Krimis und Thriller

Rezension: Weiße Magie – mordsgünstig

CAM00685 Alanis McLachlan hat seit 20 Jahren nicht mit ihrer Mutter gesprochen, als sie eines Tages die Nachricht erreicht dass diese ermordet wurde. Ihr Erbe ist außergewöhnlich: Ihre Mutter hinterlässt ihre „Weiße Magie“, einen Laden für okkulten Bedarf, in dem sie auch Tarotkarten für Reihen an begeisterten Kunden legte. Obwohl Alanis klar ist, dass dies nur eine weitere Masche ihrer Mutter, einer erfolgreichen Trickbetrügerin, sein kann, bringt sie etwas dazu, den Laden zu übernehmen und die Gelegenheit zu nutzen, herauszufinden, wer der Mörder ist. Nun muss sie sich nicht nur mit einer verschworenen Dorfgemeinschaft herumschlagen, in der jede*r jede*n kennt (und einige sie loswerden möchten), sondern auch möglichst rasch lernen, überzeugend Karten legen zu können …

~*~

Nicht, dass ich an die „reine mütterliche Liebe“ glaubte. Das war wie mit dem Yeti. Viele Leute behaupteten, ihn gesehen zu haben, ich aber hatte gute Gründe, skeptisch zu sein.
(S.66)

Das Buch ist ein klassischer Whodunnit-Krimi mit interessantem Setting, skurrilen Charakteren und viel Humor. Obwohl ich mich durchweg gut unterhalten fühlte, waren es die letzten beiden Punkte, die das Lesen leider manchmal etwas anstrengend machten. Alanis ist eine Ich-Erzählerin die zu Zynismus und witzigen Sprüchen neigt, was ich auch toll finde – trockener Humor an der richtigen Stelle kann wahnsinnig grandios sein. Hier allerdings reihte sich oftmals lustiger Kommentar an lustigen Kommentar, so dicht, dass den Lesenden kaum Zeit bleibt, sich wirklich auf den Text einzulassen, was ich etwas ermüdend fand. Zwar passt dies gut zum – durch ihre Kindheit und Jugend, über die wir auch etwas erfahren – abgebrühten und toughen Charakter Alanis, auf Dauer hätte ich sie aber wirklich gerne gebeten, mal kurz die Ironie auszuschalten und einfach nur zu erzählen. Dies fällt auch Clarice, einem anderen Charakter auf: „Endlich haben Sie mal eine Reaktion gezeigt. Ein Gefühl. Sonst waren Sie immer … ich weiß auch nicht. Sie sind wie ein Roboter, den Sarkasmus und Lügen am Laufen halten.“ Auch die Kapitel, in denen sie von ihrer (wirklich schlimmen) Vergangenheit erzählte, tun sich schwer damit, die Lesenden zu erreichen. Die Bemühung eines Spagats zwischen Absurdität, Übertreibungen und einem ernsthaft ergreifenden Inhalt wird deutlich, gelingt aber nicht so ganz. Erst ganz gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass Alanis mir irgendwie näher kam, und ihre Gedanken darüber, wie ihr es nie gelungen war, sich anders als in Abgrenzung zu ihrer Mutter zu definieren, ließen sie dann dreidimensionaler und nachvollziehbarer wirken.
Abgesehen von diesen Schwächen hinsichtlich der Charaktertiefe hat mir das Buch aber großen Spaß gemacht. Besonders die ungewohnte Umgebung des Esoteriklädchens gefiel mir sehr, und einer meiner Höhepunkte beim Lesen war, als Alanis ihre erste Tarotkartenlesung improvisieren muss. 😀
Über Tarotkarten und ihre Bedeutungen und möglichen Interpretationen erfährt man neben bei echt viel, und obwohl ich zuvor noch nie Interesse daran zeigte, bemerke ich jetzt, dass ich wirklich mal Lust hätte, mir die Karten zu legen. 😉

Auf Englisch gibt es einen zweiten Band (Fool Me Once) – auch wenn ich kein „unbedingt lesen!“-Gefühl habe, wenn ich in der Bibliothek oder in einem Second-Hand-Shop darüber stolpere, würde ich nicht nein sagen.
Der Autor hat übrigens die Austen-Parodie „Pride and Prejudice and Zombies“ geschrieben! Ich habe das (auf Grund meiner recht irrationalen Zombiephobie) nicht gelesen, aber vielleicht ist er somit einigen anderen hier ein Begriff.

Ein selbstsicherer Mistkerl wird viel mehr erreichen als ein Heiliger mit geringem Selbstwertgefühl, sagte Biddle immer.
(S.79)

Autor*innen: Steve Hockensmith & Lisa Falco | Übersetzerin: Britta Mümmler
Originaltitel: The White Magic Five and Dime
Seiten: 348
Verlag: dtv
Deutsche Erstauflage: 2014
ISBN-10: 3423215917
ISBN-13: 978-3423215916
Auch im ePub-Format und für den Kindle erhältlich.

Krimis und Thriller

Rezension: Querbrater

Handlung: Als die Wiener Chefinspektoren Kajetan Vogel und Alfons Walz den Mord an einer Frau klären müssen, die ziemlich aktiv in einer Online-Dating – bzw. Seitensprung- – agentur gewesen war, treten sie in ein für sie bisher ungekanntes Milieu ein. Während sie vornehmlich diverse Affären der Ermordeten vorladen und dabei auf skurrile Charaktere stoßen, macht Vogel, der selbst Seitensprüngen nicht abgeneigt ist, Bekanntschaften ganz anderer Art …

~ * ~

Ich habe Querbrater immer morgens in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit gelequerbratersen, und bei diesem Titelbild würde es mich nicht wundern, wenn die meisten anderen Fahrgäste mich eher in einem Erotikroman versunken wähnten … 😉
Doch was steckte wirklich hinter dem geschickt auf den Trendfarben der Literotica-Welle mitschwimmenden Cover?

Für mich entpuppte sich Querbrater als ein Buch, das mich zugleich positiv wie negativ überrascht hat.

Als sehr positiv empfand ich, wie „freundlich“ an das Thema jener Agenturen herangegangen wurde. Die Kunden wurden nicht per se als schrecklich moralisch verwerflich dargestellt, die Internetseiten waren einfach Möglichkeiten des Kennenlernens und nicht der Untergang der zivilisierten Welt. (Hey, ich habe schon einige Texte gelesen, die sich mit diesem Thema befassten, und werde dennoch immer wieder überrascht, wenn ich über neue Hasstiraden in fiktionalen oder Sachtexten stolpere …) Das hat mich schon mal sehr erleichtert – ich bin immer wieder froh über internet-bezogene Krimis in denen das WWW nicht die Ausgeburt des Teufels ist!

Die negative Überraschung war leider mein steigendes Unbehagen angesichts des doch oft sehr veralteten Frauenbildes der Hauptcharaktere. Nun gut, klar, es handelt sich bei dem Ermittlerduo um zwei Männer mittleren Alters – „was hast du denn erwartet?“, so könnte man mich fragen. 😀
Am Anfang fand ich die ganzen Sprüche über Frauenlogik etc. auch noch recht amüsant, schließlich gehörten auch zu der Interaktion der beiden Ermittler kleine, freundlich gemeinte Sticheleien einfach dazu, was ich auch sehr sympathisch und angenehm zu lesen fand. Doch nach einer Weile ging es mir dann doch sehr auf die Nerven, das alles: wie bei jeder auftretenden Frau sofort detailliert der Grad der Attraktivität beurteilt wurde, wie über Flirtereien und Beziehungen in Argumentationen gesprochen wurde, die mich daran zweifeln ließen, ob ich nicht per Zeitreiseroman in der Steinzeit gelandet sei.

Als dann schließlich …
(hier eine Spoilerwarnung – allerdings nicht die Aufklärung des Falles betreffend, sondern das Privatleben des Kommisar Vogels!)
… Vogel wiederholt seine Frau betrog und dabei die Schuld in reichlich schwachen Begründungen der „Spielpartnerin“ zuschob (um Himmels Willen! Egal, wo sie dir grad hinlangt, entweder du bist ein treuer Ehemann und beendest die Sache, oder eben nicht.), war es mir dann doch zu viel des Guten.

Natürlich weiß ich, dass die Sichtweisen der Charaktere nicht die Qualität eines Romanes ausmachen, doch kann ich mich mit manchen Einstellungen einfach nicht anfreunden, gerade wenn ich durch den personalen Erzähler mir viel zu undistanziert im Kopf betreffender Protagonisten feststecke. Da flüchte ich mich lieber in eine „Kann sein, dass manche Männer so denken, lesen möchte ich das aber bitteschön nicht“-Ignoranz. Was Geschlechterbilder und -stereotype betrifft bin ich nun mal besonders streng und schwenke gerne mein imaginäres „Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter!“-Schild herum.

Wen solcherlei Dinge allerdings weniger stören, wird hier mit einem guten Krimi um ein originelles und unterhaltsames Ermittlerduo bedient.

Was mir wiederum sehr gefiel, war, wie sich durch die Beschreibungen der Gegend und die Sprache der Charaktere quasi das Erlebnis eines Wien-Ausfluges einstellte!
Auch als Krimi an sich habe ich an der Geschichte nichts auszusetzen – ich glaube, alles war ziemlich realistisch und nicht künstlich hochgeputscht, was ich immer sehr angenehm finde.

Autor: Rupert Schöttle
Verlag: Gmeiner
Erstauflage: 2015
Seiten: 307
ISBN-10: 3839216877
ISBN-13: 978-3839216873

Krimis und Thriller · Mystery

Rezension: Das Geheimnis des Schmerzes

Traveler DC 120Das Geheimnis des Schmerzes ist der 11. Band von Rickmans Reihe um Merrily Watkins, die eine doch recht außergewöhnliche Hauptfigur für eine Mystery-Serie darstellt. Sie ist nämlich Pfarrerin und außerdem „Beraterin für spirituelle Grenzfragen“ ihrer Diözese, was im Endeffekt ein auf modern getrimmter Name für den Exorzistenberuf ist. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich in dieser Reihe oft Wirklichkeit mit Geschehnissen, die man nicht ganz einordnen kann, vermischt. Oft wird der Leser mit dem unbehaglichen Gefühl von „Kann es wirklich sein, dass…?“ zurückgelassen.

Wer schon einige Bände kennt, wird sich schnell wieder in die enge – manchmal beengende – Dorfgemeinschaft von Ledwardine einleben, doch auch Neueinsteiger in Rickmans Reihe dürften sich nach einigen Kapiteln recht gut zurechtfinden. Ich finde es immer wieder schön, die bekannten Charaktere wieder zu treffen, wie Lol, den unsicheren und liebenswerten Folkmusiker, und Jane, Merrilys Tochter, mit ihrem ausgeprägten Interesse für Archäologie und Naturreligionen.

In diesem Band geht es gleich um mehrere brisante Themen: Es beginnt mit einem Mord an einem alteingesessenen Bauer, der zunächst Gastarbeitern in die Schuhe geschoben wird, was zu einem Aufschwung fremdenfeindlicher Bewegungen führt. Außerdem ist ein nicht unwichtiger Schauplatz ein SAS-Übungsplatz, und es werden Fragen aufgeworfen, in wie fern sich die harte militärische Ausbildung sowie die Einsätze auf die Psyche der Ex-Soldaten auswirken könnten.

Natürlich geht es auch, wie gewohnt, um zweifelhaften Umgang mit Religion und Spiritualität, und die Schwierigkeiten kleiner Dörfer in immer moderneren Zeiten – eben das, was man von einem Watkins-Thriller erwartet.

Auch wenn das Buch für mich nicht das beste der Serie war, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Der auf der Rückseite angepriesene „Pageturner“-Effekt kam bei mir erst gegen Ende auf, doch auch davor war ich wie so häufig fasziniert davon, wie gut es Phil Rickman gelingt, diese beklemmende Atmosphäre eines Dorfes mit alten Hierarchien, in denen jeder irgendwie mit jedem zusammenhängt, darzustellen. Dieser Zwiespalt, zwischen denen, die alles am liebsten lassen würden, wie es ist, und denen, die alles tun würden, um das kleine Dorf wirtschaftlich tragbarer zu machen, ist wirklich spannend.

Was mir ein wenig zu kurz kam, war Merrily als Person – zwar gibt es inzwischen schon einige Charaktere, die man als Hauptfiguren sehen kann, doch sie ist es ja, aus der die Serie entstand, und sie ist auch eine wirklich interessante Persönlichkeit, weshalb ich mir noch mehr Kapitel, die sich ihr widmen, gewünscht hätte.

Alles in allem spreche ich für das Buch aber guten Gewissens eine Empfehlung aus – für Fans der Serie ein Muss, und mag es auch für Neueinsteiger nicht die allerbeste Wahl sein, so wird man auf keinen Fall abgeschreckt! Es enthält alles Wichtige eines typischen Merrily-Watkins-Mysterys und bietet einige spannende Lesestunden für Fans außergewöhnlicher Thriller. Wie sich in diesen Büchern Mythologie, Historie, Lokalpolitik und Religion vermischen ist immer wieder ein interessantes Leseerlebnis!

Autor: Phil Rickman | Übersetzerin: Nicole Seifert
Originaltitel: The Secrets of Pain
Verlag: rororo
Erstauflage: 2011 | Deutsche Erstausgabe: 2014
ISBN-10: 3499258277
ISBN-13: 978-3499258275

Traveler DC 120

Krimis und Thriller

Rezension: „Die Todesgeigerin“

todesgeigerinAutor: Paul Walz
Verlag: Prolibris
Erstauflage: Dezember 2014
Format: Taschenbuch
ISBN-10: 3954751011
ISBN-13: 978-3954751013
Seiten: 331

Handlung: Als am Anfang der Geschichte eine Seniorin tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, gehen Kommissar Lichthaus und sein Team zunächst noch von einem Einzelfall aus. Als sie jedoch Wissen über mehrere ähnliche Fälle erlangen, erkennen sie, dass sich jemand in einer Raubmordserie einer unheimlich verletzlichen Bevölkerungsschicht zuwendet: Alternden Menschen, die vollkommen von ihrer Umwelt abgeschnitten sind. Es stellt sich heraus, dass all den Opfern gemeinsam war, dass sie im Internet in Seniorenchatrooms ihrer Einsamkeit zu entfliehen suchten, wo der Mörder dann ihr Vertrauen erlangte. Die Ermittlungen im Cyberspace stellen das Team vor ungeahnte Herausforderungen.

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Wie eigentlich immer kann ich mir nicht verwehren, das Buch von mehreren Standpunkten zu betrachten – mein erster ist der einer begeisterten Krimileserin, und als solche habe ich das Buch gerne gelesen. Der oben beschriebene Fall ist mir in dieser Weise noch nie untergekommen und mit Spannung habe ich verfolgt, wie die einzelnen Handlungsstränge aufgedröselt wurden und die Ermittler in so einigen Sackgassen stolperten. Was ich besonders mochte, waren die Kapitel, die die Sicht der Opfer und Täter beleuchteten. Ich bin jetzt 22 und die meisten Menschen, mit denen ich Kontakt habe, sind ebenfalls junge Erwachsene, oder Erwachsene vor dem Rentenalter. Dieser Blick auf ältere Menschen in ihrer Einsamkeit war etwas ganz neues und Bedrückendes für mich. Auch der Einblick in die Motive der Täter gab dem Leser eine neue Perspektive auf das Geschehen und machte es schwerer, eine klare Grenze zwischen „gut“ und „böse“ zu ziehen.
Wie es in den meisten Krimis von heute üblich ist, konzentrierte sich das Buch nicht nur auf den Fall, sondern erzählte auch vom Leben der Ermittler, hier hauptsächlich von Kommissar Lichthaus. Die Todesgeigerin ist der dritte Band einer Reihe um diesen Ermittler, man kann aber auch gut einsteigen wenn man – wie ich – keinen der vorhergehenden Bände gelesen hat. Leider muss ich sagen, dass mir hier Lichthaus leider nicht so sympathisch wurde (was aber vielleicht an meiner ganz persönlichen Abneigung gegen Eifersüchteleien liegt), das trübte mein Lesevergnügen aber nur unwesentlich. Im Allgemeinen mochte ich das Team und wie deutlich wurde, wie sympathisch sich die meisten Mitglieder sind.
Vom Krimileser-Standpunkt war das also ein gutes Buch, aber leider bin nie nur eine Art von Leserin gleichzeitig, weshalb ich nun kurz auf zwei Punkte eingehen möchte, die meinen Genuss des Buches ein wenig schmälerten:
Zum einen wäre da die Sache, dass ich eine junge Erwachsene im Jahre 2015 bin. Mit Betonung auf ‚jung‘, weil ich damit meine Zugehörigkeit zu einer Generation unterstreichen möchte, die quasi im Internet aufgewachsen ist. 😀  Zwar gab es in meiner Kindheit weder Smartphones noch Laptops, aber dennoch bin ich seit ca. 10 Jahren häufig (und immer häufiger werdend) im Internet unterwegs. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich eben online fast schon zu Hause fühle, dass es mir oft seltsam bis unglaubwürdig erschien, wie naiv die Ermittler an diesen neuen Schauplatz herangehen. Zwar kenne ich mich nicht wirklich aus, wie gut ausgebildet Polizisten in dieser Hinsicht sein müssen, doch konnte ich der Geschichte nie so ganz abnehmen, von was die Protagonisten alles noch nie gehört hatten, bzw. welche Unvorsichtigkeiten sich daraus ergaben. Doch, wie gesagt, das ist nur meine ganz persönliche Empfindung – und vielleicht finden sich „wirkliche, echte Erwachsene“ auch eher darin wieder, schließlich ist das Internet ja auch für Frau Merkel Neuland. 😉
Ein zweiteres kleines Manko war, dass ich (trotz der oben erwähnten teilweisen Aufhebung von Gut und Böse), viele (Neben-)Charaktere als etwas flach und fast karikaturhaft gezeichnet fand, als sollte es dem Leser extra einfach gemacht werden, sie schnell in Schubladen a la „Nerd“, „brave, harmlose Studentin“ zu stecken.

Alles in allem also empfand ich Die Todesgeigerin als guten  Krimi – nicht unbedingt herausragend, aber keineswegs schlecht, der spannende Unterhaltung für einen faulen Sonntag auf der Couch bietet. 🙂

Historisches

[Rezension] „Sehet die Sünder“ von Liv Winterberg

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Autorin: Liv Winterberg
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)
ISBN-10: 3423249404
ISBN-13: 978-3423249409
Seiten: 432
Cover: Sehr schön gestaltet, wie ich finde! Hübsch unaufdringlich und auch nicht mit dem für historische Romane fast schon klischeehaften, gemälde-artigen Frauenantlitz

„Sehet die Sünder“ ist ein Thriller, der in historischem Ambiente spielt, genauer gesagt in der Bretagne um 1440. In diese wird man dank des bildhaften Schreibstils der Autorin auch schnell entführt, dank lebendiger Beschreibungen kann man sich die verschiedenen Schauplätze, an denen die Geschichte spielt, gut vorstellen. Manche Dialoge wirken dank des betont altmodischen Sprachgebrauchs zwar recht gestelzt, doch das stört den Lesefluss nur unwesentlich.

Zentrum der Handlung ist das fiktive Dorf Saint Mourelles, in dem Kinder verschwinden und später tot – ermordet! – aufgefunden werden. Dass es sich hierbei weder um eine Strafe Gottes noch um das Werk des Teufels handelt, ist dem modernen Leser schnell klar, doch wer oder was hinter diesen Vorfällen steckt, die sich rasch auf das nahe gelegene Schloss Troyenne und ein weiter entferntes Dorf ausweiten, bleibt bis zum Schluss spannend.

Die vielen verschiedenen Handlungsorte und -stränge sind zwar am Anfang noch verwirrend, doch man gewöhnt sich schnell daran und sie eignen sich bestens dazu, aus verschiedenen Hinweisen eine eigene Lösung zurecht zu puzzeln.

Die Charaktere waren ebenfalls recht vielschichtig beschrieben, man konnte sich nie ganz sicher sein, ob sie wirklich so sind, wie sie vorgeben. Einzig störte mich die für meinen Geschmack etwas sehr „perfekte“ weibliche Hauptperson Catheline, an der ich nicht wirklich negative Eigenschaften ausmachen konnte, doch das tat dem Lesevergnügen kaum Abbruch.

Für diejenigen, die bei vielen handelnden Personen oft durcheinander kommen, gibt es am Anfang auch ein Personenregister, was mir sehr entgegenkam.

Neben der Haupthandlung, den Mordfällen, gibt es (natürlich) noch eine komplizierte Romanze, sowie politisch-wirtschaftliche Intrigen, auch ist die Handlung sehr gut in den historischen Zusammenhang eingebettet.

Was mir sehr gut gefiel war auch der Anhang in dem die Autorin noch ein Mal auf die Zeit, in der das Buch spielt eingeht, und außerdem auf einige wahren Ereignissen eingeht, die sie zu der Geschichte inspirierten, außerdem gibt es ein Glossar mit Begriffen, die den Lesern wohl heute nicht mehr ganz so geläufig sind.

Alles in allem ein netter Schmöker für spannende Lesestunden!
Ich werde mir auf jeden Fall auch den ersten Roman der Autorin zu Gemüte führen.

Historisches · Krimis und Thriller

[Rezension] „Die Schädeljäger“ von C. Gref und M. Schwagmann

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Autoren: Christiane Gref & Meike Schwagmann
Verlag: Gmeiner-Verlag
ISBN-10: 3839212987
ISBN-13: 978-3839212981
Seiten: 367
Cover: Nicht unbedingt schön anzusehen, Zartbesaitete (ich) finden es gruselig, aber definitiv sehr gut zum Inhalt passend und interessant zu betrachten.

„Die Schädeljäger“ ist ein Thriller, der in Weimar zur Zeit Goethes spielt – allerdings ganz ohne Goethe, was allerdings auch nicht weiter stört, schließlich ist das Thema des Romans nicht die Literatur, sondern eine gänzlich andere Wissenschaft: Die Phrenologie, also die Schädellehre. Diese besagt, dass man anhand der Vermessung eines Schädels nahezu sämtliche Charaktereigenschaften eines Menschen errechnen kann.

Zur Zeit, in der das Buch spielt, hält sich gerade ein Wissenschaftler namens Dr. Gall in Weimar auf und belehrt und schockiert die Bürger mit Vorträgen über jenes Thema. Unglücklicherweise scheint er aber auch einen besonders enthusiastischen Fan dazu angeregt haben, das mit der Schädelvermessung selbst einmal zu versuchen, doch leider belässt der es nicht beim Abtasten der Köpfe lebendiger Personen, sondern ist für eine Spur enthaupteter Leichen verantwortlich, die die Stadt in Aufruhr versetzt.

Bei der Lektüre des Buches begegnet man einer Reihe interessanter Charaktere und zumindest mir schien am Anfang jeder dubios genug, um der Täter zu sein. Da gibt es Adrian Dennfelder, einen mürrischen und verschwiegenen Weinhändler, einen irgendwie zwielichtigen Frauenhelden namens Victor von Marbach, einen aufstrebenden Jungdichter mit Namen Manuel Brückner und viele mehr.

Auch gibt es viele Nebenhandlungen, von kaputten Ehen über romantische Verstrickungen bis hin zu weiteren kriminellen Taten, wie der Verstümmelung einiger als Boten gebrauchter Straßenjungen. So passiert fast auf jeder Seite etwas Spannendes und Unerwartetes.

Der Schreibstil lässt sich gut lesen, ist dem historischen Ambiente angepasst doch nicht zu gewollt altmodisch, was mir oft bei historischen Romanen unangenehm auffällt.
Nach einer kleinen Anlaufzeit war ich schnell in der Geschichte drin und habe das Buch nicht so rasch wieder weggelegt, tat sich doch ständig etwas Neues auf und ich schöpfte ständig wieder einen anderen Verdacht, wer denn nun hinter allem steckt.

Was mich am Ende dann jedoch ein bisschen störte, war, dass nicht wirklich alle Einzelheiten aufgeklärt wurden, ja, dass sogar manches für mich persönlich gar nicht wirklich zusammenpasst. Doch wer mit einem spannenden historischen Krimi, der zwar nicht alle Fragen restlos klärt, aber interessant und unterhaltsam zu lesen ist, kann mit diesem Buch kaum etwas falsch machen.