Schwerlich Kategorisierbar

Rezension: Aliide, Aliide

cam00869

Obskur, komplex, bedrückend – das sind drei Worte, mit denen man Aliide, Aliide von Mare Kandre beschreiben könnte. Viel über den Inhalt würde das nicht verraten, doch das tut auch das Buch selbst nicht. Es erzählt die Geschichte von Aliide, einem schwedischen Mädchen, das in Übersee aufgewachsen ist, und sich nun wieder in Schweden einfinden muss – das Land gefällt ihr jedoch nicht, vor allem die Sprache scheint ihr dem Englischen gegenüber unbehaglich und wenig aussagekräftig: „jedes Wort [war] matt und hart wie ein grauer, gewöhnlicher Stein, und mit diesen Wörtern im Mund pflanzte sich die Schwere im restlichen Körper wieder fort, der sich deswegen wieder komisch anfühlte, schwer und plump.“

Aliide hat wenige Freunde. Die meiste Zeit verbringt sie mit K, einem Mädchen aus der Nachbarschaft. Die beiden könnten gegensätzlicher nicht sein. Während Aliide wild und mutig ist und auch mal vorlaut sein kann, ist K eher brav, sauber und ordentlich. Dennoch verstehen sie sich gut, bis es Aliide immer schlechter geht und sie sich immer weniger unter Kontrolle hat. Denn eines Tages, durch nur grob umschriebene Ereignisse, beginnen, verdrängte Erinnerungen in ihr wieder hoch zu kommen, die Allides Verhältnis zu sich selbst und ihrer Umwelt komplett auf den Kopf stellen.

Die Welt, die man immer durch ihre Augen sieht und in ihren Worten erlebt ist von da an durchtränkt von einem Gefühl von Furcht und Bedrohung. Sie entwickelt einen Ekel vor sich selbst, vor anderen, vor allem Körperlichen, der sie zu reinigenden und letztendlich nutzlosen Ritualen treibt. Am Schlimmsten ist, dass sie mit niemandem darüber reden kann. Obwohl sie oft verzweifelt um Hilfe bitten möchte, ist wieder und wieder ihre Überzeugung stärker, ihre Eltern vor den Schlechten Dingen in ihr und in der Welt beschützen zu müssen. In ihrem Drang, die heile Welt nicht zu zerstören, schweigt sie also, und leidet.

„Dass man da sitzen und sterben konnte, umgeben von seinen eigenen Familienmitgliedern, tief im Innern fürchterlich verletzt, von Schmerz und Angst fast zugrundegerichtet, ohne dass es denen überhaupt auffiel, dass man das so vollständig verbergen konnte. Dass man damit allein war. Mutterseelenallein musste man das mit sich herumtragen!“

Das Buch ist in einem unglaublich dichten Schreibstil geschrieben. Reale Ereignisse gehen in Träume über, Beobachtetes in Gefühltes. Und wie der Stil den Inhalt verbirgt, so ist der Grund für Aliides Leiden vor ihr selbst verborgen. Weil ein Kind dafür noch keine Worte hat und auch nicht brauchen sollte.

Aliide, Aliide ist ein beeindruckendes Buch. Beim Lesen zwischenzeitlich so eindrücklich, dass ich es kurz bei Seite legen musste, um durchzuatmen, möchte ich es doch noch viele Male lesen, um all die Sätze, mit denen der wort- und hilflose Schrecken eines Kindheitstraumas so gut es geht verbalisiert wird, würdigen zu können. Leichte Kost ist etwas anderes, dennoch empfehle ich es uneingeschränkt allen, die sich auch an schwere Themen wagen. Kindheit ist hier kein Paradies der Geborgenheit, sondern eine Hölle, aus der man nicht entkommen kann, weil man sie in sich trägt.

cam00866

Autorin: Mare Kandre | Übersetzerin: Isabelle Wagner
Verlag: Septime
Seiten: 400
ISBN-10: 3902711485
ISBN-13: 978-3902711489

Diese Rezension wurde zuerst als Gastrezension auf Bibliophilin.de veröffentlicht.

Advertisements
[Sonstiges Buchbezogenes]

Montagsfrage: Trigger, die uns ein Buch vorzeitig beenden lassen

98eb5-montagsfrage_banner

Habt ihr Trigger, die euch am Weiterlesen hindern?
(Antworten anderer Blogs hier!)

Es gibt natürlich Themen/Handlungsstränge, über die ich lieber nichts lesen möchte – oder nur mit genügend Vorbereitung irgendeiner Art – aber da solche meist schon im Klappentext oder in Rezensionen erwähnt werden, werde ich davon in der Regel nicht plötzlich überrascht.

Eine Sache, vor der nicht gewarnt wird, weil es vermutlich eher selten ist, dass einem da so unangenehm zu Mute wird, ist „Babysprache“. Also, wenn so geschrieben wird, wie Kleinkinder sprechen, oder wenn ein erwachsener Mensch so zu kleinen Kindern spricht. Aus unerfindlichen Gründen kann ich das nur sehr schwer ertragen, mir wird das körperlich und geistig absolut unwohl. Abgebrochen habe ich deswegen noch kein Buch (es ist ja auch selten mehr als ein paar Sätze), aber entsprechende Abschnitte überfliege ich ab und an nur. (Es kam auch schon vor, im Fall von A Portrait of the Artist as a Young Man, das mit einer entsprechenden Passage beginnt, dass ich es im betrunkenen Zustand zu lesen begann, weil ich wusste, dass mich ansonsten der Anfang wohl ewig davon abhalten würde, es zu lesen.)

Dinge, die mich vor Wut ein Buch zuschlagen lassen, und mir den Willen, weiter zu lesen, ziemlich dämpfen, sind z.B. ignorante und voruteilsbelastete Aussagen (oder sogar Witze) über Neurodivergenzen. Neulich z.B. laß ich Isegrim von Antje Babendererde, und als die Hauptperson über das Verhalten eines anderen Charakters dachte „Was ist denn das für eine Autistennummer?“ wurde mir vor Wut ein bisschen übel und ich sagte mir so etwas wie: „Den Scheiß muss ich mir echt nicht geben!“ Habe ich dann aber doch – teils, weil ich das Buch sowieso fast beendet hatte, teils, weil ich mir dachte, ich könnte ja über jene Szene so wie vieles andere, das mich aufgeregt hatte, einen Blogeintrag schreiben. Das habe ich dann im Endeffekt nicht, aber der Wille war da …

Lyrik

Gedicht des Monats: ‚Ans Meer‘ von Oscar Loerke

Wie ich im vorhergehenden Beitrag angekündigt habe, würde ich gerne häufiger über Lyrik schreiben. Um das nicht bei einem Vorsatz bleiben zu lassen, kam mir der Gedanke, ich könnte doch jeden Monat mit einem Gedicht einleiten, das ich gerne mag. Groß herumanalysieren möchte ich da gar nicht (und hoffe, dass ich mich werde zurückhalten können), sondern euch schlicht etwas zeigen, dass ich sehr mag, und hoffen, dass ich damit jemandem eine Freude machen kann. Vielleicht entdeckt ihr ja neue Lieblingsgedichte oder Dichter*innen. 🙂

Das Novembergedicht lautet Ans Meer und wurde geschrieben von Oskar Loerke (1884 – 1941). Zum ersten Mal darauf gestoßen bin ich im Reclam Gedichtband Das Meer.

.

Ans Meer

Der Nebel reißt, der albisch kroch
Aus meinem Blut zum Totenfeld:
Ein Morgen scheint im Wolkenloch
Hoch auf die Welt.

Das Leben kommt von weitem her.
Und es geschieht, was einst geschah?
Mit ihrer Wäsche fährt ans Meer
Nausikaa.

Ein Weg weist nach Byzanz und Rom,
Für mich betritt ihn der Barbar.
Im Stein verwittert schon am Dom
Sein Mund, sein Haar.

Doch wann bin ich? Der Morgen währt,
Ein Rauschen ruft, ein Meer ist nah –
Ans Meer mit ihrer Wäsche fährt
Nausikaa.

.

cam00615
Kein Ort der griechischen Mythologie, sondern Edinburgh. Trotzdem schön, und immerhin Meer. (Und für mich auch mit Nausikaa verbunden. Hier ein Gruß an A. und S., die das hier nicht lesen werden.)

Warum dieses Gedicht? Es fühlt sich für mich nach einem schönen Grauton an, wie es auch der November tut. Der Rhytmus ist wunderschön stetig und beruhigend. Zum wiederholten Lesen vor dem Schlafengehen; zum tagelang im Kopf stecken bleiben und zum Lächeln bringen. ‚Nausikaa‘ ist ein wunderschönes Wort – ich mag es, wenn man zwei hintereinander stehende Vokale zweisilbig auspricht. Weil die letzte Strophe nach ewig und nach nie und wunderschön und wundertraurig klingt.

[Sonstiges Buchbezogenes] · [Zeugs] Persönliches

Ein Lebenszeichen und Buchmesse-Impressionen

Wer diesem Blog folgt und in der Zwischenzeit nicht schon längst vergessen hat, dass er existiert, wird gemerkt haben, dass ich mal wieder längere Zeit nichts geschrieben habe. Ich könnte mal wieder versprechen, dass das besser wird, aber ich möchte lieber keine Versprechungen mache – außer vielleicht der, dass ich nicht vorhabe, diesen Blog aufzugeben! Das Problem besteht eher darin, dass ich eine Person bin, die sehr leicht zu begeistern ist und dann für jedes spannende Interesse einen Blog anlegen muss, weshalb sich meine Aufmerksamkeit auf geschätzte 1000 Websites verteilt. 😀
Eine Liste dieser werde ich auch bald in meiner Sidebar einfügen, dann kann man mich nach Herzenslust überallhin verfolgen.

Dann gibt es natürlich noch ein Leben außerhalb des Internets mit  lieben Mitmenschen, Uni, Fernsehserien, Spaziergängen und natürlich Büchern. 😊

Ein jährlich wiederkehrendes Außer-Internet-Event war die Frankfurter Buchmesse. Wie seit ungefähr acht Jahren war auch ich wieder dabei, mit viel Selbstironie und Verzweiflung. Dazu muss ich nämlich zugeben, dass ich eigentlich gar nicht gerne auf der Buchmesse bin, aber irgendwie gehört es einfach zu dieser „Familientradition“ von meiner kleinen Schwester (die übrigens auf Inkworldbookworld ihre schönen Fotos von Büchern teilt!), meiner Mutter und mir. Jedes Jahr wieder fängt Wochen vorher diese Vorfreude und Panik (mehr Panik, ehrlich gesagt) an. Jedes Jahr wieder sage ich mir, wenn ich mich durch die Menschenmassen quetsche: „Das war wirklich das letzte Mal!“ Und im nächsten Jahr dann wieder diese resignierte Einsicht, dass man sich an diesem einen Samstag im Oktober für ein paar kostenlose Prospekte und ein paar überteuerte Kaffeepausen ins Getümmel stürzen wird.

Ich weiß ja auch nicht. Es ist wirklich eine ganz seltsame Sache: Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich meine Aufenthalte auf der Buchmesse genieße, aber dabei bin ich doch immer wieder.

Problematisch an meinem Herangehen an die Buchmesse ist wohl, dass ich immer sehr planlos antrete. Es gibt selten Veranstaltungen, die ich besuche – wobei ich sagen muss, dass mich die wenigsten Lesungen, Gespräche oder Autogrammstunden wirklich reizen. Ich lese lieber, als das ich mir vorlesen lasse, und es gibt selten Autor*innen, die ich so verehre, dass ich unbedingt ein Autogramm brauche. (Auch wenn ich mich als Fan von Gregs Tagebuch damals freute, als Jeff Kinney antrat! :D)

Weil ich also nie wirklich ein Ziel habe, besteht mein Samstag (es ist immer der Samstag – wo es da schon so voll ist, möchte ich gar nicht wissen, wie es sonntags aussieht, wenn da auch Bücher verkauft werden!) also daraus, durch die Hallen gedrückt zu werden und alles einzustecken, was geht.

Natürlich stolpere ich eigentlich jedes Mal über Bücher, die ich uuunbedingt noch lesen muss. Die kommen dann auf meine sowieso schon mehrere hundert Bücher umfassende To-Read-Liste. (Als hätte ich nicht genug zu tun, mit den ungelesenen Büchern, die sich hier in meinem Regal tümmeln. ;))

Manchmal entdecke ich auch Dinge, die einfach über-cute sind, diesmal begeisterten mich beispielsweise diese Incomplete Shakespeare Reihe:

incomplete-shakespeare-collage

Ansonsten war ich dieses Jahr auf einem Translation-Slam, wo professionelle Übersetzer*innen zeigten, was sie konnten. Da ich an der Uni auch ein paar Übersetzungkurse belegte und seitdem sehr von diesem Thema fasziniert bin, fand ich das ziemlich interessant, vor allem, als es um die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten professioneller Übersetzungsprogramme ging.

Ansonsten stürzte ich mich auf gleich zwei Probeabos: einmal auf die taz (kleiner Tipp: am taz-Stand gibt es immer Kaffee für eine Spende nach Wahl, definitiv eine billigere Möglichkeit als die sonstigen!) und einmal auf die Zeitschrift mare, die ich vorher nicht kannte, und die sich mit allem Ozean-Bezogenen befasst, sei es politisch, literarisch oder ökonomisch. Eine Ausgabe durfte ich schon mitnehmen, auf die folgenden warte ich gespannt!

Kostenlose Souvenirs habe ich leider diesmal gar nicht so viele abgreifen können – vielleicht bin ich einfach zu menschenpanisch an den Ständen vorbei gehastet. Manchmal habe ich in dieser Hinsicht eben bessere, und manchmal schlechtere Tage.

Einige Zeitschriften sind mir aber doch in die Hände gefallen, die ich mir bald in Ruhe durchsehen werde, und wenn alles interessante notiert ist, werde ich sie auseinanderschneiden und zu Collagen wieder zusammensetzen. Auch wenn relativ talentfrei habe ich in letzter Zeit mal wieder meine Leidenschaft für’s Malen und Basteln wiederentdeckt. 😀

Ansonsten kann ich über die Buchmesse gar nicht viel sagen – aus den Augen, aus dem Sinn, oder so. 😉

Ich verabschiede mich, in der Hoffnung, bald mal wieder etwas von mir lesen zu lassen. Die Motivation ist ja da, und ich habe so viele Pläne (mehr über Lyrik schreiben! regelmäßiger an Tags oder Blogaktionen mitmachen! …), aber ich bin eben in sehr viele Richtungen motiviert, und mich da am Riemen zu reißen und einen Eintrag wirklich fertig zu stellen, fällt da manchmal schwer.

Jugendbücher · Liebesromane

Rezension: Als ob nichts wäre

als obEin wenig komisch fühlt Elin sich schon, als sie, nun, kurz nachdem sie die Schule wieder hinter sich hat, doch wieder das alte Schulgebäude betritt. Schon lange hat sie Gedichte und Prosa geschrieben, nun möchte sie in einem Kurs für Kreatives Schreiben mehr über dieses Handwerk lernen. Als sie unter den fremden Erwachsenen auch Paul, ihren Nachbar und auch noch Vater ihrer besten Freundin, vorfindet, weiß sie zunächst nicht, was sie von der Situation halten soll. Im Laufe des Kurses nähren sich die beiden sich zunächst freundschaftlich aneinander an, doch Elin beginnt schnell, auch romantische Gefühle für den Mann zu entwickeln, der ihr auch nicht gerade abgeneigt scheint.

Ich weiß plötzlich gar nichts mehr. Mein Kopf ist wie ein ausgeblasenes Osterei. Außen hübsch bemalt und innen völlig hohl.
S.99

Bücher über Beziehungen oder „Verliebtheiten“ (mir mangelt es an einem schönen Wort für Crushes) mit Altersunterschied haben mich schon immer sehr fasziniert. Es kommt dort zu ganz anderen Konflikten, als all dem, was man aus den gewohnten Jugendbuch-Romanzen kennt – auch wenn ich von diesen früher sehr viele gelesen habe (die „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe habe ich geliebt!), letzten Endes finde ich die moralischen Fragen, die Heimlichkeit und andere Schwierigkeiten, die man in age gap Büchern findet, doch interessanter. Natürlich ist es ein schwieriges Thema, an das man mit Fingerspitzengefühl herangehen muss – gerade wenn ein Part des Paares noch minderjährig ist – und ich habe auch schon einige wirklich schlecht ausgeführte Beispiele gelesen, doch gebe ich meine Suche nach den Juwelen nicht auf.

Als ob nichts wäre ist, meiner Meinung nach ein richtig gut gelungener Roman. Dass die Annäherung Elins und Pauls in ihren Gesprächen über die selbstgeschriebenen Texte ihren Anfang nimmt, finde ich als Ausgangspunkt und gemeinsame Basis schön und überzeugend. Die Geschichte ist in Elins Worten erzählt, man bekommt ihre Gefühle also in den Worten einer jungen Schriftstellerin mit – oft blumig und überschwänglich und in dramatischen Metaphern, aber für den Charakter sehr überzeugend und angemessen.

Sie verliebt sich Hals über Kopf, und auch Paul empfindet für sie – jedoch bleibt die Frage, ob er für ein Mädchen seine langjährige Ehe aufs Spiel setzen möchte. Das ist nicht das einzige, was einer Beziehung zwischen den beiden im Wege stünde: Pauls Tochter Tessa ist immerhin Elins beste Freundin, doch da Elin ja nicht mit ihr über die Gefühle zu ihrem Vater sprechen kann, zieht sie sich immer mehr ins Schweigen zurück, wodurch das, was zwischen Elin und Paul ist, auch einen Keil in die Freundschaft der beiden Mädchen treibt. Auch (ver)zweifelt Elin daran, wie „pervers“ ihre Gefühle doch sind – „[…] wenn ich mir vorstelle, wie es wäre, plötzlich zu erfahren, dass Papa und Tessa dicht aneinander gepresst mit ihren Zungen im Mund des anderen herumwühlen, wird mir beinahe schlecht. Das ist doch krank. Altmännerfantasien.“ – kann sich gegen die überwältigende Verliebtheit aber dennoch nicht wehren.

Abgesehen von der Romanze geht es in diesem Buch auch um Zukunftsträume und Lebenspläne, besonders in Elin und ihrem Bruder. Während sie noch ein einem Süßwarengeschäft jobbt und nicht weiß, was sie für den Rest ihres Lebens tun möchte, weiß er das schon genau, nur hat er es noch nicht geschafft, aus der bedrückenden Familienatmosphäre auszubrechen.

Insgesamt ist Als ob nichts wäre ein empfehlenswertes Jugendbuch, dessen Protagonistin ihrer Situation mit einer überzeugenden Mischung aus Überschwang, Angst und (Selbst-)Zweifeln gegenüber tritt, und in dem es außer um romantische Liebe auch um Freundschaft, Familie und die Pubertät im Allgemeinen geht.

Autorin: Katarina von Bredow | Übersetzerin: Maike Dörries
Schwedischer Orignialtitel: Som om Ingenting
Verlag: Beltz & Gelberg
Seiten: 240
Erstauflage: 1999 in Schweden
ISBN-10: 3407788789
ISBN-13: 978-3407788788

Dieses Buch ist nicht mehr neu erhältich, aber da ich sowohl Büchereien als auch das Kaufen gebrauchter Bücher sehr befürworte, hielt mich das auch nicht vom Rezensieren ab.

[Sonstiges Buchbezogenes]

Montagsfrage: aussortieren oder behalten?

98eb5-montagsfrage_banner

Bist du jemand, der seinen Buchbestand regelmäßig ausmistest, oder behältst du lieber alle deine Bücher?
(Antworten anderer Blogs hier!)

Nun, die Frage ob ich lieber alle meine Bücher behalte ist leicht beantwortet – natürlich würde ich das gerne! – aber die Frage, ob das so möglich ist, sieht leider nicht so positiv aus. Ich bin wahrscheinlich gerade so an der Obergrenze, wie viele Bücher man in ein Studentenwohnheimzimmer quetschen kann, wobei gefühlte tausende Kisten und Rosa-hohe Stapel eben auch nicht die beste Methode sind, Bücher aufzubewahren. Bei meiner Familie stehen auch noch einige Kisten, aber da die auch zu dritt in einer Dreizimmerwohnung wohnen, und selbst genug Zeug aus unserem alten Haus unterzubringen haben, kann ich sie auch nicht mit mehr belasten.

Soll heißen: ich würde wirklich gerne alle meine Bücher behalten, aber es geht eben nicht. Leute, die genügend Stauraum und dann auch noch Geld für Buchregale haben, beneide ich zutiefst.

Zum Glück lese ich auch viele Bücher aus Büchereien oder von Freundinnen ausgeliehen, sodass die Frage des Behaltens sowieso überflüssig wird.

Ansonsten behalte ich durchaus die meisten, und Bücher, die mir sehr gefielen würde ich auch nicht weggeben, oder auch solche, in die ich viele Anmerkungen geschrieben habe, da lebe ich lieber in der Gefahr, dass mein größter Stapel mir bald auf den Kopf fällt. <.<

Bücher, die ich weggebe, bringe ich meist in ein öffentliches Buchregal in meinem Lieblingscafé. Die meisten Möglichkeiten, gebrauchte Bücher weiter zu verkaufen finde ich relativ unpraktisch.

Ja, ich gebe also Bücher weg, aber das meist schweren Herzens (außer sie haben mir wirklich nicht gefallen, oder einfach keinen großen Eindruck hinterlassen, was ja auch oft vorkommt). Natürlich ist eine eigene Bibliothek der große Traum, aber eben auch ein Luxus, weshalb ich sie, wie die meisten meiner Pläne auf den ominösen Zeitpunkt „Wenn ich mal reich bin“ verschiebe.

 

Kurzgeschichten · Schwerlich Kategorisierbar

Rezension: Eier von überglücklichen Hühnern

Normalerweiße nehme ich ja vom abwertenden Begriff chic-lit mit Vorliebe Abstand, doch bei diesen fröhlichen chickens auf dem Cover, sollte ich meine Meinung vielleicht noch mal überdenken … 😉 „Eier von überglücklichen Hühnern“ kann wohl am besten als „Memoir in Scrapbooktechnik“ beschrieben werden. Wie die Autorin im Vorwort erklärt, bereut sie, in ihrer Kindheit kein Tagebuch geführt zu haben, und holt das nun nach. Doch nicht nur Erlebnisse – frisch erlebte oder solche aus der Kindheit – hält sie fest, sie kombiniert diese mit selbstgeschriebenen Gedichten und persönlichen Fotos. So erhält man einen sehr persönlichen Einblick in das Leben von Katy Buchholz. 

überglückliche hühner
Hühnerfiguren habe ich leider keine, doch meine Schweine tun ihr bestes, die Atmosphäre aufrecht zu erhalten … 

Der Stil ist sehr direkt – es gibt keine blumigen Umschreibungen und Metaphern, doch Füllwörter und Einschübe, die eher den Eindruck erwecken, man habe sich mit der Autorin zu einem Gespräch, vielleicht bei Kaffee und Kuchen, getroffen, als ein Buch zu lesen.

Es wird von der ersten Liebe erzählt, von ersten Enttäuschungen, von unfreundlichen Klassenkameraden, doch auch die traurigsten Kindheitserinnerungen enden auf einer positiveren Note. Auch kommt immer wieder eine Freude an kleinen Dingen zum Vorschein. Besonders erinnere ich mich an eine kurze Geschichte, in der Katy Buchholz morgens in aller Frühe aufstand, 20 Minuten in den Nachbarort zur Bäckerei radelte und dort auf deren Öffnen wartete, um ihre Mutter zum Geburtstag mit frischen Brötchen überraschen zu können.

Ansonsten erfährt man einiges über das Aufwachsen und Leben in Ostdeutschland. Besonders interessant und amüsant fand ich, zu lesen, dass man den Mauerfall durchaus auch verschlafen konnte. Klar, während man heute wohl nicht durch die Schule kommt, ohne sich das geschichtsträchtige Datum merken zu müssen, war damals der Vorabend des großen Ereignisses noch ein Datum wie jeder andere. 😀

Nett fand ich auch zu lesen, wie Katy Buchholz vom Treffen mit einer befreundeten Autorin und von ihrer ersten Lesung, bei der sie als Zuhöhrerin anwesend war, erzählt. Da ich selbst auch schreibe, finde ich es immer spannend, Einblicke in das Leben anderer Schreiber*innen zu erhalten.

Der Stil ist noch nicht ganz ausgereift, klingt manchmal holprig, doch da das Buch ja, wie oben erwähnt, eher das Gefühl einer persönlichen Gesprächssituation vermittelt, störte mich das nicht zu sehr. Ich hatte Spaß dabei, mich einmal auf so eine Weise einem Menschen zu nähren, ein wenig passt es dazu, dass ich ja auch sehr gerne Blogs im Internet lese, in denen Menschen einfach Gedanken, Erinnerungen und Eindrücke mit anderen Teilen, ohne sich thematisch und strukturell zu großer Einschränkungen zu unterwerfen, auch wenn Eier von überglücklichen Hühnern natürlich andere Inhalte hat, als die meisten modernen Blogs.

Autorin: Katy Buchholz
Verlag: Karina-Verlag
Seiten: 140
Erstauflage: Januar 2016
ISBN-10: 3903056723
ISBN-13: 978-3903056725

 

Ich danke Katy Buchholz für das Zur-Verfügung-Stellen eines Rezensionsexemplares!