen kann. 😉
Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar und nimmt den Leser dank der norddeutschen Ausdrücke mit in die Welt der Hanse. Auch die detaillierten Beschreibungen der Schauplätze lassen die Zeit vor dem inneren Auge lebendig werden.
So hat mich das Buch nicht nur gut unterhalten, sondern in mir auch das Interesse an einer Epoche geweckt, der ich mich zuvor noch nicht ausführlich gewidmet habe, was ich aber definitiv zu ändern gedenke.
Insgesamt kann ich die Geschichte guten Gewissens weiter empfehlen.

Für wen? Menschen, die gerne in die Atmosphäre vergangener Zeiten eintauchen wolle, auf Historie ohne zu großen Kitsch-Anteil stehen, und dennoch einen spannenden Plot nicht missen wollen.

Dramatisches · Historisches

[Rezension] „Das Licht zwischen den Meeren“ von M.L. Stedman


Bildquelle: Lovelybooks.de

Autor: M. L. Stedman
Verlag: Limes
ISBN-10: 3809026190
ISBN-13: 978-3809026198
Seiten: 448

Oberflächliches: Das Buch ist, wie ich finde, wunderschön gestaltet. Der Leuchtturm auf dem Schutzumschlag, halb Zeichnung, halb Fotomontage, versetzt mich in Sehnsucht nach dem Meer und die innen gezeichnete Karte, die das damalige Australien darstellt, tut ihr Übriges, das Fernweh anzutreiben. Über die Gestaltung kann ich nur schwärmen!

Handlung: Tom und Isabel leben, weitestgehendst vom Festland abgeschnitten, auf der Insel Janus Rock, da Tom Leuchtturmwärter ist. Dennoch fehlt es ihnen an nichts, sie lieben einander und sind glücklich. Wiederholte Fehlgeburten zeigen ihnen jedoch, dass das Leben es nicht nur gut mit ihnen meint, und treiben vor allem Isabel an den Rand der Verzweiflung. Als eines Tages in einem Ruderboot ein toter Mann und ein lebendes Baby angespült werden, wirkt das wie ein glücklicher Streich des Schicksals. Sie nehmen das Baby auf und versuchen, den Gedanken, dass die Mutter noch leben könnte, zu verdängen, so lange es geht…

 zitat leuchtturm

Das Buch ist auf jeden Fall etwas Besonderes, alleine schon des Schreibstils wegen. Die Beschreibungen des Lebens auf Janus, der einsamen Leuchtturminsel, das Rauschen des Meeres, das Tosen des Windes, die Schreie der Möwen – all das wird so eindringlich beschrieben, dass ich es nahezu mit allen Sinnen erfahren konnte. Auch all die unterschiedlichen Charaktere lernt man mit ihren ganzen kleinen Eigenheiten kennen, lieben und verstehen, was es schwer macht zu entscheiden, wer denn nun im Unrecht ist, und wer nicht – oder ob sich diese Frage überhaupt zu stellen lohnt.
Die Geschichte spielt während der Zeit nach dem ersten Weltkrieg und davon sind alle auf irgend eine Weise geprägt, und man spürt, wie schreckliche Ereignisse die Einfachheit der Trennung zwischen Richtig und Falsch in Frage stellen.
Auch kommt man, oder zumindest ich, nicht umhin, das Leben an den verschiedenen Orten zu vergleichen – wohnt man lieber abgeschieden auf einer Insel, die ein persönliches Paradies ist, oder ein einer eng verflochtenen Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt?
Als sehr faszinierend und fesselnd empfand ich auch die Beschreibung des Leuchtturms an sich, den Prozess des Entzündens der Lampe, die strenge Akribie, die herrschen musste.

Der einzige Wehrmutstrophen war für mich, dass die Geschichte für meinen Geschmack auch vom Stil her teilweise sehr ins Melodramatische abrutschte. Das kann man jedoch irgendwie damit entschuldigen, dass sie wirklich von vielen emotionalen Ausnahmezuständen erzählt. Außerdem bin ich bei diesem Thema sowieso sehr pingelig und mir ist fast alles zu dramatisch. 😉

Alles in allem kann ich für das Buch eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Eine einzigartiger Stil und eine packende Geschichte, verpackt in wunderschöner Aufmachung!

Für wen? Für alle, die sich nach dem Meer sehnen, und die Geschichten mit Atmosphäre und Gefühl, aber ohne Action und thriller-mäßige Spannung wertschätzen.