Krimis und Thriller · Mystery · [Sonstiges Buchbezogenes]

Montagsfrage: Ein bald erscheinendes Buch, auf das ich mich freue!

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Welche Neuerscheinung, auf die du dich freust, erscheint als nächstes?
(Antworten anderer Blogs hier!)

Im Mai erscheint If We Were Villains von M.L.Rio – dieses Buch habe ich schon letztes Jahr vorbestellt, und kann es gar nicht erwarten, es in den Händen zu halten!

Auf Deutsch wird es ab September unter dem Titel Das verborgene Spiel erhältlich sein.

Die ersten Rezensionsexemplare wurden schon verschickt, doch da ich in der Regel bei Büchern, bei denen ich mir hundertprozentig sicher bin, dass ich sie lesen werde, keine Rezensionen lese, warte ich damit bis ich selbst etwas dazu sagen kann.

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von ablogwithaview.com

Es geht um eine Gruppe Schauspiel-Studierende, es passiert ein Mord oder Unfall und einer der Freunde landet im Gefängnis. Zehn Jahre nach den Ereignissen ist er nun bereit, zu erzählen, was damals wirklich geschah.

Schon seit Jahren verfolge ich die Blogs der Autorin (hier ihr Literatur/Shakespeare-Blog und hier ihr offizieller Blog als Autorin). Immer wieder hat sie kleine Updates zum Schreibprozess dieses Romans gegeben und ich wurde immer gespannter. Da ich ja auch ein großer Shakespeare-Fan bin, freue ich mich vor allem auf die ganzen Zitate und Anspielungen, die wohl im Buch vorkommen sollen. Außerdem kann man mit einem Buch, das im Rückentext mit Donna Tartts The Secret History verglichen wird, bei mir nicht viel falsch machen.

So hibbele ich also vorfreudig herum, bis das Buch dann endlich Anfang Mai bei mir im Briefkasten liegt. 🙂

 

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Krimis und Thriller · Mystery

Rezension: Das Geheimnis des Schmerzes

Traveler DC 120Das Geheimnis des Schmerzes ist der 11. Band von Rickmans Reihe um Merrily Watkins, die eine doch recht außergewöhnliche Hauptfigur für eine Mystery-Serie darstellt. Sie ist nämlich Pfarrerin und außerdem „Beraterin für spirituelle Grenzfragen“ ihrer Diözese, was im Endeffekt ein auf modern getrimmter Name für den Exorzistenberuf ist. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich in dieser Reihe oft Wirklichkeit mit Geschehnissen, die man nicht ganz einordnen kann, vermischt. Oft wird der Leser mit dem unbehaglichen Gefühl von „Kann es wirklich sein, dass…?“ zurückgelassen.

Wer schon einige Bände kennt, wird sich schnell wieder in die enge – manchmal beengende – Dorfgemeinschaft von Ledwardine einleben, doch auch Neueinsteiger in Rickmans Reihe dürften sich nach einigen Kapiteln recht gut zurechtfinden. Ich finde es immer wieder schön, die bekannten Charaktere wieder zu treffen, wie Lol, den unsicheren und liebenswerten Folkmusiker, und Jane, Merrilys Tochter, mit ihrem ausgeprägten Interesse für Archäologie und Naturreligionen.

In diesem Band geht es gleich um mehrere brisante Themen: Es beginnt mit einem Mord an einem alteingesessenen Bauer, der zunächst Gastarbeitern in die Schuhe geschoben wird, was zu einem Aufschwung fremdenfeindlicher Bewegungen führt. Außerdem ist ein nicht unwichtiger Schauplatz ein SAS-Übungsplatz, und es werden Fragen aufgeworfen, in wie fern sich die harte militärische Ausbildung sowie die Einsätze auf die Psyche der Ex-Soldaten auswirken könnten.

Natürlich geht es auch, wie gewohnt, um zweifelhaften Umgang mit Religion und Spiritualität, und die Schwierigkeiten kleiner Dörfer in immer moderneren Zeiten – eben das, was man von einem Watkins-Thriller erwartet.

Auch wenn das Buch für mich nicht das beste der Serie war, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Der auf der Rückseite angepriesene „Pageturner“-Effekt kam bei mir erst gegen Ende auf, doch auch davor war ich wie so häufig fasziniert davon, wie gut es Phil Rickman gelingt, diese beklemmende Atmosphäre eines Dorfes mit alten Hierarchien, in denen jeder irgendwie mit jedem zusammenhängt, darzustellen. Dieser Zwiespalt, zwischen denen, die alles am liebsten lassen würden, wie es ist, und denen, die alles tun würden, um das kleine Dorf wirtschaftlich tragbarer zu machen, ist wirklich spannend.

Was mir ein wenig zu kurz kam, war Merrily als Person – zwar gibt es inzwischen schon einige Charaktere, die man als Hauptfiguren sehen kann, doch sie ist es ja, aus der die Serie entstand, und sie ist auch eine wirklich interessante Persönlichkeit, weshalb ich mir noch mehr Kapitel, die sich ihr widmen, gewünscht hätte.

Alles in allem spreche ich für das Buch aber guten Gewissens eine Empfehlung aus – für Fans der Serie ein Muss, und mag es auch für Neueinsteiger nicht die allerbeste Wahl sein, so wird man auf keinen Fall abgeschreckt! Es enthält alles Wichtige eines typischen Merrily-Watkins-Mysterys und bietet einige spannende Lesestunden für Fans außergewöhnlicher Thriller. Wie sich in diesen Büchern Mythologie, Historie, Lokalpolitik und Religion vermischen ist immer wieder ein interessantes Leseerlebnis!

Autor: Phil Rickman | Übersetzerin: Nicole Seifert
Originaltitel: The Secrets of Pain
Verlag: rororo
Erstauflage: 2011 | Deutsche Erstausgabe: 2014
ISBN-10: 3499258277
ISBN-13: 978-3499258275

Traveler DC 120

Jugendbücher · Mystery · Schwerlich Kategorisierbar

[Rezension] „Die alltägliche Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl

Traveler DC 120Autorin: Marisha Pessl | Übersetzerin: Adelheid Zöfel
Originaltitel: Special Topics in Calamity Physics
Verlag: Fischer
Englische Erstauflage: 2006
ISBN-10: 3100608038
ISBN-13: 978-3100608031
Seiten: 601

Oberflächliches: So! Schön! Finde ich. Die riesige Rose und Kaktusblüten (?) sind hübsch, aber nicht kitschig, und wie der Titel in das Bild eingearbeitet wurde, gefällt mir auch. Außerdem fühlt sich der Schutzumschlag angenehm papierig an.

Handlung: Blues Mutter ist in ihrer Kindheit gestorben, ihr Vater reist als Universitätsprofessor von einer Universität zur anderen. Sie bleibt also nie lange an einem Ort, statt Freunde zu finden versinkt sie in Büchern. Als ihr Vater zusagt, zum Anlass ihres letzten Highschool-Jahres ein Mal ein ganzes Jahr am selben Platz zu verweilen, ändert sich das aber: Sie findet zu einer kleinen Gruppe recht reicher und arroganter Mitschüler, die sich um die charismatische Lehrerin Hannah Schneider scharen. An Blue scheint Hannah ein besonders starkes Interesse zu haben. Die Schüler ihrerseits vermuten, dass ihre Lehrerin ein Geheimnis birgt …

~*~

Wie in meinem Monatsrückblick schon angesprochen, ist meine Meinung zu diesem Buch nicht ganz einfach in Worte zu fassen.Traveler DC 120
Irgendwie wurde ich enttäuscht, ja. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich wirklich sehr hohe Erwartungen hatte: ich meine, das Cover ist ja mal wunderschön! Und beim Inhaltsverzeichnis bin ich auch dahingeschmolzen. Ich meine, schaut nur! ->

Was sich hinter all diesen begeisternden Äußerlichkeiten versteckte … naja. Man könnte sagen, dass ich beim Lesen eigenltich größtenteils genervt war. Nicht direkt von der Ich-Erzählerin selbst, aber von ihrem Vater. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, die dieses Buch gelesen haben, aber wurde ihr auch allmählich in den Wahnsinn getrieben von sämtlichen „Dad sagt immer“, „wie Dad schon meint“ und Blah?! Klar, sie wuchs als Halbwaise auf, zog viel um; er ist wohl die einzige wirkliche Bezugsperson in ihrem Leben, aber dennoch: Wenn du schon dazu aufgezogen wurdest, alles kritisch zu hinterfragen, dann fang‘ doch einfach mal bei deinem Vater an, liebe Blue.

Ebenfalls recht störend fand ich den Stil an sich. Eigentlich mag ich ja ausgefallene Metaphern und Vergleiche, auf die man erst beim zweiten Hinsehen kommt, aber wenn sich alles so ließt, als würde die Autorin versuchen, die vorhergehende Seite an absurden Stilmitteln zu übertrumpfen, dann denke ich mir halt nur noch „chill mal, ey“.

Auch etwas Stilistisches, wovor ich vielleicht warnen sollte: Statt bloß auf Bücher Bezug zu nehmen, zitiert Blue diese direkt und verweißt dann auch jedes Mal auf den Urheber eines Gedankens (Pessl, 2006), was manche Leser vielleicht als störend empfinden könnten.

Nicht, dass es mir zu Anfang überhaupt nicht gefallen hat – ich war sozusagen „milde interessiert“, hatte auch nicht das Bedürfnis, das Buch wegzulegen, war nur einfach ziemlich genervt. 😉
Wirklich das Gefühl, gefesselt und in der Geschichte angekommen zu sein, hatte ich leider erst nach ungefähr 500 Seiten, also, kurz, bevor es auch schon wieder vorbei war. Dort geschah nämlich etwas, dass mir das ganze Genervt-Sein es dann doch wert erscheinen ließ. 😀 Darüber muss ich mich gerade auch kurz auslassen, wer das nicht lesen will, überspringt den Abschnitt zwischen den Spoilerwarnungen …

[SPOILER ANFANG]

Das Ereignis, das mein Bild so umwarf, war natürlich der Fortgang von Blues Vater. Ich kann nicht mal wirklich sagen, ob ich die Idee gut/glaubwürdig fand, ich hatte es einfach nie im Leben erwartet, und das mag ich an Büchern sehr, wenn sie mich so überraschen können!
Was haltet ihr davon? Habt ihr schon geahnt, dass hinter dem Mann mehr steckt als nur eine arrogante Nervensäge?

Sehr schön fand ich auch die „Abschlussprüfung“, ich finde das nett von Büchern, wenn sie einem so höflich Denkanstöße servieren.

[SPOILER ENDE]

Ja. Im Allgemeinen kann ich nicht sagen, ob ich das Buch empfehlen würde – es ist schon irgendwie interessant und lohnend, aber man wird auch aggressiv dabei. (Also, ich. Aber ich bin auch leicht zu ärgern, besonders von Ich-Erzählern.) Es wirkt irgendwie unnötig überladen und ist durch allzu abstruse Metaphorik manchmal anstrengend zu lesen, ohne den Leser dafür zu „belohnen“. (Also, es gibt ja auch Texte, die anstrengend sind, aber wenn man sich durchwühlt gerät man in so ein Literatur-High, meine ich …)
Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber – abgesehen von der wunderschönen Aufmachung – ist es jetzt nichts, was ich unbedingt im Regal stehen haben müsste.

Meine liebsten Zitate aus dem Buch gibt es jetzt übrigens zum Lesen und Rebloggen auf Tumblr, wenn ihr auf diesen Satz hier klickt!

Liebesromane · Mystery

[Rezension] „Die Augen des Schmetterlings“ von Federica de Cesco

Traveler DC 120

Autorin: Federica de Cesco
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442367506
ISBN-13: 978-3442367504
Seiten: 510

Handlung: Mit dem Ziel, Modedesignerin zu werden, zieht es die Finnin Agneta nach Tokio, auf das Bunka Fashion College. Dort lernt sie rasch die wunderschöne, aber undurchsichtige Lumina kennen. In deren Onkel, Dan, verliebt sie sich dann auch. Ihr neues Leben in Japan könnte alles in allem ziemlich schön sein, doch in der Vergangenheit lauern düstere Geheimnisse, die auf die Gegenwart übergreifen. Da wären zum Beispiel Luminas Großmutter, die sie in Visionen verfolgt, und Agnetas Bruder, der in ihrer Kindheit ertrunken ist, aber heute noch in ihrem Kopf mit ihr spricht…

Oberflächliches: Mit den zarten Blautönen und den vielen Schmetterlingen sieht der Einband schön verträumt und leicht aus. Bei der abgebildeten Frau tritt bei mir – wie fast immer – das Problem auf, dass ich mir die Protagonisten grundsätzlich anders Vorstelle, als die Personen auf den Covers, doch das ist ja wohl Geschmackssache. 😉 Alles in allem finde ich das Titelbild wirklich gelungen.

Zitat de CescoDas Buch war in vielerlei Hinsicht anders und damit auch besser, als ich es erwartet hatte. Die Kurzbeschreibung sowie das Versprechen „Große Frauenunterhaltun!“ weckten in mir die Erwartung einer recht typischen Liebesgeschichte an einem etwas außergewöhnlicheren Schauplatz, ich rechnete mit sehr simpler, leichter Frühlingslektüre.
Tatsächlich und zu meiner großen Freude ist es aber gar nicht die Romanze, die den Hauptteil der Handlung einnimmt. Stattdessen entfaltet sich eine Mystery-Geschichte, die schon Generationen zurückreicht, und in der sich die Historie und Mythologie von Japan und den finnischen Samen begegnen und vermischen.
Außerdem geht es um Menschen, die schreckliche Dinge vergessen, verdrängen und unterdrücken; die schlecht Handeln, ohne es zu wissen oder zu wollen. Der Kurzbiographie der Autorin entnahm ich, dass sie Psychologie studiert hat, und ich finde, das merkt man an diesen Aspekten sehr gut.
Oft weiß man nicht, was wirklich übernatürliche Elemente im realen Leben sind, und was nur in den Gehirnen der Protagonisten vor sich geht, und darum wirklich wird.
Auch den Schreibstil genoss ich sehr, besonders, wenn verschiedene Gegenden Tokios oder die finnischen Landschaften aus Agnetas Kindheit beschrieben wurden. Der bildhafte Stil erzeugt sofort Atmosphäre, war für mich nur manchmal ein wenig zu überladen.
Schön fand ich auch, dass man Einiges über andere Kulturen erfährt, wie die Sagenwelt der Samen, die Traditionen des Kabuki-Theaters, Episoden aus der Geschichte der Samurai…
Die gefühlvollen Szenen rutschten mir oft zu sehr ins Melodramatische ab, doch da es für mich selten emotionale Bücher gibt, die ich nicht als melodramatisch empfinde, sollte das auch niemanden abschrecken.
Ansonsten störten mich nur Kleinigkeiten, die anderen vermutlich gar nicht auffallen: so empfand ich es zum Beispiel als störend, wenn Dinge, die Agneta als Ich-Erzählerin nicht miterlebt hatte, allzu detailliert erzählt wurden, gerade so, als wäre sie dabei gewesen, was mir zu unlogisch/unmöglich war. Außerdem gab es einige allzu klischeehafte Sätze über Männer und Frauen und wie diese sich verhalten, aber dem kann man ja leider so gut wie nie entkommen…
Generell war ich von meinem Leseerlebnis aber positiv überrascht und empfehle das Buch auch gerne weiter!

Für wen? Leute, die ein überzeugendes Mittelding zwischen „zu nervenzerreissend spannend“ und „zu kitschig“ suchen; Menschen, die sich für Japan interessieren; Genusssüchtige, die gerne in blumigen Schreibstilen schwelgen.