Lyrik

Rezension: For Your Safety Please Hold On

Mir ist aufgefallen, dass ich hier noch nie etwas über eine bestimmte Gattung geschrieben habe, die mir eigentlich sehr viel bedeutet, nämlich die Lyrik. Dem wirkt dieser Eintrag entgegen, und da ich in letzter Zeit auch viele Gedichte und Gedichtbände lese, kann ich vielleicht auch bald mehr Empfehlungen (oder Anti-Empfehlungen) aussprechen.

czaga - for your safetyDieser dünne Band, For Your Safety Please Hold On, ist das erste Buch der jungen kanadischen Poetin Kayla Czaga. Ein vorherrschendes Thema ist die Familie, so besteht fast die erste Hälfte des Buches nur aus Portraits diverser Familienmitglieder. Kayla Czaga erzählt von ihren Eltern, von der Krankheit und dem Tod ihrer Mutter, ihrem und dem Umgang ihres Vaters mit der Trauer. Auch Tanten, Onkel und Großeltern werden so schonungslos und lebendig beschrieben, dass man fast denkt, die bunte Familie persönlich zu kennen.

Danach widmet sich das Buch diversen Themen, dem Erwachsenwerden, der Liebe, der Angst, und es erzählt davon, ein Mädchen/eine Frau zu sein. Alles ist durchzogen von Nostalgie, die Autorin erinnert sich oft an ihre Kindheit zurück, an ihre Schulzeit und anderes.

Ein Favorit meinerseits ist das letzte und längste Gedicht, Many Metaphorical Birds. Es dreht sich um Heideggers Sein und Zeit, Philosophie, Schlussmachen, Kommunikation und den Unterschied zwischen Cafés und Coffee Shops.

greatly i have coffeed

Kayla Czagas Gedichte reimen sich nicht, sie bestehen oft aus langen Sätzen und Strophen, zumeist in recht alltäglicher Sprache, doch mit ausgefallenen Metaphern und Verknüpfungen.

Ich kann diese Gedichte jedem ans Herz legen, der gerne zeitgenössische Lyrik liest und sich zumindest ein wenig für die erwähnten Themen interessiert.

Autorin: Kayla Czaga
Verlag: Nightwood Editions
Seiten: 96
Erstauflage: 2014
ISBN: 978-0-88971-303-1
Auch für den Kindle erhältlich.

[Zeugs] Persönliches

Ich muss mal kurz angeben …

Hallo. c:

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag posten soll, aber ich freue mich so, deshalb muss ich hier kurz mal angeben. Ist ja mein Blog und ich darf tun was ich will. Oder so.

Wie auch immer: Man findet jetzt ganze zwei Gedichte von mir im Internet! \o/
Ich meine, natürlich findet man viel viel mehr Gedichte von mir im Internet, aber diese beiden eben ganz „offiziell“ und unter meinem richtigen Namen & vor allem eben nicht auf einem von mir eigens dafür erstellen Blog und so.

Wer Gedichte mag und Englisch kann, der darf sie sich gerne mal durchlesen. 🙂

Rosa Hits Enter at a Lot of Random Places

&

Not Your Metaphor

Nun. Ich würde gerne mit dem Versprechen schließen, hier bald mal wieder was zu posten, aber wie oft habe ich das schon versprochen und dann kam mir doch das ‚real life‘ dazwischen? Von daher verspreche ich nichts, hoffe aber, dass ich in den nächsten Tagen mal wieder Zeit finde, Rezensionen oder Aufreger zu schreiben. 🙂

Jugendbücher · Liebesromane

Rezension: Eleanor and Park

eleanor and park 1! Diese Rezension bezieht sich auf die englisch-sprachige Ausgabe !

Autorin: Rainbow Rowell
Verlag: Orion Publishing Group
Erstauflage: 2012
ISBN-10: 1250012570
ISBN-13: 9781250012579

Handlung: Als Park Eleanor zum ersten Mal in den Schulbus steigen sieht, findet er sie sofort seltsam – mit ihren wallenden, roten Haare und ihren seltsamen Klamotten fällt sie auf, und das mit Absicht, wie es ihm scheint. Da der Platz neben ihm jedoch der einzige noch freie ist, sitzen sie nun täglich auf den Fahrten zur Schule und zurück nebeneinander. Zunächst schweigen sie sich an, doch eines Tages bemerkt Park, dass Eleanor über seine Schulter in den Comics mitließt, die er im Bus immer verschlingt. Irgendwann bringt er ihr einen Stapel Comics zum Selberlesen mit und die ersten Gespräche entspannen sich: über Comics, Musik, das Leben im Allgemeinen …

Nothing was dirty. With Park.
Nothing could be shameful.
Because Park was the sun, and that was the only way Eleanor could think to explain it.

Das erste Buch, das ich von Rainbow Rowell laß war ihr aktuellestes Jugendbuch Fangirl. Schon dies überraschte mich positiv, ich erlebte etwas, das mir, um ehrlich zu sein, selten passiert: Ich fühlte so richtig mit den Charakteren mit. Nicht falsch verstehen – ich bin durchaus ein menschlicher Mensch mit Gefühlen, nur ist es eben so, dass ich so gut wie nie an den Punkt gerate, an dem die Geschichte, die ich lese, für mich wirklich wird. Ständig bin ich mir überdeutlich bewusst, dass all die Charaktere gar nicht existieren, und dann ist es mir auch relativ egal, ob die nun glücklich sind, oder traurig, oder verliebt. Emotionen habe ich beim Lesen zwar schon, doch die spielen sich hauptsächlich auf der Wortebene ab. Der Plot ist für mich eher da „unwichtige“ Gerüst im Hintergrund, das wunderschönen Worten ihre Existenzberechtigung auf den Seiten verschafft, übertrieben ausgedrückt.
Aber: Rainbow Rowell schafft es, was nur wenigen Autoren und Autorinnen gelingt, nämlich, dass ich wirklich mit den Figuren mitfiebere und -leide und mich freue. Während mir Fangirl schon selige Seufzer entlockte und tränenfeuchte Augen hervorrief, fand ich diese Geschichte sogar noch berührender.
Die beiden Hauptcharaktere, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, sind einfach so wahnsinnig echt. Sie sind keine einseitigen, platten Abziehbilder, die Jugendbuchautoren den Leser*innen (die sie wohl unterschätzen) oft vorsetzen. Beide sind durch grundverschiedene Familien geprägt, was die unterschiedlichen Arten, in denen sie ihre Beziehung angehen, sehr verständlich macht. Besonder Eleanors gewalttätiger Stiefvater, der die Familie tyrannisiert, erklärt viel von ihrem Zögern, sich auf andere Menschen einzulassen. Durch das Aufgreifen solcher Themen wie familiärer Probleme oder Mobbing in der Schule ist das Buch oft bedrückend, doch um einiges realistischer und lebendiger als die durchschnittliche Jugendbuch-Romanze, die entweder eine heile Welt vorspielt oder durch lieblos artifizielle Konflikte Spannung erfährt.
Ich laß in Rezensionen davon, dass vielen das Buch (gerade vielleicht das Ende) nicht fröhlich genug ist. Selbst finde ich jedoch, dass die schönen Momente, in denen die beiden sich gänzlich aufeinander einlassen, mich glücklich genug machen, und dass eine literarische Beziehung nicht nur dann (bzw. gerade dann nicht) besonders lesenswert ist, wenn sie ins Ewige und überirdisch Perfekte stilisiert wird.
Auch das Ende, das viele kritisierten, laß ich eigentlich als Happy End und ich schlug das Buch mit einem Lächeln zu.

Ich glaube, dass ich bei Jugendbüchern noch viel kritischer bin, als bei anderen – vielleicht, weil ich den Eindruck habe, dass gerade jugendliche Leser oft von Autoren unterschätzt werden und man sie mit oberflächlichen Geschichten abfertigt – doch Eleanor & Park hat mich auf ganzer Linie überzeugen können.

You saved my life, she tried to tell him. Not forever, not for good. Probably just temporarily. But you saved my life, and now I’m yours. The me that’s me right now is yours. Always.