Lyrik · [Sonstiges Buchbezogenes]

#booksandhotdrinkstuesday: Heißer Kakao und ein Herbstgedicht

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Mal wieder habe ich diesen Blog lange vernachlässigt, mal wieder habe ich die besten Vorsätze – es ist ja schließlich September, und ich denke mir immer so „neuer September, neues Glück!“, denn da fängt ja auch immer das neue Semester an. 😀 Vielleicht kann ich diesen Motivationsschub ja auch auf das Bloggen übertragen.

Um mich regelmäßiger an diesen Blog zu setzen, habe ich beschlossen, mir mehr wöchentlich oder monatlich stattfindende Aktionen zu suchen, an denen ich teilnehme. Für die Dienstage finde ich den #booksandhotdrinkstuesday eine angenehme Idee.

Wie man am Hashtag-Symbol vielleicht erkennen kann, ist es eigentlich ein Instagram-Tag, erdacht von Katha (hier: https://kathalogisch.wordpress.com/, auf Instagram ebenso: https://www.instagram.com/katha_logisch/). Jeden Dienstag posten die Teilnehmenden ein Bild eines Heißgetränkes und eines Buches und geben kurz ihre Gedanken zu einem von Katha jeweils vorgegebenen Impuls kund.

Heute ging es um Gedichte, die einen in Herbststimmung versetzen. Da man meine Wahl wohl auf Grund der eher mangelhaften Qualität meiner Handykamera nicht erkennt, hier nochmal lesbar:

 

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike)

 

Ja, vielleicht ist Herr Mörike für alle Menschen, die in Deutschland zur Schule gingen, eine sehr klischeehafte Wahl. Wer musste denn nicht in der Grundschule „Frühling lässt sein blaues Band …“ auswendig lernen? Aber ich mag seine Gedichte dennoch wirklich gerne. Gerade dieses bezaubert mich mit seiner Sprache und dem wunderschönen Bild eines goldblättrigen Baumes in der Morgensonne.

Mein Heißgetränk des Dienstags ist eine Neuentdeckung für mich, die mich aber sofort von sich überzeugt hat: Koawach, ein Kakao mit Koffein aus Guarana! Die Sorte, die ich mir ausgesucht habe, schmeckt auch leicht nach Kardamom-Zimt (sehr weihnachtlich! 🙂 ) und macht mich auch tatsächlich wacher. Lecker & effizient, was will man mehr? 😉

Lyrik

Gedicht des Monats: ‚Ans Meer‘ von Oscar Loerke

Wie ich im vorhergehenden Beitrag angekündigt habe, würde ich gerne häufiger über Lyrik schreiben. Um das nicht bei einem Vorsatz bleiben zu lassen, kam mir der Gedanke, ich könnte doch jeden Monat mit einem Gedicht einleiten, das ich gerne mag. Groß herumanalysieren möchte ich da gar nicht (und hoffe, dass ich mich werde zurückhalten können), sondern euch schlicht etwas zeigen, dass ich sehr mag, und hoffen, dass ich damit jemandem eine Freude machen kann. Vielleicht entdeckt ihr ja neue Lieblingsgedichte oder Dichter*innen. 🙂

Das Novembergedicht lautet Ans Meer und wurde geschrieben von Oskar Loerke (1884 – 1941). Zum ersten Mal darauf gestoßen bin ich im Reclam Gedichtband Das Meer.

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Ans Meer

Der Nebel reißt, der albisch kroch
Aus meinem Blut zum Totenfeld:
Ein Morgen scheint im Wolkenloch
Hoch auf die Welt.

Das Leben kommt von weitem her.
Und es geschieht, was einst geschah?
Mit ihrer Wäsche fährt ans Meer
Nausikaa.

Ein Weg weist nach Byzanz und Rom,
Für mich betritt ihn der Barbar.
Im Stein verwittert schon am Dom
Sein Mund, sein Haar.

Doch wann bin ich? Der Morgen währt,
Ein Rauschen ruft, ein Meer ist nah –
Ans Meer mit ihrer Wäsche fährt
Nausikaa.

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Kein Ort der griechischen Mythologie, sondern Edinburgh. Trotzdem schön, und immerhin Meer. (Und für mich auch mit Nausikaa verbunden. Hier ein Gruß an A. und S., die das hier nicht lesen werden.)

Warum dieses Gedicht? Es fühlt sich für mich nach einem schönen Grauton an, wie es auch der November tut. Der Rhytmus ist wunderschön stetig und beruhigend. Zum wiederholten Lesen vor dem Schlafengehen; zum tagelang im Kopf stecken bleiben und zum Lächeln bringen. ‚Nausikaa‘ ist ein wunderschönes Wort – ich mag es, wenn man zwei hintereinander stehende Vokale zweisilbig auspricht. Weil die letzte Strophe nach ewig und nach nie und wunderschön und wundertraurig klingt.

Lyrik

Rezension: For Your Safety Please Hold On

Mir ist aufgefallen, dass ich hier noch nie etwas über eine bestimmte Gattung geschrieben habe, die mir eigentlich sehr viel bedeutet, nämlich die Lyrik. Dem wirkt dieser Eintrag entgegen, und da ich in letzter Zeit auch viele Gedichte und Gedichtbände lese, kann ich vielleicht auch bald mehr Empfehlungen (oder Anti-Empfehlungen) aussprechen.

czaga - for your safetyDieser dünne Band, For Your Safety Please Hold On, ist das erste Buch der jungen kanadischen Poetin Kayla Czaga. Ein vorherrschendes Thema ist die Familie, so besteht fast die erste Hälfte des Buches nur aus Portraits diverser Familienmitglieder. Kayla Czaga erzählt von ihren Eltern, von der Krankheit und dem Tod ihrer Mutter, ihrem und dem Umgang ihres Vaters mit der Trauer. Auch Tanten, Onkel und Großeltern werden so schonungslos und lebendig beschrieben, dass man fast denkt, die bunte Familie persönlich zu kennen.

Danach widmet sich das Buch diversen Themen, dem Erwachsenwerden, der Liebe, der Angst, und es erzählt davon, ein Mädchen/eine Frau zu sein. Alles ist durchzogen von Nostalgie, die Autorin erinnert sich oft an ihre Kindheit zurück, an ihre Schulzeit und anderes.

Ein Favorit meinerseits ist das letzte und längste Gedicht, Many Metaphorical Birds. Es dreht sich um Heideggers Sein und Zeit, Philosophie, Schlussmachen, Kommunikation und den Unterschied zwischen Cafés und Coffee Shops.

greatly i have coffeed

Kayla Czagas Gedichte reimen sich nicht, sie bestehen oft aus langen Sätzen und Strophen, zumeist in recht alltäglicher Sprache, doch mit ausgefallenen Metaphern und Verknüpfungen.

Ich kann diese Gedichte jedem ans Herz legen, der gerne zeitgenössische Lyrik liest und sich zumindest ein wenig für die erwähnten Themen interessiert.

Autorin: Kayla Czaga
Verlag: Nightwood Editions
Seiten: 96
Erstauflage: 2014
ISBN: 978-0-88971-303-1
Auch für den Kindle erhältlich.