Jugendbücher · Liebesromane

Rezension: Als ob nichts wäre

als obEin wenig komisch fühlt Elin sich schon, als sie, nun, kurz nachdem sie die Schule wieder hinter sich hat, doch wieder das alte Schulgebäude betritt. Schon lange hat sie Gedichte und Prosa geschrieben, nun möchte sie in einem Kurs für Kreatives Schreiben mehr über dieses Handwerk lernen. Als sie unter den fremden Erwachsenen auch Paul, ihren Nachbar und auch noch Vater ihrer besten Freundin, vorfindet, weiß sie zunächst nicht, was sie von der Situation halten soll. Im Laufe des Kurses nähren sich die beiden sich zunächst freundschaftlich aneinander an, doch Elin beginnt schnell, auch romantische Gefühle für den Mann zu entwickeln, der ihr auch nicht gerade abgeneigt scheint.

Ich weiß plötzlich gar nichts mehr. Mein Kopf ist wie ein ausgeblasenes Osterei. Außen hübsch bemalt und innen völlig hohl.
S.99

Bücher über Beziehungen oder „Verliebtheiten“ (mir mangelt es an einem schönen Wort für Crushes) mit Altersunterschied haben mich schon immer sehr fasziniert. Es kommt dort zu ganz anderen Konflikten, als all dem, was man aus den gewohnten Jugendbuch-Romanzen kennt – auch wenn ich von diesen früher sehr viele gelesen habe (die „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe habe ich geliebt!), letzten Endes finde ich die moralischen Fragen, die Heimlichkeit und andere Schwierigkeiten, die man in age gap Büchern findet, doch interessanter. Natürlich ist es ein schwieriges Thema, an das man mit Fingerspitzengefühl herangehen muss – gerade wenn ein Part des Paares noch minderjährig ist – und ich habe auch schon einige wirklich schlecht ausgeführte Beispiele gelesen, doch gebe ich meine Suche nach den Juwelen nicht auf.

Als ob nichts wäre ist, meiner Meinung nach ein richtig gut gelungener Roman. Dass die Annäherung Elins und Pauls in ihren Gesprächen über die selbstgeschriebenen Texte ihren Anfang nimmt, finde ich als Ausgangspunkt und gemeinsame Basis schön und überzeugend. Die Geschichte ist in Elins Worten erzählt, man bekommt ihre Gefühle also in den Worten einer jungen Schriftstellerin mit – oft blumig und überschwänglich und in dramatischen Metaphern, aber für den Charakter sehr überzeugend und angemessen.

Sie verliebt sich Hals über Kopf, und auch Paul empfindet für sie – jedoch bleibt die Frage, ob er für ein Mädchen seine langjährige Ehe aufs Spiel setzen möchte. Das ist nicht das einzige, was einer Beziehung zwischen den beiden im Wege stünde: Pauls Tochter Tessa ist immerhin Elins beste Freundin, doch da Elin ja nicht mit ihr über die Gefühle zu ihrem Vater sprechen kann, zieht sie sich immer mehr ins Schweigen zurück, wodurch das, was zwischen Elin und Paul ist, auch einen Keil in die Freundschaft der beiden Mädchen treibt. Auch (ver)zweifelt Elin daran, wie „pervers“ ihre Gefühle doch sind – „[…] wenn ich mir vorstelle, wie es wäre, plötzlich zu erfahren, dass Papa und Tessa dicht aneinander gepresst mit ihren Zungen im Mund des anderen herumwühlen, wird mir beinahe schlecht. Das ist doch krank. Altmännerfantasien.“ – kann sich gegen die überwältigende Verliebtheit aber dennoch nicht wehren.

Abgesehen von der Romanze geht es in diesem Buch auch um Zukunftsträume und Lebenspläne, besonders in Elin und ihrem Bruder. Während sie noch ein einem Süßwarengeschäft jobbt und nicht weiß, was sie für den Rest ihres Lebens tun möchte, weiß er das schon genau, nur hat er es noch nicht geschafft, aus der bedrückenden Familienatmosphäre auszubrechen.

Insgesamt ist Als ob nichts wäre ein empfehlenswertes Jugendbuch, dessen Protagonistin ihrer Situation mit einer überzeugenden Mischung aus Überschwang, Angst und (Selbst-)Zweifeln gegenüber tritt, und in dem es außer um romantische Liebe auch um Freundschaft, Familie und die Pubertät im Allgemeinen geht.

Autorin: Katarina von Bredow | Übersetzerin: Maike Dörries
Schwedischer Orignialtitel: Som om Ingenting
Verlag: Beltz & Gelberg
Seiten: 240
Erstauflage: 1999 in Schweden
ISBN-10: 3407788789
ISBN-13: 978-3407788788

Dieses Buch ist nicht mehr neu erhältich, aber da ich sowohl Büchereien als auch das Kaufen gebrauchter Bücher sehr befürworte, hielt mich das auch nicht vom Rezensieren ab.

Advertisements
Historisches · Liebesromane

Rezension: Robin und Jennifer

Um die Jahrhundertwende herum wachsen zwei Mädchen an zwei enorm unterschiedlichen Orten auf: Robin im konservativen Bad Cannstatt und Jennifer im modernen Paris inmitten von Künstlern und anderen exzentrischen Persönlichkeiten. Während Robin, die sich für die Frauenemanzipation interessiert, am liebsten Männerkleidung trägt und studieren möchte, in ihrer Homosexualität zunächst eine Krankheit und Sünde sieht, und versucht, ihre Gefühle zu verdrängen und zu unterdrücken, hat Jennifer schon früh ein Verhältnis mit ihrer Klavierlehrerin, und findet es von vorneherein relativ unproblematisch, eine Lesbe zu sein. Als die beiden sich schließlich auf dem Monte Verità, auf dem sich Künstler, Lebensreformer und allerlei andere alternative Menschen eingerichtet haben, kennen lernen, treffen zwei grundverschieden geprägte junge Frauen aufeinander.

robin und jennifer

Zunächst, um sämtliche Erwartungen, die Titel und Titelbild aufwerfen, gleich wieder zu entkräften: die eigentliche Geschichte um das, was zwischen Robin und Jennifer entsteht, nimmt nur den hinteren Teil des Buches, vielleicht das letzte Drittel ein. Davor ist das Buch weniger eine Romanze, als eine coming-of-age Geschichte zweier Mädchen, die in verschiedenen Lebensumständen mit unterschiedlichen Problemen, familiären Konflikten und Gefühlen, die von dem, was normalisiert ist, abweichen, zurechtkommen müssen.

Immer im Wechsel werden die Erlebnisse der beiden erzählt. Robin gerät immer wieder mit ihrer konservativen Tante aneinander, muss ihre „un-weiblichen“ Interessen und Ambitionen rechtfertigen und kämpft mit ihren Gefühlen für eine Klassenkameradin. Jennifer hingegen ist zwar nicht so sehr gezwungen, ihre Sexualität zu verstecken, doch ist ihr Stiefvater, der sie wahlweise mit einem „echten arischen Mann“ verheiraten oder ihr selbst an die Wäsche möchte, ein ständiger Konfliktpunkt.

Der Schreibstil ist gefühlvoll, aber nicht kitschig und die meisten Charaktere sind lebendig und dreidimensional. Es wechseln sich Gespräche, und andere Elemente, die die Handlung vorantreiben, mit Passagen ab, in denen einfach nur die Umgebung beschrieben wird, was mich immer freut, da ich mir gerne Beschreibungen durchlese. Besonders gefiel mir auch, dass durch die verschiedenen Schauplätze ein vielfältiges Bild des beginnenden 20. Jahrhunderts entworfen wurde. Von so diversen Themen wie dem Kampf um Frauenrechte und der Entstehung des Ausdruckstanzes bekommt man interessante historische Informationen und Einblicke.

Ich kann das Buch also sowohl Leuten empfehlen, die gerne historische Romane über diese Zeit lesen, als auch Liebhaber*innen von Liebesgeschichten.

Für Inhalts-/Triggerwarnungen hier markieren: Eine relativ ausführlich beschriebene versuchte Vergewaltigung sowie mehrere „harmlosere“ Instanzen sexueller Belästigung.

Autorin: Elke Weigel
Verlag: Konkursbuch-Verlag
Seiten: 323
Erstauflage: 2014
ISBN: 3887697383
ISBN-13: 978-3887697389
Auch für den Kindle und im epub-Format erhältlich.

Historisches · Liebesromane

Rezension: Die Stadt der schweigenden Berge

stadt der schweigenden bergeHandlung: Berlin, 1930. Die Studentin Amarna ist fasziniert von der Archäologie und Altorientalistik. Besonders interessiert sie der Gilgamesch-Mythos, zu dem sie auch ihre Magisterarbeit schreiben möchte. Die Hauptstadt des untergegangenen Hethiter-Reiches, Hattuša, übt ebenso eine starke Faszination auf sie aus – vor allem, da sie über diese schon seit sie denken kann Albträume hat. Warum nur sträubt sich ihr Vater, der doch selbst begeisterter Archäologe ist, so sehr dagegen, sie an einer Expedition dorthin teilnehmen zu lassen? Als sich ihr die Gelegenheit bietet, eine solche Reise zu machen, kommt sie nicht nur den Geheimnissen einer Stadt, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur …

War ganz Hattuša eine in Felsen hineingezwungene Festung, die selbst die Stürme des Himmels nicht einnehmen konnten, so war der Palast auf dem Hügel ihr Herz, das einst, beim Weltende, der berstenden Erde trotzen würde.
(S.323)

Wenn es in einem Buch um Archäologie geht, ist das für mich alleine schon ein Anreiz, es zu lesen. Damit es mir dann auch richtig gut gefallen soll, müssen natürlich auch mehr Dinge stimmen, doch ich kann frohen Mutes verkünden, dass ich sehr glücklich bin, Die Stadt der schweigenden Berge gelesen zu haben, und es auch guten Gewissens weiter empfehle! Es ist eines der Bücher, die mich schon vom ersten Satz an in ihren Bann gezogen haben. Kaum hatte ich es aufgeschlagen, war ich schon drin in Armanas Welt und ihrem Denken, fühlte ihre Begeisterung für die Erforschung der Vergangenheit. So waren die schönsten Stellen für mich jene, in denen man die Liebe zur archäologischen Forschung spürte, und im Allgemeinen die Begeisterung verschiedenen Kulturen gegenüber. Der Schreibstil war bildhaft und poetisch und machte Beschreibungen von Städten, Landschaften und Artefakten zu einem Genuss. Ich bekam immer stärker selbst Lust, auf Expedition zu gehen und vergessene Städte auszugraben – auch wenn mir das nicht möglich ist, den Gilgamesch-Mythos werde ich mir auf jeden Fall zu bestellen, Amarnas Begeisterung ist nämlich sehr ansteckend und die eingestreuten Textpassagen tun ihr Übriges.

Wie immer kann ich ein Buch nicht ohne kleine Kritikpunkte empfehlen. Was mir hier stellenweise die Lust raubte, war eine Liebesbeziehung mit der ich mich erst so gar nicht anfreunden konnte, später aber warm wurde. Dies lag zum Teil auch daran, dass ich wirklich nicht damit gerechnet hatte, dass eine Romanze einen so großen Stellenwert in dem Roman einnehmen würde, und wurde dann bei meiner immerwährenden Suche nach einem romantiklosen Roman natürlich enttäuscht. Hier also die offizielle Warnung für alle, denen es ähnlich geht: Liebe in Sicht! 😀
Ebenso kam mir beim Nachdenken über Bücher, die mich emotional zu berühren wissen, in den Sinn, dass ich große Gefühle am liebsten in kleinen, klaren Worten geschildert habe. Da Die Stadt der schweigenden Berge aber wie gesagt ein Buch großer, dramatischer Sprache ist, löste das vielleicht auch gleichzeitig bei mir eine Distanz zu den realen Emotionen (außerhalb des Genusses wunderschöner Sprachbilder) aus.
Die Thematisierung der Romantik war für mich allerdings der einzige Wehrmutstropfen – und wer mich kennt, weiß ja, dass ich in dieser Hinsicht wirklich schwer zufrieden zu stellen bin, weshalb das für andere Leser kein Hindernis darstellen sollte, sich den Roman einzuverleiben. Mein „Leser-Service“ enthält aber eben, dass ich auch erwähne, was mich nicht so zu beglücken wusste. 😉

Ansonsten besonders gelungen fand ich die Einbettung in den historischen Kontext. Die Charaktere wirken sehr realistisch der Zeit entsprechend (und es ist eigentlich traurig, dass ich das so hervorheben muss, aber leider ist das in historischen Romanen nicht immer so). Interessant ist Amarnas schwierige Stellung als Frau in der Wissenschaft; mit banger Vorausahnung erfüllen die ersten Anzeichen des aufkommenden Dritten Reiches. Ebenfalls sehr eindrücklich ist das, was man über den Völkermord an den Armeniern erfährt – mit diesem Thema hatte ich mich noch nie gefasst, und es ist doch immer exzellent, wenn man durch Romane auch etwas lernt, gerade über Geschehnisse, die ob ihrer Grausamkeit nicht vergessen werden dürfen.

Wenn man die Geschichte eines Volkes nicht mehr erzählt, löscht man es ein zweites Mal aus, nicht wahr?
(S.230)

Alles in allem also: eine Leseempfehlung! Ich habe diese lehrreiche und unterhaltsame Liebesgeschichte an die Archäologie mit viel Vergnügen verschlungen.

Meine Lieblingszitate findet ihr wieder auf Tumblr, wenn ihr diesem Link folgt!

Autorin: Carmen Lobato
Verlag: Knaur Taschenbuch
Erstauflage: 2015
Seiten: 576
ISBN-10: 3426514559
ISBN-13: 978-3426514559

Jugendbücher · Liebesromane

Rezension: Eleanor and Park

eleanor and park 1! Diese Rezension bezieht sich auf die englisch-sprachige Ausgabe !

Autorin: Rainbow Rowell
Verlag: Orion Publishing Group
Erstauflage: 2012
ISBN-10: 1250012570
ISBN-13: 9781250012579

Handlung: Als Park Eleanor zum ersten Mal in den Schulbus steigen sieht, findet er sie sofort seltsam – mit ihren wallenden, roten Haare und ihren seltsamen Klamotten fällt sie auf, und das mit Absicht, wie es ihm scheint. Da der Platz neben ihm jedoch der einzige noch freie ist, sitzen sie nun täglich auf den Fahrten zur Schule und zurück nebeneinander. Zunächst schweigen sie sich an, doch eines Tages bemerkt Park, dass Eleanor über seine Schulter in den Comics mitließt, die er im Bus immer verschlingt. Irgendwann bringt er ihr einen Stapel Comics zum Selberlesen mit und die ersten Gespräche entspannen sich: über Comics, Musik, das Leben im Allgemeinen …

Nothing was dirty. With Park.
Nothing could be shameful.
Because Park was the sun, and that was the only way Eleanor could think to explain it.

Das erste Buch, das ich von Rainbow Rowell laß war ihr aktuellestes Jugendbuch Fangirl. Schon dies überraschte mich positiv, ich erlebte etwas, das mir, um ehrlich zu sein, selten passiert: Ich fühlte so richtig mit den Charakteren mit. Nicht falsch verstehen – ich bin durchaus ein menschlicher Mensch mit Gefühlen, nur ist es eben so, dass ich so gut wie nie an den Punkt gerate, an dem die Geschichte, die ich lese, für mich wirklich wird. Ständig bin ich mir überdeutlich bewusst, dass all die Charaktere gar nicht existieren, und dann ist es mir auch relativ egal, ob die nun glücklich sind, oder traurig, oder verliebt. Emotionen habe ich beim Lesen zwar schon, doch die spielen sich hauptsächlich auf der Wortebene ab. Der Plot ist für mich eher da „unwichtige“ Gerüst im Hintergrund, das wunderschönen Worten ihre Existenzberechtigung auf den Seiten verschafft, übertrieben ausgedrückt.
Aber: Rainbow Rowell schafft es, was nur wenigen Autoren und Autorinnen gelingt, nämlich, dass ich wirklich mit den Figuren mitfiebere und -leide und mich freue. Während mir Fangirl schon selige Seufzer entlockte und tränenfeuchte Augen hervorrief, fand ich diese Geschichte sogar noch berührender.
Die beiden Hauptcharaktere, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, sind einfach so wahnsinnig echt. Sie sind keine einseitigen, platten Abziehbilder, die Jugendbuchautoren den Leser*innen (die sie wohl unterschätzen) oft vorsetzen. Beide sind durch grundverschiedene Familien geprägt, was die unterschiedlichen Arten, in denen sie ihre Beziehung angehen, sehr verständlich macht. Besonder Eleanors gewalttätiger Stiefvater, der die Familie tyrannisiert, erklärt viel von ihrem Zögern, sich auf andere Menschen einzulassen. Durch das Aufgreifen solcher Themen wie familiärer Probleme oder Mobbing in der Schule ist das Buch oft bedrückend, doch um einiges realistischer und lebendiger als die durchschnittliche Jugendbuch-Romanze, die entweder eine heile Welt vorspielt oder durch lieblos artifizielle Konflikte Spannung erfährt.
Ich laß in Rezensionen davon, dass vielen das Buch (gerade vielleicht das Ende) nicht fröhlich genug ist. Selbst finde ich jedoch, dass die schönen Momente, in denen die beiden sich gänzlich aufeinander einlassen, mich glücklich genug machen, und dass eine literarische Beziehung nicht nur dann (bzw. gerade dann nicht) besonders lesenswert ist, wenn sie ins Ewige und überirdisch Perfekte stilisiert wird.
Auch das Ende, das viele kritisierten, laß ich eigentlich als Happy End und ich schlug das Buch mit einem Lächeln zu.

Ich glaube, dass ich bei Jugendbüchern noch viel kritischer bin, als bei anderen – vielleicht, weil ich den Eindruck habe, dass gerade jugendliche Leser oft von Autoren unterschätzt werden und man sie mit oberflächlichen Geschichten abfertigt – doch Eleanor & Park hat mich auf ganzer Linie überzeugen können.

You saved my life, she tried to tell him. Not forever, not for good. Probably just temporarily. But you saved my life, and now I’m yours. The me that’s me right now is yours. Always.

Historisches · Liebesromane

[Rezension] „Das Herz der Verräterin“ von Marlene Klaus

Traveler DC 120

Autorin: Marlene Klaus
Verlag: Dryas
Erstauflage: März 2014
ISBN-10: 3940855499
ISBN-13: 978-3940855497
Auch für Kindle erhältlich, außerdem im e-pub-Format!
Seiten: 400

Handlung: Beim Fest zur Grundsteinlegung für das Mannheimer Schloss sieht der Musketier Cornelius zum ersten Mal die schöne Clara, in die er sich sofort unsterblich verliebt. Als sie bald darauf auch wirklich zusammen kommen, könnte alles perfekt sein, allerdings gibt es mehr und mehr seltsame Geschehnisse, die darauf hindeuten, dass der Festungsbau sabotiert werden soll, und es drängt sich der Verdacht auf, dass Clara etwas damit zu tun haben könnte…

Oberflächliches: Das Cover ist für einen historischen Roman nicht außergewöhnlich gestaltet, doch mir gefällt es. Das schöne Hellgrün erzeugt Frühlingsstimmung, und der Grundriss der Festung Mannheim im oberen Teil ist auch eine tolle Idee.
Außerdem gibt es im Vor- und Nachwort schön viele Hintergrundinformationen sowie ein Personenverzeichnis, so etwas mag ich immer. 🙂

Das Buch hat mich leider nicht überzeugt. Da das ja bei den meisten historischen Romanen so ist, hatte ich gar nichts anderes erwartet, als dass der Fokus mehr auf der Liebesgeschichte liegt, als auf dem Krimi/Thriller-Teil des Plots, das hat mich also nicht großartig gestört. Doch es war schlicht und einfach so, dass ich nie das Gefühl hatte, wirklich in die Geschichte reinzukommen. Ich hatte den Eindruck, dass die Handlung nur so dahinplätscherte, die Geschichte zwischen Clara und Cornelius war wenig überraschend. Die Charaktere blieben für mich größtenteils flach, es mangelte an Grauzonen, die sie für mich interessanter machten. Zwar hatte ich durchaus Lieblinge, Cornelius‘ kleine Schwester zum Beispiel war immer ein Highlight, doch im Großen und Ganzen habe ich nicht den Eindruck, wirklich dreidimensionale Bilder der handelnden Personen gewonnen zu haben. Auch der Schreibstil war leider nicht wirklich mein Geschmack – er erschien mir etwas unbeholfen und ließ mich nicht wirklich in die Handlung eintauchen.
Ich mochte die interessanten Fakten, und da ich in Mannheim wohne, freute ich mich immer, wenn Orte erwähnt wurden, die ich kenne, von der Geschichte an sich kann ich das Buch jedoch nicht wirklich weiter empfehlen.

Für wen? Vielleicht jemanden, der nicht so mäkelig ist, wie ich. Leute, die auf historische Romanzen stehen, Leute, die aus Mannheim kommen oder dort leben. 😉

Jugendbücher · Liebesromane

[Rezension] „Libellensommer“ von Antje Babendererde

Traveler DC 120

Autorin: Antje Babendererde
Verlag: Arena
ISBN-10: 3401500198
ISBN-13: 9783401500195
Seiten: 260

Handlung: In Jodies Familie läuft gerade vieles schief: Die Eltern streiten dauernd, der Vater zieht aus, und als ihre Mutter dann auch noch ihren Laptop verkauft, reicht es ihr. Sie haut ab – ihr Ziel ist es, zu ihrem E-Mail-Freund zu reisen und dort einige Zeit zu verbringen, um den Eltern einen Schrecken einzujagen. Per Anhalter macht sie sich auf den Weg, doch nicht alles läuft so, wie geplant. Als der Indianer Jay sie schließlich aus einer unangenehmen Situation befreit und zwangsweise mit in sein Lager nehmen muss, beginnt der ereignisreichste Sommer ihres Lebens. Jodie muss einige Vorurteile über Bord werfen, über sich selbst hinauswachsen, und findet in Jay schließlich die Liebe…

Oberflächliches: Das Cover finde ich mit den zarten Libellenflügeln wunderschön gestaltet. Einfach traumhaft – ausnahmsweise kann ich mich nicht über das Titelbild beklagen! 😀

Das Buch hat mich, ehrlich gesagt, enttäuscht. Ich hatte schon viel Lob dafür vernommen, meine kleine Schwester liebt die Romane von Frau Babendererde, und auch Freundinnen in meinem Alter waren teils sehr begeistert. Auch der Satz in der Kurzbiographie „ihre Romane […] fußen auf intensiven Recherchen und USA-Reisen und werden von der Kritik hoch gelobt“, schürte meine hohen Erwartungen.
Diese konnte das Buch allerdings nicht wirklich halten – es war zwar eine nette Lektüre für zwischendurch, allerdings gefielen mir zwischendrin so viele Dinge einfach gar nicht, dass ich es nicht wirklich durchgängig genießen konnte.
Zum einen wäre da Ich-Erzählerin und Hauptcharakter Jodie. Ja, ich weiß, sie ist gerade in der Pubertät und alles, aber dennoch: ihr ständiges Jammern und Klagen ging mir dann doch teilweise arg auf die Nerven! So schwierig ihre Situation, von einem unbekannten Indianer durch die Wildnis geführt zu werden, auch sein mag, mir machte es nicht besonders Spaß, ihren dauernden Beschwerden gegenüber Jay, der sie ja immerhin aus einer äußerst unangenehmen Situation gerettet hatte, zu lauschen. Vor diesen Hintergrund fand ich auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden äußerst schwer nachzuvollziehen. Er, ganz der klassische, schweigsame „ein Indianer kennt keinen Schmerz“-Typ, und sie, dauernd dabei zu fragen, zu klagen…zu nerven. Nein, wirklich, ich kann in keinster Weise verstehen, was die beiden verband, und muss sagen, dass ich sie an seiner Stelle wohl irgendwann im Wald stehen gelassen hätte…
Man erfährt kaum von irgendwelchen ausführlicheren Gesprächen, die eine Verbindung zwischen den beiden für mich überzeugend hätte wirken lassen.
Insgesamt empfand ich eigentlich alle Charaktere als sehr klischeehaft gezeichnet, es wirkt, als kämen Jodie und Jay nur zusammen, weil sie in sich gegenseitig die Faszination am stereotypen Anderen ausleben können.
Auch abseits der Beziehung fand ich viele Aspekte so unlogisch, dass sie mein Lesen erheblich störten. Jodies Eltern wissen für Wochen nicht, wo sie ist, aber weil sie ja einen Zettel hinterlassen hat, dass sie bitte nicht die Polizei rufen sollen, tun sie das auch nicht, sondern warten einfach, dass sie schon wieder auftauchen wird? Eher nicht.
Außerdem: Diese Idee, dass ein übergewichtiges Mädchen für das perfekte Happy End natürlich Gewicht verlieren muss, sollte auch endlich mal ins Nirgendwo verbannt werden.

Wie man sieht war ich mit dem Buch also nicht wirklich zufrieden und würde es eher nicht weiter empfehlen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für jüngere Leser*innen romantisch sein kann, allerdings ist ja nicht alles, was als romantisch und ein Beziehungsideal empfunden wird, wirklich positiv zu betrachten. (Man besehe sich nur mal Twilight oder 50 Shades of Grey.)

Für wen? Mich nicht. Jemand, der etwas weniger kritisch denkt, als ich, hat an dem Buch vielleicht mehr Spaß, aber für mich bestand das größte Vergnügen am hingerissenen Anstarren des Covers, das ich immernoch wundervoll finde. 😀

Liebesromane · Mystery

[Rezension] „Die Augen des Schmetterlings“ von Federica de Cesco

Traveler DC 120

Autorin: Federica de Cesco
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442367506
ISBN-13: 978-3442367504
Seiten: 510

Handlung: Mit dem Ziel, Modedesignerin zu werden, zieht es die Finnin Agneta nach Tokio, auf das Bunka Fashion College. Dort lernt sie rasch die wunderschöne, aber undurchsichtige Lumina kennen. In deren Onkel, Dan, verliebt sie sich dann auch. Ihr neues Leben in Japan könnte alles in allem ziemlich schön sein, doch in der Vergangenheit lauern düstere Geheimnisse, die auf die Gegenwart übergreifen. Da wären zum Beispiel Luminas Großmutter, die sie in Visionen verfolgt, und Agnetas Bruder, der in ihrer Kindheit ertrunken ist, aber heute noch in ihrem Kopf mit ihr spricht…

Oberflächliches: Mit den zarten Blautönen und den vielen Schmetterlingen sieht der Einband schön verträumt und leicht aus. Bei der abgebildeten Frau tritt bei mir – wie fast immer – das Problem auf, dass ich mir die Protagonisten grundsätzlich anders Vorstelle, als die Personen auf den Covers, doch das ist ja wohl Geschmackssache. 😉 Alles in allem finde ich das Titelbild wirklich gelungen.

Zitat de CescoDas Buch war in vielerlei Hinsicht anders und damit auch besser, als ich es erwartet hatte. Die Kurzbeschreibung sowie das Versprechen „Große Frauenunterhaltun!“ weckten in mir die Erwartung einer recht typischen Liebesgeschichte an einem etwas außergewöhnlicheren Schauplatz, ich rechnete mit sehr simpler, leichter Frühlingslektüre.
Tatsächlich und zu meiner großen Freude ist es aber gar nicht die Romanze, die den Hauptteil der Handlung einnimmt. Stattdessen entfaltet sich eine Mystery-Geschichte, die schon Generationen zurückreicht, und in der sich die Historie und Mythologie von Japan und den finnischen Samen begegnen und vermischen.
Außerdem geht es um Menschen, die schreckliche Dinge vergessen, verdrängen und unterdrücken; die schlecht Handeln, ohne es zu wissen oder zu wollen. Der Kurzbiographie der Autorin entnahm ich, dass sie Psychologie studiert hat, und ich finde, das merkt man an diesen Aspekten sehr gut.
Oft weiß man nicht, was wirklich übernatürliche Elemente im realen Leben sind, und was nur in den Gehirnen der Protagonisten vor sich geht, und darum wirklich wird.
Auch den Schreibstil genoss ich sehr, besonders, wenn verschiedene Gegenden Tokios oder die finnischen Landschaften aus Agnetas Kindheit beschrieben wurden. Der bildhafte Stil erzeugt sofort Atmosphäre, war für mich nur manchmal ein wenig zu überladen.
Schön fand ich auch, dass man Einiges über andere Kulturen erfährt, wie die Sagenwelt der Samen, die Traditionen des Kabuki-Theaters, Episoden aus der Geschichte der Samurai…
Die gefühlvollen Szenen rutschten mir oft zu sehr ins Melodramatische ab, doch da es für mich selten emotionale Bücher gibt, die ich nicht als melodramatisch empfinde, sollte das auch niemanden abschrecken.
Ansonsten störten mich nur Kleinigkeiten, die anderen vermutlich gar nicht auffallen: so empfand ich es zum Beispiel als störend, wenn Dinge, die Agneta als Ich-Erzählerin nicht miterlebt hatte, allzu detailliert erzählt wurden, gerade so, als wäre sie dabei gewesen, was mir zu unlogisch/unmöglich war. Außerdem gab es einige allzu klischeehafte Sätze über Männer und Frauen und wie diese sich verhalten, aber dem kann man ja leider so gut wie nie entkommen…
Generell war ich von meinem Leseerlebnis aber positiv überrascht und empfehle das Buch auch gerne weiter!

Für wen? Leute, die ein überzeugendes Mittelding zwischen „zu nervenzerreissend spannend“ und „zu kitschig“ suchen; Menschen, die sich für Japan interessieren; Genusssüchtige, die gerne in blumigen Schreibstilen schwelgen.