Dramatisches · Historisches

[Rezension] „Das Licht zwischen den Meeren“ von M.L. Stedman


Bildquelle: Lovelybooks.de

Autor: M. L. Stedman
Verlag: Limes
ISBN-10: 3809026190
ISBN-13: 978-3809026198
Seiten: 448

Oberflächliches: Das Buch ist, wie ich finde, wunderschön gestaltet. Der Leuchtturm auf dem Schutzumschlag, halb Zeichnung, halb Fotomontage, versetzt mich in Sehnsucht nach dem Meer und die innen gezeichnete Karte, die das damalige Australien darstellt, tut ihr Übriges, das Fernweh anzutreiben. Über die Gestaltung kann ich nur schwärmen!

Handlung: Tom und Isabel leben, weitestgehendst vom Festland abgeschnitten, auf der Insel Janus Rock, da Tom Leuchtturmwärter ist. Dennoch fehlt es ihnen an nichts, sie lieben einander und sind glücklich. Wiederholte Fehlgeburten zeigen ihnen jedoch, dass das Leben es nicht nur gut mit ihnen meint, und treiben vor allem Isabel an den Rand der Verzweiflung. Als eines Tages in einem Ruderboot ein toter Mann und ein lebendes Baby angespült werden, wirkt das wie ein glücklicher Streich des Schicksals. Sie nehmen das Baby auf und versuchen, den Gedanken, dass die Mutter noch leben könnte, zu verdängen, so lange es geht…

 zitat leuchtturm

Das Buch ist auf jeden Fall etwas Besonderes, alleine schon des Schreibstils wegen. Die Beschreibungen des Lebens auf Janus, der einsamen Leuchtturminsel, das Rauschen des Meeres, das Tosen des Windes, die Schreie der Möwen – all das wird so eindringlich beschrieben, dass ich es nahezu mit allen Sinnen erfahren konnte. Auch all die unterschiedlichen Charaktere lernt man mit ihren ganzen kleinen Eigenheiten kennen, lieben und verstehen, was es schwer macht zu entscheiden, wer denn nun im Unrecht ist, und wer nicht – oder ob sich diese Frage überhaupt zu stellen lohnt.
Die Geschichte spielt während der Zeit nach dem ersten Weltkrieg und davon sind alle auf irgend eine Weise geprägt, und man spürt, wie schreckliche Ereignisse die Einfachheit der Trennung zwischen Richtig und Falsch in Frage stellen.
Auch kommt man, oder zumindest ich, nicht umhin, das Leben an den verschiedenen Orten zu vergleichen – wohnt man lieber abgeschieden auf einer Insel, die ein persönliches Paradies ist, oder ein einer eng verflochtenen Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt?
Als sehr faszinierend und fesselnd empfand ich auch die Beschreibung des Leuchtturms an sich, den Prozess des Entzündens der Lampe, die strenge Akribie, die herrschen musste.

Der einzige Wehrmutstrophen war für mich, dass die Geschichte für meinen Geschmack auch vom Stil her teilweise sehr ins Melodramatische abrutschte. Das kann man jedoch irgendwie damit entschuldigen, dass sie wirklich von vielen emotionalen Ausnahmezuständen erzählt. Außerdem bin ich bei diesem Thema sowieso sehr pingelig und mir ist fast alles zu dramatisch. 😉

Alles in allem kann ich für das Buch eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Eine einzigartiger Stil und eine packende Geschichte, verpackt in wunderschöner Aufmachung!

Für wen? Für alle, die sich nach dem Meer sehnen, und die Geschichten mit Atmosphäre und Gefühl, aber ohne Action und thriller-mäßige Spannung wertschätzen.

Jugendbücher · Liebesromane

[Rezension] „Easy Going – Sydney“ von Sonja Bullen

Bildquelle: Lovelybooks.de

Autorin: Sonja Bullen
Verlag: Oetinger Taschenbuch
ISBN-10: 3841502458
ISBN-13: 978-3841502452
Seiten: 189

Oberflächliches: Das Cover ist nicht unbedingt außergewöhnlich, aber es ist hübsch, nicht überkitscht und vermittelt eine Art Sommerferiengefühl.

Handlung: Zunächst ist Pia nicht begeistert, dass ihre Eltern sich spontan entschließen, nach Sydney auszuwandern. Dann jedoch lebt sie sich recht schnell ein, lernt eine nette Clique kennen und Ryan, in den sie sich rasch verliebt. Er scheint auch Gefühle für sie zu haben, was jedoch nicht ganz unproblematisch ist, da auch eine gute Freundin von ihr auf ihn steht…
Außerdem geht es um andere Ereignisse in Pias „neuem Leben“, wie die Teilnahme an einem Musical-Casting, Differenzen mit der noch in Deutschland weilenden besten Freundin und Stress mit den Eltern.

Das Buch klingt zunächst nach dem typischen Erste-Liebe-Roman für Mädchen ab 13. Das ist es natürlich auch, aber ich muss sagen, dass es aus der Masse jener Bücher eindeutig positiv hervorsticht. Ich stöbere gerne mal im Bücherregal meiner kleinen Schwester und erinnere mich auch noch recht gut, was ich in dem Alter oft las, und im Gegensatz zu dem Unfug, den man im Bereich der Teenieromanzen oft findet, war dieses Buch wirklich sehr nett!
Die Charaktere erscheinen mir sympathisch, menschlich und realistisch dargestellt, die Handlung ist natürlich nicht zum Nägelkauen spannend, aber auch ich fieberte mit Pia mit und drückte ihr die Daumen, dass alles glattgehen würde. Die eingestreuten Informationen über Sydney und die Begriffe aus dem Aussie-English sind auch ein schöner Zusatz.
Was ich wirklich als sehr außergewöhnlich und toll empfand, war, dass es keine dieser in dem Genre schon klischeehaften „Meine Brüste sind zu klein, was soll ich tun?“-Krisen und elend lange Passagen über Kleidung und Schminken gab. Die Geschichte legt das Hauptaugenmerk wirklich auf die Persönlichkeiten und Gefühle der Charaktere – und dass ich das als außergewöhnlich empfinde, ist eigentlich ziemlich schade.

Insgesamt ist das Buch eine kurzweilige, unterhaltsame Geschichte für Zwischendurch, die Lust auf eine Reise nach Sydney macht.

Für wen? Für Mädchen ab 13, die von ihrem Schwarm und dem Leben in einer coolen Stadt träumen wollen, doch auch für Ältere mit Fernweh und dem Wunsch nach leichter aber nicht seichter Lektüre.