Krimis und Thriller

Rezension: Weiße Magie – mordsgünstig

CAM00685 Alanis McLachlan hat seit 20 Jahren nicht mit ihrer Mutter gesprochen, als sie eines Tages die Nachricht erreicht dass diese ermordet wurde. Ihr Erbe ist außergewöhnlich: Ihre Mutter hinterlässt ihre „Weiße Magie“, einen Laden für okkulten Bedarf, in dem sie auch Tarotkarten für Reihen an begeisterten Kunden legte. Obwohl Alanis klar ist, dass dies nur eine weitere Masche ihrer Mutter, einer erfolgreichen Trickbetrügerin, sein kann, bringt sie etwas dazu, den Laden zu übernehmen und die Gelegenheit zu nutzen, herauszufinden, wer der Mörder ist. Nun muss sie sich nicht nur mit einer verschworenen Dorfgemeinschaft herumschlagen, in der jede*r jede*n kennt (und einige sie loswerden möchten), sondern auch möglichst rasch lernen, überzeugend Karten legen zu können …

~*~

Nicht, dass ich an die „reine mütterliche Liebe“ glaubte. Das war wie mit dem Yeti. Viele Leute behaupteten, ihn gesehen zu haben, ich aber hatte gute Gründe, skeptisch zu sein.
(S.66)

Das Buch ist ein klassischer Whodunnit-Krimi mit interessantem Setting, skurrilen Charakteren und viel Humor. Obwohl ich mich durchweg gut unterhalten fühlte, waren es die letzten beiden Punkte, die das Lesen leider manchmal etwas anstrengend machten. Alanis ist eine Ich-Erzählerin die zu Zynismus und witzigen Sprüchen neigt, was ich auch toll finde – trockener Humor an der richtigen Stelle kann wahnsinnig grandios sein. Hier allerdings reihte sich oftmals lustiger Kommentar an lustigen Kommentar, so dicht, dass den Lesenden kaum Zeit bleibt, sich wirklich auf den Text einzulassen, was ich etwas ermüdend fand. Zwar passt dies gut zum – durch ihre Kindheit und Jugend, über die wir auch etwas erfahren – abgebrühten und toughen Charakter Alanis, auf Dauer hätte ich sie aber wirklich gerne gebeten, mal kurz die Ironie auszuschalten und einfach nur zu erzählen. Dies fällt auch Clarice, einem anderen Charakter auf: „Endlich haben Sie mal eine Reaktion gezeigt. Ein Gefühl. Sonst waren Sie immer … ich weiß auch nicht. Sie sind wie ein Roboter, den Sarkasmus und Lügen am Laufen halten.“ Auch die Kapitel, in denen sie von ihrer (wirklich schlimmen) Vergangenheit erzählte, tun sich schwer damit, die Lesenden zu erreichen. Die Bemühung eines Spagats zwischen Absurdität, Übertreibungen und einem ernsthaft ergreifenden Inhalt wird deutlich, gelingt aber nicht so ganz. Erst ganz gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass Alanis mir irgendwie näher kam, und ihre Gedanken darüber, wie ihr es nie gelungen war, sich anders als in Abgrenzung zu ihrer Mutter zu definieren, ließen sie dann dreidimensionaler und nachvollziehbarer wirken.
Abgesehen von diesen Schwächen hinsichtlich der Charaktertiefe hat mir das Buch aber großen Spaß gemacht. Besonders die ungewohnte Umgebung des Esoteriklädchens gefiel mir sehr, und einer meiner Höhepunkte beim Lesen war, als Alanis ihre erste Tarotkartenlesung improvisieren muss. 😀
Über Tarotkarten und ihre Bedeutungen und möglichen Interpretationen erfährt man neben bei echt viel, und obwohl ich zuvor noch nie Interesse daran zeigte, bemerke ich jetzt, dass ich wirklich mal Lust hätte, mir die Karten zu legen. 😉

Auf Englisch gibt es einen zweiten Band (Fool Me Once) – auch wenn ich kein „unbedingt lesen!“-Gefühl habe, wenn ich in der Bibliothek oder in einem Second-Hand-Shop darüber stolpere, würde ich nicht nein sagen.
Der Autor hat übrigens die Austen-Parodie „Pride and Prejudice and Zombies“ geschrieben! Ich habe das (auf Grund meiner recht irrationalen Zombiephobie) nicht gelesen, aber vielleicht ist er somit einigen anderen hier ein Begriff.

Ein selbstsicherer Mistkerl wird viel mehr erreichen als ein Heiliger mit geringem Selbstwertgefühl, sagte Biddle immer.
(S.79)

Autor*innen: Steve Hockensmith & Lisa Falco | Übersetzerin: Britta Mümmler
Originaltitel: The White Magic Five and Dime
Seiten: 348
Verlag: dtv
Deutsche Erstauflage: 2014
ISBN-10: 3423215917
ISBN-13: 978-3423215916
Auch im ePub-Format und für den Kindle erhältlich.

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Historisches · Schwerlich Kategorisierbar

Rezension: Sommernovelle

Sommernovelle1989, nach Tschernobyl und vor der Wende. Die Freundinnen Panda und Lotte sind sehr idealistisch und engagieren sich für Umweltschutz. Da passt es gut, dass sie – obwohl mit 15 eigentlich noch zu jung – in den Osterferien für zwei Wochen auf einer Vogelstation auf einer Nordseeinsel aushelfen dürfen. Dort erleben sie einen Sommer, der sie in vieler Hinsicht fürs Leben prägt; sie lernen viel über sich, andere Menschen, und Vögel, und werden zwischen erster Liebe, großen Enttäuschungen und Desillusionierungen ein wenig erwachsener.

In jedem Fall aber würde ich etwas tun für die Welt. Auch wenn mir noch nicht ganz so klar war, was.
(S.72)

Da ich an alle Bücher, die am oder auf dem Meer spielen, immer mit besonderer Hoffnung herangehe, schlug ich auch die Sommernovelle mit großen Erwartungen auf und wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil! Christiane Neudeckers Stil, wie sie die Landschaft, die Vögel, die Gerüche und Geräusche und das Wetter beschreibt, hat mich so gefangen genommen, dass ich fast das Gefühl hatte, meine Lesestunden wirklich am Strand verbracht zu haben.
Auch vom Inhalt her war das Buch etwas ganz besonderes. Die Mädchen Lotte und Panda, vor allem letztere als Ich-Erzählerin, sind lebendige, sympathische Personen, die man gerne auf ihrem Weg begleitet. Obwohl sie manchmal jugendlich-naiv sind, wird dies im Buch nicht verurteilt oder zynisch verlacht, stattdessen fühlt man mit ihnen, wenn die Realität zu desillusionierend wird, oder sie aus Unwissen in Fettnäpfchen treten. Mit ihnen lernt man die anderen skurrilen und einzigartigen „Bewohner“ der Vogelstation kennen: da gibt es Melanie, eine freundliche und offene Studentin, die auf Männer unverkennbaren Reiz ausübt, den lässigen und freundlichen Julian, der Lotte sofort in seinen Bann zieht, die alte Frau Schmidt, von der niemand so genau weiß, wie ihre Vergangenheit aussah und was sie zur Station zieht, und nicht zuletzt die Senioren Hiller und Sebald, die im Krieg zusammen gekämpft haben und nun jährlich gemeinsam zur Vogelstation fahren. Von Anfang an kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass auf der Station etwas nicht so ist, wie es sein soll, und über all der Idylle hängt die düstere Ahnung, dass noch irgendetwas Unschönes geschehen wird … Als dann schließlich der Professor auftaucht, der die Station leitet, scheint sich eine Gelegenheit zu bieten, Fragen zu stellen, doch ist der Mann seltsam abweisend und geht Fragen nach dem Zweck seiner Forschung lieber aus dem Weg.

Das atmosphärische Buch erzählt von so vielem – von der Liebe zum Meer, zu den Vögeln und zur Literatur, von dem Drang, die Welt verbessern zu wollen, und der Angst, das nicht zu können, und das alles in einem wundervollen Schreibstil. Ich bin versucht, es gleich noch mal zu lesen, um wieder auf die ungenannt bleibende Insel reisen zu können. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung, definitiv eins meiner Highlights meines bisherigen Lesejahres 2015!

Manchmal bauen Menschen sich Luftschlösser. […] Aber das heißt nicht, dass in den Schlossgärten nicht ein paar Blumen wachsen können.
(S.166)

Autorin: Christiane Neudecker
Seiten: 186
Verlag: Luchterhand
Erstauflage: Mai 2015
ISBN-10: 3630874592
ISBN-13: 978-3630874593
Auch im epub-Format und für den Kindle erhältlich!

Fantasy · Jugendbücher

Rezension: Fürchte nicht das tiefe blaue Meer

fuerchte nicht 1
Seitdem ihre Eltern, beide Künstler, zu einer Reise nach Paris aufgebrochen sind, leben Violet und ihr Bruder Luke alleine. Da ihre Villa namens Citizen Kane durchaus schon bessere Zeiten gesehen hat, doch das Geld kaum für den täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln genügt, geschweige denn für Reperaturen, beschließt Violet, einen Untermieter aufzunehmen. Als River West auftaucht, verändert sich nicht nur ihr Leben, sondern das der gesamten Kleinstadt. Ein Mann bringt sich auf offener Straße um. Kinder verschwinden. Andere Kinder belagern den Friedhof und behaupten, den Teufel gesichtet zu haben. Für Violet stellt sich die Frage, ob River, an den sie schnell ihr Herz verloren hat, vielleicht die Ursache all dessen sein könnte …

Young Adult Fantasy ist ein Genre, bei dem ich so zwischen Ja, bitte! und Urks, aber doch bitte nicht so! schwanke. Mit Freuden kann ich verkünden, dass ich bei diesem Buch hauptsächlich Tendenzen zu erster Reaktion hatte. Ich kann nicht abstreiten, dass die Charaktere in die für Jugendbücher typischen Klischees fallen: Violet als die ruhige, belesene „nicht so wie die anderen Mädchen“-Hauptperson, River ist der mysteriöse, attraktive und faszinierende Fremde mit dunklem Geheimnis, und Violets beste (und einzige) Freundin Sunshine Black (ähm. ja. ich denke mir das nicht aus!) ist fokussiert auf Äußerlichkeiten und die Anerkennung durch Jungs.
Was, dieses Thema betreffend, das Buch aber aus der Masse des beliebten Genres heraushebt, ist der erstaunlich geringe Anteil an Verurteilung. Ich habe den Eindruck, dass viele Jugendbücher davon leben, dass die Hauptfigur sämtlichen Mitmenschen gegenüber enorm herablassend eingestellt ist und ihren inneren Monolog ständig mit verächtlichen Bemerkungen spickt, die wohl sarkastisch und lustig sein sollen, aber in der Regel doch eher von einem mangelnden Respekt vor Leuten, die ihr Leben auf eine andere Weise führen, zeugt. Hier ist Violet zwar an einigen Stellen genervt, wenn Sunshine und Luke ständig flirten, und ja, eine gewisse Überheblichkeit kann man auch ihr nicht absprechen, doch im Großen und Ganzen merkt man ihre Zuneigung zu ihrem Bruder und ihrer Freundin, trotz der Unterschiede. Ebenfalls positiv ist, dass River tatsächlich nett zu Violet ist, ihr Zuneigung zeigt und es so verständlich macht, dass sie sich in ihn verliebt. Viel zu oft lese ich gerade in Jugendbüchern von zwei Charakteren die sich die ganze Zeit beleidigen und augenscheinlich keine zehn Sekunden im gleichen Raum verbringen können, ohne dass Gefahr besteht, dass einer von beiden einen Mord begeht. „Was sich liebt das neckt sich“ in allen ehren, die meisten YA-Fantasy-Romanzen überschreiten in dieser Hinsicht die Grenzen jeglicher Glaubwürdigkeit.

Die Kritikpunkte, die ich anzumerken habe, sind eigentlich fast schon Standards des Genres: irgendwann wurde mir die Gefühlsduselei doch zu viel, diese Intensität der großen, wahren Liebe, wenn man sich erst mal ein paar Tage kennt. Außerdem weiß ich noch nicht ganz, ob ich das unglaubwürdig oder einfach bedenkenswert finden soll, aber: wenn ich gegen eine*n potentielle*n Partner*in solche Verdächte hege wie Violet im Laufe der Handlung gegen River, dann wäre bei mir schnell Schluss mit „aber ich bin ja so verliebt“! Auch war mir einiges, gerade gegen Ende, viel zu dramatisch geschrieben – es ist ja schwer, nicht ins Lächerliche abzurutschen, und ich fürchte, meine Schmerzgrenze ist da oft etwas niedrig.

Alles in allem habe ich mich aber durchweg gut unterhalten gefühlt. Fantasy Romance ist ein Genre, um das ich eigentlich einen Bogen mache, aber hier hat mich das Cover irgendwie angezogen, und ich bereue nicht, mal wieder mein Glück probiert zu haben. Das Rad wurde nicht neu erfunden, doch die Handlung bleibt unterhaltsam – und dass ständig so von Kaffee geschwärmt wird macht ein Buch für mich dann gleich noch sympathischer! 😀

Für Leute wie mich, die eh nur ab und zu zögerlich in das Genre reinspickeln keine unbedingte Leseempfehlung, aber wer solche Bücher sowieso mag, sollte mit diesem kurzweiligen Roman nicht enttäuscht werden. Auf Englisch gibt es auch einen zweiten Band – Between the Spark and the Burn – der aber nicht auf Deutsch erschienen ist.

Autorin: April Genevieve Tucholke | Übersetzerin: Anja Galić
Originaltitel: Between the Devil and the Deep Blue Sea
Seiten: 384
Verlag: cbt
Erstauflage: August 2013 | Deutsche Erstauflage: September 2013
ISBN-10: 3570308847
ISBN-13: 978-3570308844
Auch im epub-Format und für den Kindle erhältlich!

Jugendbücher · Mystery · Schwerlich Kategorisierbar

[Rezension] „Die alltägliche Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl

Traveler DC 120Autorin: Marisha Pessl | Übersetzerin: Adelheid Zöfel
Originaltitel: Special Topics in Calamity Physics
Verlag: Fischer
Englische Erstauflage: 2006
ISBN-10: 3100608038
ISBN-13: 978-3100608031
Seiten: 601

Oberflächliches: So! Schön! Finde ich. Die riesige Rose und Kaktusblüten (?) sind hübsch, aber nicht kitschig, und wie der Titel in das Bild eingearbeitet wurde, gefällt mir auch. Außerdem fühlt sich der Schutzumschlag angenehm papierig an.

Handlung: Blues Mutter ist in ihrer Kindheit gestorben, ihr Vater reist als Universitätsprofessor von einer Universität zur anderen. Sie bleibt also nie lange an einem Ort, statt Freunde zu finden versinkt sie in Büchern. Als ihr Vater zusagt, zum Anlass ihres letzten Highschool-Jahres ein Mal ein ganzes Jahr am selben Platz zu verweilen, ändert sich das aber: Sie findet zu einer kleinen Gruppe recht reicher und arroganter Mitschüler, die sich um die charismatische Lehrerin Hannah Schneider scharen. An Blue scheint Hannah ein besonders starkes Interesse zu haben. Die Schüler ihrerseits vermuten, dass ihre Lehrerin ein Geheimnis birgt …

~*~

Wie in meinem Monatsrückblick schon angesprochen, ist meine Meinung zu diesem Buch nicht ganz einfach in Worte zu fassen.Traveler DC 120
Irgendwie wurde ich enttäuscht, ja. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich wirklich sehr hohe Erwartungen hatte: ich meine, das Cover ist ja mal wunderschön! Und beim Inhaltsverzeichnis bin ich auch dahingeschmolzen. Ich meine, schaut nur! ->

Was sich hinter all diesen begeisternden Äußerlichkeiten versteckte … naja. Man könnte sagen, dass ich beim Lesen eigenltich größtenteils genervt war. Nicht direkt von der Ich-Erzählerin selbst, aber von ihrem Vater. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, die dieses Buch gelesen haben, aber wurde ihr auch allmählich in den Wahnsinn getrieben von sämtlichen „Dad sagt immer“, „wie Dad schon meint“ und Blah?! Klar, sie wuchs als Halbwaise auf, zog viel um; er ist wohl die einzige wirkliche Bezugsperson in ihrem Leben, aber dennoch: Wenn du schon dazu aufgezogen wurdest, alles kritisch zu hinterfragen, dann fang‘ doch einfach mal bei deinem Vater an, liebe Blue.

Ebenfalls recht störend fand ich den Stil an sich. Eigentlich mag ich ja ausgefallene Metaphern und Vergleiche, auf die man erst beim zweiten Hinsehen kommt, aber wenn sich alles so ließt, als würde die Autorin versuchen, die vorhergehende Seite an absurden Stilmitteln zu übertrumpfen, dann denke ich mir halt nur noch „chill mal, ey“.

Auch etwas Stilistisches, wovor ich vielleicht warnen sollte: Statt bloß auf Bücher Bezug zu nehmen, zitiert Blue diese direkt und verweißt dann auch jedes Mal auf den Urheber eines Gedankens (Pessl, 2006), was manche Leser vielleicht als störend empfinden könnten.

Nicht, dass es mir zu Anfang überhaupt nicht gefallen hat – ich war sozusagen „milde interessiert“, hatte auch nicht das Bedürfnis, das Buch wegzulegen, war nur einfach ziemlich genervt. 😉
Wirklich das Gefühl, gefesselt und in der Geschichte angekommen zu sein, hatte ich leider erst nach ungefähr 500 Seiten, also, kurz, bevor es auch schon wieder vorbei war. Dort geschah nämlich etwas, dass mir das ganze Genervt-Sein es dann doch wert erscheinen ließ. 😀 Darüber muss ich mich gerade auch kurz auslassen, wer das nicht lesen will, überspringt den Abschnitt zwischen den Spoilerwarnungen …

[SPOILER ANFANG]

Das Ereignis, das mein Bild so umwarf, war natürlich der Fortgang von Blues Vater. Ich kann nicht mal wirklich sagen, ob ich die Idee gut/glaubwürdig fand, ich hatte es einfach nie im Leben erwartet, und das mag ich an Büchern sehr, wenn sie mich so überraschen können!
Was haltet ihr davon? Habt ihr schon geahnt, dass hinter dem Mann mehr steckt als nur eine arrogante Nervensäge?

Sehr schön fand ich auch die „Abschlussprüfung“, ich finde das nett von Büchern, wenn sie einem so höflich Denkanstöße servieren.

[SPOILER ENDE]

Ja. Im Allgemeinen kann ich nicht sagen, ob ich das Buch empfehlen würde – es ist schon irgendwie interessant und lohnend, aber man wird auch aggressiv dabei. (Also, ich. Aber ich bin auch leicht zu ärgern, besonders von Ich-Erzählern.) Es wirkt irgendwie unnötig überladen und ist durch allzu abstruse Metaphorik manchmal anstrengend zu lesen, ohne den Leser dafür zu „belohnen“. (Also, es gibt ja auch Texte, die anstrengend sind, aber wenn man sich durchwühlt gerät man in so ein Literatur-High, meine ich …)
Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber – abgesehen von der wunderschönen Aufmachung – ist es jetzt nichts, was ich unbedingt im Regal stehen haben müsste.

Meine liebsten Zitate aus dem Buch gibt es jetzt übrigens zum Lesen und Rebloggen auf Tumblr, wenn ihr auf diesen Satz hier klickt!

Schwerlich Kategorisierbar

[Rezension] „Der Allesforscher“ von Heinrich Steinfest

Traveler DC 120

Autor: Heinrich Steinfest
Verlag: Piper
Erstauflage: 10. März 2014
ISBN-10: 3492054080
ISBN-13: 978-3492054089
Auch für Kindle und im ePub-Format erhältlich.
Seiten: 400

Handlung: Es passiert vieles und gleichzeitig nichts. Ein Wal explodiert. Aus dem eher leichtlebigen Manager Sixten Braun wird ein Familienvater und Bademeister. Um Liebe geht es auch noch.

Oberflächliches: Yay! Schön. Das Hardcover-Buch liegt angenehm in der Hand, der Schutzumschlag fühlt sich sehr papierig an (und ich fühle mich sehr sprachgewandt). Auch das Cover gefällt mir, eine schöne Mischung aus schlicht und verwirrend. Der Hintergrund der Zeichnungen, die sich übrigens auch innerhalb des Buches wiederfinden, wird dann im Laufe der Geschichte erklärt.
Hach. Und dann ist auch noch ein Wal drauf! Ich muss zugeben, sowas erhöht bei mir die Sympathie für Cover jeglicher Art ungemein. Wale sind so knuffig.

allesforscherzitat

Das Buch ist vor allem eines: ein interessantes Leseerlebnis. Nicht unbedingt des Plots wegen – den fand ich nicht wirklich so fesselnd. Klar, er ist sehr kreativ und voller verrückter Einfälle, aber eine Absurdität nach der anderen macht ein Buch ja noch lange nicht lesenswert. Was für mich den Großteil des Lesevergnügens ausmachte, waren die sprachlichen Bilder, die Heinrich Steinfest erschuf. Vergleiche und Metaphern, die beim ersten Lesen noch enorm abgedreht erscheinen, aber dann doch irgendwie einen Sinn ergeben, ließen mich das Buch nahezu verschlingen, immer getrieben von der Frage: Welche Begriffe kann er denn noch in von mir nie so erdachte Zusammenhänge bringen?
Da gab es zum einen natürlich Stellen zum Schmunzeln: „Er ließ mich los, aber wirklich so, wie man einen Eimer in der Ecke absetzt, und das Stillstehen unbelebter Materie einfordert. Eimer und Zivilisten. Doch zumindest letztere wehren sich hin und wieder. Nach einem kurzen Moment eimerartiger Paralyse […]“
Doch auch Dinge, über die man nachdenken kann, wenn man denn möchte: „Von Kindheit an erscheint das Lügen als ein grundsätzliches Prinzip des wirklichen Lebens. Die Liebe hingegen gipfelt darin, nicht lügen zu müssen. Nicht darum, weil man so ehrlich ist, sondern weil einer den anderen nicht zwingt, die Wahrheit auszusprechen.“
Dinge, denen man zustimmen kann, wenn man denn möchte. Oder auch nicht.
In jedem Fall ist Der Allesforscher ein Buch, das mich zwar auf Plotebene, oder was das Mitfühlen mit den Charakteren betrifft, so gar nicht berührte, mir sprachlich aber umso mehr Freude bereitete. Außerdem fand ich hier zum ersten Mal seit langem Sexszenen vor, die mich nicht erschauern ließen, das ist ja auch mal was!
Alles in allem also eine klare Leseempfehlung.

Für wen? Fans ausgefallener Sprachbilder, Leute, die auf der Suche nach Außergewöhnlichem sind. Eher nicht für Leute, die emotionales Mitleiden und Mitfiebern brauchen, glaube ich.

Historisches · Liebesromane

[Rezension] „Das Herz der Verräterin“ von Marlene Klaus

Traveler DC 120

Autorin: Marlene Klaus
Verlag: Dryas
Erstauflage: März 2014
ISBN-10: 3940855499
ISBN-13: 978-3940855497
Auch für Kindle erhältlich, außerdem im e-pub-Format!
Seiten: 400

Handlung: Beim Fest zur Grundsteinlegung für das Mannheimer Schloss sieht der Musketier Cornelius zum ersten Mal die schöne Clara, in die er sich sofort unsterblich verliebt. Als sie bald darauf auch wirklich zusammen kommen, könnte alles perfekt sein, allerdings gibt es mehr und mehr seltsame Geschehnisse, die darauf hindeuten, dass der Festungsbau sabotiert werden soll, und es drängt sich der Verdacht auf, dass Clara etwas damit zu tun haben könnte…

Oberflächliches: Das Cover ist für einen historischen Roman nicht außergewöhnlich gestaltet, doch mir gefällt es. Das schöne Hellgrün erzeugt Frühlingsstimmung, und der Grundriss der Festung Mannheim im oberen Teil ist auch eine tolle Idee.
Außerdem gibt es im Vor- und Nachwort schön viele Hintergrundinformationen sowie ein Personenverzeichnis, so etwas mag ich immer. 🙂

Das Buch hat mich leider nicht überzeugt. Da das ja bei den meisten historischen Romanen so ist, hatte ich gar nichts anderes erwartet, als dass der Fokus mehr auf der Liebesgeschichte liegt, als auf dem Krimi/Thriller-Teil des Plots, das hat mich also nicht großartig gestört. Doch es war schlicht und einfach so, dass ich nie das Gefühl hatte, wirklich in die Geschichte reinzukommen. Ich hatte den Eindruck, dass die Handlung nur so dahinplätscherte, die Geschichte zwischen Clara und Cornelius war wenig überraschend. Die Charaktere blieben für mich größtenteils flach, es mangelte an Grauzonen, die sie für mich interessanter machten. Zwar hatte ich durchaus Lieblinge, Cornelius‘ kleine Schwester zum Beispiel war immer ein Highlight, doch im Großen und Ganzen habe ich nicht den Eindruck, wirklich dreidimensionale Bilder der handelnden Personen gewonnen zu haben. Auch der Schreibstil war leider nicht wirklich mein Geschmack – er erschien mir etwas unbeholfen und ließ mich nicht wirklich in die Handlung eintauchen.
Ich mochte die interessanten Fakten, und da ich in Mannheim wohne, freute ich mich immer, wenn Orte erwähnt wurden, die ich kenne, von der Geschichte an sich kann ich das Buch jedoch nicht wirklich weiter empfehlen.

Für wen? Vielleicht jemanden, der nicht so mäkelig ist, wie ich. Leute, die auf historische Romanzen stehen, Leute, die aus Mannheim kommen oder dort leben. 😉

Jugendbücher · Liebesromane

[Rezension] „Libellensommer“ von Antje Babendererde

Traveler DC 120

Autorin: Antje Babendererde
Verlag: Arena
ISBN-10: 3401500198
ISBN-13: 9783401500195
Seiten: 260

Handlung: In Jodies Familie läuft gerade vieles schief: Die Eltern streiten dauernd, der Vater zieht aus, und als ihre Mutter dann auch noch ihren Laptop verkauft, reicht es ihr. Sie haut ab – ihr Ziel ist es, zu ihrem E-Mail-Freund zu reisen und dort einige Zeit zu verbringen, um den Eltern einen Schrecken einzujagen. Per Anhalter macht sie sich auf den Weg, doch nicht alles läuft so, wie geplant. Als der Indianer Jay sie schließlich aus einer unangenehmen Situation befreit und zwangsweise mit in sein Lager nehmen muss, beginnt der ereignisreichste Sommer ihres Lebens. Jodie muss einige Vorurteile über Bord werfen, über sich selbst hinauswachsen, und findet in Jay schließlich die Liebe…

Oberflächliches: Das Cover finde ich mit den zarten Libellenflügeln wunderschön gestaltet. Einfach traumhaft – ausnahmsweise kann ich mich nicht über das Titelbild beklagen! 😀

Das Buch hat mich, ehrlich gesagt, enttäuscht. Ich hatte schon viel Lob dafür vernommen, meine kleine Schwester liebt die Romane von Frau Babendererde, und auch Freundinnen in meinem Alter waren teils sehr begeistert. Auch der Satz in der Kurzbiographie „ihre Romane […] fußen auf intensiven Recherchen und USA-Reisen und werden von der Kritik hoch gelobt“, schürte meine hohen Erwartungen.
Diese konnte das Buch allerdings nicht wirklich halten – es war zwar eine nette Lektüre für zwischendurch, allerdings gefielen mir zwischendrin so viele Dinge einfach gar nicht, dass ich es nicht wirklich durchgängig genießen konnte.
Zum einen wäre da Ich-Erzählerin und Hauptcharakter Jodie. Ja, ich weiß, sie ist gerade in der Pubertät und alles, aber dennoch: ihr ständiges Jammern und Klagen ging mir dann doch teilweise arg auf die Nerven! So schwierig ihre Situation, von einem unbekannten Indianer durch die Wildnis geführt zu werden, auch sein mag, mir machte es nicht besonders Spaß, ihren dauernden Beschwerden gegenüber Jay, der sie ja immerhin aus einer äußerst unangenehmen Situation gerettet hatte, zu lauschen. Vor diesen Hintergrund fand ich auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden äußerst schwer nachzuvollziehen. Er, ganz der klassische, schweigsame „ein Indianer kennt keinen Schmerz“-Typ, und sie, dauernd dabei zu fragen, zu klagen…zu nerven. Nein, wirklich, ich kann in keinster Weise verstehen, was die beiden verband, und muss sagen, dass ich sie an seiner Stelle wohl irgendwann im Wald stehen gelassen hätte…
Man erfährt kaum von irgendwelchen ausführlicheren Gesprächen, die eine Verbindung zwischen den beiden für mich überzeugend hätte wirken lassen.
Insgesamt empfand ich eigentlich alle Charaktere als sehr klischeehaft gezeichnet, es wirkt, als kämen Jodie und Jay nur zusammen, weil sie in sich gegenseitig die Faszination am stereotypen Anderen ausleben können.
Auch abseits der Beziehung fand ich viele Aspekte so unlogisch, dass sie mein Lesen erheblich störten. Jodies Eltern wissen für Wochen nicht, wo sie ist, aber weil sie ja einen Zettel hinterlassen hat, dass sie bitte nicht die Polizei rufen sollen, tun sie das auch nicht, sondern warten einfach, dass sie schon wieder auftauchen wird? Eher nicht.
Außerdem: Diese Idee, dass ein übergewichtiges Mädchen für das perfekte Happy End natürlich Gewicht verlieren muss, sollte auch endlich mal ins Nirgendwo verbannt werden.

Wie man sieht war ich mit dem Buch also nicht wirklich zufrieden und würde es eher nicht weiter empfehlen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für jüngere Leser*innen romantisch sein kann, allerdings ist ja nicht alles, was als romantisch und ein Beziehungsideal empfunden wird, wirklich positiv zu betrachten. (Man besehe sich nur mal Twilight oder 50 Shades of Grey.)

Für wen? Mich nicht. Jemand, der etwas weniger kritisch denkt, als ich, hat an dem Buch vielleicht mehr Spaß, aber für mich bestand das größte Vergnügen am hingerissenen Anstarren des Covers, das ich immernoch wundervoll finde. 😀