Jugendbücher · Liebesromane

Rezension: Als ob nichts wäre

als obEin wenig komisch fühlt Elin sich schon, als sie, nun, kurz nachdem sie die Schule wieder hinter sich hat, doch wieder das alte Schulgebäude betritt. Schon lange hat sie Gedichte und Prosa geschrieben, nun möchte sie in einem Kurs für Kreatives Schreiben mehr über dieses Handwerk lernen. Als sie unter den fremden Erwachsenen auch Paul, ihren Nachbar und auch noch Vater ihrer besten Freundin, vorfindet, weiß sie zunächst nicht, was sie von der Situation halten soll. Im Laufe des Kurses nähren sich die beiden sich zunächst freundschaftlich aneinander an, doch Elin beginnt schnell, auch romantische Gefühle für den Mann zu entwickeln, der ihr auch nicht gerade abgeneigt scheint.

Ich weiß plötzlich gar nichts mehr. Mein Kopf ist wie ein ausgeblasenes Osterei. Außen hübsch bemalt und innen völlig hohl.
S.99

Bücher über Beziehungen oder „Verliebtheiten“ (mir mangelt es an einem schönen Wort für Crushes) mit Altersunterschied haben mich schon immer sehr fasziniert. Es kommt dort zu ganz anderen Konflikten, als all dem, was man aus den gewohnten Jugendbuch-Romanzen kennt – auch wenn ich von diesen früher sehr viele gelesen habe (die „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe habe ich geliebt!), letzten Endes finde ich die moralischen Fragen, die Heimlichkeit und andere Schwierigkeiten, die man in age gap Büchern findet, doch interessanter. Natürlich ist es ein schwieriges Thema, an das man mit Fingerspitzengefühl herangehen muss – gerade wenn ein Part des Paares noch minderjährig ist – und ich habe auch schon einige wirklich schlecht ausgeführte Beispiele gelesen, doch gebe ich meine Suche nach den Juwelen nicht auf.

Als ob nichts wäre ist, meiner Meinung nach ein richtig gut gelungener Roman. Dass die Annäherung Elins und Pauls in ihren Gesprächen über die selbstgeschriebenen Texte ihren Anfang nimmt, finde ich als Ausgangspunkt und gemeinsame Basis schön und überzeugend. Die Geschichte ist in Elins Worten erzählt, man bekommt ihre Gefühle also in den Worten einer jungen Schriftstellerin mit – oft blumig und überschwänglich und in dramatischen Metaphern, aber für den Charakter sehr überzeugend und angemessen.

Sie verliebt sich Hals über Kopf, und auch Paul empfindet für sie – jedoch bleibt die Frage, ob er für ein Mädchen seine langjährige Ehe aufs Spiel setzen möchte. Das ist nicht das einzige, was einer Beziehung zwischen den beiden im Wege stünde: Pauls Tochter Tessa ist immerhin Elins beste Freundin, doch da Elin ja nicht mit ihr über die Gefühle zu ihrem Vater sprechen kann, zieht sie sich immer mehr ins Schweigen zurück, wodurch das, was zwischen Elin und Paul ist, auch einen Keil in die Freundschaft der beiden Mädchen treibt. Auch (ver)zweifelt Elin daran, wie „pervers“ ihre Gefühle doch sind – „[…] wenn ich mir vorstelle, wie es wäre, plötzlich zu erfahren, dass Papa und Tessa dicht aneinander gepresst mit ihren Zungen im Mund des anderen herumwühlen, wird mir beinahe schlecht. Das ist doch krank. Altmännerfantasien.“ – kann sich gegen die überwältigende Verliebtheit aber dennoch nicht wehren.

Abgesehen von der Romanze geht es in diesem Buch auch um Zukunftsträume und Lebenspläne, besonders in Elin und ihrem Bruder. Während sie noch ein einem Süßwarengeschäft jobbt und nicht weiß, was sie für den Rest ihres Lebens tun möchte, weiß er das schon genau, nur hat er es noch nicht geschafft, aus der bedrückenden Familienatmosphäre auszubrechen.

Insgesamt ist Als ob nichts wäre ein empfehlenswertes Jugendbuch, dessen Protagonistin ihrer Situation mit einer überzeugenden Mischung aus Überschwang, Angst und (Selbst-)Zweifeln gegenüber tritt, und in dem es außer um romantische Liebe auch um Freundschaft, Familie und die Pubertät im Allgemeinen geht.

Autorin: Katarina von Bredow | Übersetzerin: Maike Dörries
Schwedischer Orignialtitel: Som om Ingenting
Verlag: Beltz & Gelberg
Seiten: 240
Erstauflage: 1999 in Schweden
ISBN-10: 3407788789
ISBN-13: 978-3407788788

Dieses Buch ist nicht mehr neu erhältich, aber da ich sowohl Büchereien als auch das Kaufen gebrauchter Bücher sehr befürworte, hielt mich das auch nicht vom Rezensieren ab.

Jugendbücher · [Sonstiges Buchbezogenes] · [Zeugs] Rosa regt sich auf

Rosa regt sich auf: Vom hässlichen Entchen zum … ihr kennt das ja.

Heute morgen erwachte ich in Schlappheit und einem geistigen „Meh“-Gefühl, weshalb ich mich entschloss, mit einem (hoffentlich) locker-flockigen Jugendbuch auszuspannen. Meine Wahl fiel auf Crazy Moon von Sarah Dessen (engl.: Keeping the Moon), von der ich schon zwei andere Bücher gelesen hatte, die mir ziecrazy moonmlich gut gefallen haben. Besonders mochte ich damals Wir sehen uns im Traumland (engl.: Dreamland) (ich habe zuerst aus Versehen „Traumaland“ getippt, was im Zusammenhang auch nicht wirklich falsch wäre …), in dem es um ein Mädchen geht, das sich aus einer missbräuchlichen Beziehung zu befreien versucht und auch mit familiären Problemen zu kämpfen hat. Dieses Buch kann ich wirklich sehr empfehlen – es ist zwar schon ungefähr zwei Jahre her, dass ich es laß, und ich kann nicht garantieren, dass ich es jetzt genauso sehen würde, aber manchmal muss man eben eine Empfehlung auf Risiko aussprechen. 😉

Aber eigentlich wollte ich ja über das links abgebildete Buch sprechen. Beziehungsweise, nicht direkt über das Buch – während es mich nicht umhaute, war es doch ein schöner Les (können wir das einführen? so als Gegenstück zu „a nice read“?), aber leider fühlte ich mich an mehreren Stellen an bestimmte Tropes erinnert, die viel zu oft in Jugendbüchern auftauchen. Deshalb sehe ich dieses Leseerlebnis als nette Gelegenheit, mal mit einer Blogthemen-Reihe zu starten, die mir sehr am Herzen liegt: Rosa regt sich auf. (Einfach, plakativ, leicht zu merken & mit Alliteration!) Das tue ich nämlich ziemlich oft, und warum dann nicht mit dem Internet teilen? Unter diesem Schlagwort werde ich also von nun an häufiger Gedanken über Dinge zum besten geben, die mich in Sachen Bücher aufregen.

Heute geht es um die klassische Make-Over-Szene, die in geschätzten drölfzigtausend aller Jugendbücher (mit weiblicher Zielgruppe, offensichtlich) verbraten wird, ganz zu schweigen von den Filmen, da das Thema visuell ja umso beeindruckender rüberkommt.

Im oben gezeigten Buch – erstmal so als Warnung: ich werde in diesem Eintrag den Inhalt des Buches spoilern (der jedoch sowieso nicht wirklich voller Überraschungen steckt) – ist die Ausgangslage so, dass die Protagonistin Colie sowie deren Mutter eine lange Phase hinter sich haben, in denen beide stark übergewichtig waren (sie sprechen nun von ihren „Fetten Jahren“). Inzwischen ist ihre Mutter weltweit bekannte Aerobic-Trainerin und Fitness-Guru, auch Colie selbst hat 20kg verloren. Natürlich ist sie geprägt von ihrer Vergangenheit, in der sie ständig eine Außenseiterin war und wegen ihres Gewichtes verspottet wurde, weshalb sie nun, um niemanden an sich heranzulassen, möglichst abweisend auftritt. Ihr Stil sind nun zerrissene Klamotten, sie hat ein Lippenpiercing und nachlässig schwarz gefärbte Haare.

Im Buch nun verbringt sie die Sommerferien in einer Kleinstadt bei ihrer etwas außergewöhnlichen Tante und findet das Übliche: Freundinnen, Selbstwertgefühl & einen Freund. Also, Freund-Freund. Boyfriend. Ihr versteht. Und auch wenn die Aufzählung abwertend klingt, ich mag so etwas, also, Protagonistinnen, die am Ende eines Buches mehr Selbstbewusstsein haben als zuvor … ABER: muss das immer zwangsweise durch ein Umstyling geschehen?

Besonders paradox fand ich, dass, kurz bevor eine ältere Freundin Colie in die Künste des Augenbrauen-Zupfens, des Haare-gleichmäßig-Färbens und des Makeup-Auftragens einführt, diese folgenden Satz sagt: „Colie, wenn jemand nett zu dir ist und dich mit Respekt behandelt, darfst du nicht überrascht sein. Im Gegenteil, du kannst es von den Leuten verlangen. Es ist völlig selbstverständlich.“ (S.115)
Dieser Aussage stimme ich absolut zu. Seine Mitmenschen mit Respekt zu behandeln, ist etwas, das bedingungslos geschehen sollte*. Doch warum laufen dann die folgenden Passagen darauf hinaus, dass dieses Mit-Respekt-behandelt-werden vor allem auf Äußerlichkeiten beruht?

Ebenfalls schlimm: das ganze „Um geliebt/respektiert zu werden musst du dich zunächst selbst lieben/respektieren.“ Das ist so eine Aussage, die ganz vernünftig klingt, wenn man sie zum ersten Mal hört, doch wenn man nur einige Minuten länger darüber nachdenkt, sollte einem aufgehen, dass dies eines der schädlichsten und grausamsten Dinge ist, die man zu jemandem sagen kann, der unter Minderwertigkeitskomplexen leidet oder unter einer psychischen Krankheit die sich in Selbsthass niederschlägt.
„Wir können dich erst annehmen, wenn du die überwältigende Aufgabe geschafft hast, dein gesamtes Selbstbild zu revisionieren. Viel Glück dabei. Bis dahin wirst du von der Gesellschaft verachtet.“ Ich sag‘ ja nicht, dass die Realität nicht so aussieht, ich sag‘ nur, dass es grässlich ist und wenn diese Sicht weiterhin so fleissig in Jugendbüchern verbreitet wird, ist das mehr als nur ein wenig deprimierend.

Ganz zu schweigen davon, dass hier das Selbstwertgefühl ja nur mit Äußerlichkeiten einher geht – wer sich nicht um sein Äußeres kümmert, der hat kein Selbstbewusstsein, bekommt man hier vermittelt. Auf die doch gar nicht mal so abwegige Idee, dass die „““hässliche, ungepflegte“““ (ich kann gar nicht so viele Anführungszeichen machen, wie ich fühle) Person vielleicht einfach keine Notwendigkeit in der Gestaltung ihres Äußeren sieht, kommt man als (Jugend-)Buchautor wohl gar nicht.

Im vorliegenden Buch lief es dann gegen Ende zwar darauf hinaus, dass Colie erkannte, dass sie eigentlich schon vor der Umdekorierung ein schöner Mensch war, was schön ist, die besagte Szene aber nur noch überflüssiger macht.
Überhaupt. Statt jungen Mädchen zu sagen, dass auch sie auf ihre eigene Weise schön sein können oder gar sind, wäre es vielleicht mal ganz cool, diesen Focus vom Schönsein wegzunehmen:

Nicht nur (oh! so! subjektiv!) schöne Menschen verdienen es, mit Respekt behandelt zu werden, und wenn Bücher das verbreiten, tja, dann ist das eben Mist. Liebe Mädchen, merkt euch: ungeschminkt, un-ge-augenbrauenzupft & mit je einer Riesentüte fettiger Pommes in jeder Hand habt ihr genau das selbe Recht, Respekt einzufordern, wie jede*r andere auch.

*Außer, besagter Mitmensch ist eine wirklich entsetzliche Person. Es gibt wirklich schlimme Menschen & ich bin nicht für stillhalten und leiden & manchmal ist kein Respekt mehr möglich um einer grässlichen Zwischenmenschlichen Situation zu entkommen. Darüber werde ich vielleicht mal an anderer Stelle bloggen, in diesem Eintrag ging es ja hauptsächlich um diesen Basisrespekt, den man jedem Menschen unabhängig vom Äußeren entgegenbringen sollte.

Fantasy · Jugendbücher

Rezension: Fürchte nicht das tiefe blaue Meer

fuerchte nicht 1
Seitdem ihre Eltern, beide Künstler, zu einer Reise nach Paris aufgebrochen sind, leben Violet und ihr Bruder Luke alleine. Da ihre Villa namens Citizen Kane durchaus schon bessere Zeiten gesehen hat, doch das Geld kaum für den täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln genügt, geschweige denn für Reperaturen, beschließt Violet, einen Untermieter aufzunehmen. Als River West auftaucht, verändert sich nicht nur ihr Leben, sondern das der gesamten Kleinstadt. Ein Mann bringt sich auf offener Straße um. Kinder verschwinden. Andere Kinder belagern den Friedhof und behaupten, den Teufel gesichtet zu haben. Für Violet stellt sich die Frage, ob River, an den sie schnell ihr Herz verloren hat, vielleicht die Ursache all dessen sein könnte …

Young Adult Fantasy ist ein Genre, bei dem ich so zwischen Ja, bitte! und Urks, aber doch bitte nicht so! schwanke. Mit Freuden kann ich verkünden, dass ich bei diesem Buch hauptsächlich Tendenzen zu erster Reaktion hatte. Ich kann nicht abstreiten, dass die Charaktere in die für Jugendbücher typischen Klischees fallen: Violet als die ruhige, belesene „nicht so wie die anderen Mädchen“-Hauptperson, River ist der mysteriöse, attraktive und faszinierende Fremde mit dunklem Geheimnis, und Violets beste (und einzige) Freundin Sunshine Black (ähm. ja. ich denke mir das nicht aus!) ist fokussiert auf Äußerlichkeiten und die Anerkennung durch Jungs.
Was, dieses Thema betreffend, das Buch aber aus der Masse des beliebten Genres heraushebt, ist der erstaunlich geringe Anteil an Verurteilung. Ich habe den Eindruck, dass viele Jugendbücher davon leben, dass die Hauptfigur sämtlichen Mitmenschen gegenüber enorm herablassend eingestellt ist und ihren inneren Monolog ständig mit verächtlichen Bemerkungen spickt, die wohl sarkastisch und lustig sein sollen, aber in der Regel doch eher von einem mangelnden Respekt vor Leuten, die ihr Leben auf eine andere Weise führen, zeugt. Hier ist Violet zwar an einigen Stellen genervt, wenn Sunshine und Luke ständig flirten, und ja, eine gewisse Überheblichkeit kann man auch ihr nicht absprechen, doch im Großen und Ganzen merkt man ihre Zuneigung zu ihrem Bruder und ihrer Freundin, trotz der Unterschiede. Ebenfalls positiv ist, dass River tatsächlich nett zu Violet ist, ihr Zuneigung zeigt und es so verständlich macht, dass sie sich in ihn verliebt. Viel zu oft lese ich gerade in Jugendbüchern von zwei Charakteren die sich die ganze Zeit beleidigen und augenscheinlich keine zehn Sekunden im gleichen Raum verbringen können, ohne dass Gefahr besteht, dass einer von beiden einen Mord begeht. „Was sich liebt das neckt sich“ in allen ehren, die meisten YA-Fantasy-Romanzen überschreiten in dieser Hinsicht die Grenzen jeglicher Glaubwürdigkeit.

Die Kritikpunkte, die ich anzumerken habe, sind eigentlich fast schon Standards des Genres: irgendwann wurde mir die Gefühlsduselei doch zu viel, diese Intensität der großen, wahren Liebe, wenn man sich erst mal ein paar Tage kennt. Außerdem weiß ich noch nicht ganz, ob ich das unglaubwürdig oder einfach bedenkenswert finden soll, aber: wenn ich gegen eine*n potentielle*n Partner*in solche Verdächte hege wie Violet im Laufe der Handlung gegen River, dann wäre bei mir schnell Schluss mit „aber ich bin ja so verliebt“! Auch war mir einiges, gerade gegen Ende, viel zu dramatisch geschrieben – es ist ja schwer, nicht ins Lächerliche abzurutschen, und ich fürchte, meine Schmerzgrenze ist da oft etwas niedrig.

Alles in allem habe ich mich aber durchweg gut unterhalten gefühlt. Fantasy Romance ist ein Genre, um das ich eigentlich einen Bogen mache, aber hier hat mich das Cover irgendwie angezogen, und ich bereue nicht, mal wieder mein Glück probiert zu haben. Das Rad wurde nicht neu erfunden, doch die Handlung bleibt unterhaltsam – und dass ständig so von Kaffee geschwärmt wird macht ein Buch für mich dann gleich noch sympathischer! 😀

Für Leute wie mich, die eh nur ab und zu zögerlich in das Genre reinspickeln keine unbedingte Leseempfehlung, aber wer solche Bücher sowieso mag, sollte mit diesem kurzweiligen Roman nicht enttäuscht werden. Auf Englisch gibt es auch einen zweiten Band – Between the Spark and the Burn – der aber nicht auf Deutsch erschienen ist.

Autorin: April Genevieve Tucholke | Übersetzerin: Anja Galić
Originaltitel: Between the Devil and the Deep Blue Sea
Seiten: 384
Verlag: cbt
Erstauflage: August 2013 | Deutsche Erstauflage: September 2013
ISBN-10: 3570308847
ISBN-13: 978-3570308844
Auch im epub-Format und für den Kindle erhältlich!

Jugendbücher · [Sonstiges Buchbezogenes]

Nur mal kurz: Warum gerade Jugendbücher von hoher Qualität sein sollten

In meiner Rezension zu Eleanor and Park habe ich ja schon kurz angesprochen, dass ich bei Jugendbüchern oft noch kritischer bin, als bei denen mit Erwachsenen als Zielgruppe. Warum das so ist könnte ich wohl in einem eigenen Eintrag lang und breit erklären, doch da ich gerade über ein Zitat zum Thema stolperte, wollte ich euch das nicht vorenthalten:

„Their [the teenagers‘] sense of literary taste is still being formed.  They will accept bad writing, but that doesn’t mean it’s okay for us to give them bad writing.  We, as adults, have a responsibility to give them good stuff to consume so that they can grow into thoughtful and intelligent members of society.  That’s pretty much our job.  You don’t let small children eat nothing but candy and dirt, even though they would be happy to do so.  You don’t let teenagers read nothing but poor writing and hateful insults, even though they would be happy to do so.  It’s not good for them.  It’s why I’ll never accept the argument that something is allowed to be stupid if it’s for kids.  No.  If it’s for kids, it’s even more important for it to be intelligently done than for adult things, because at least adults can be expected to just put something down if it’s shit.“

– Quelle: Reading With A Vengeance* (meine Betonung)

*auf diesem Blog nimmt die Bloggerin (Jugend-)Bücher auseinander, die sie als schlecht empfindet. Auch wenn ich nicht immer all ihre Kritikpunkte nachvollziehen oder unterschreiben kann, dieses Zitat spricht mir aus der Seele.

Jugendbücher · Liebesromane

Rezension: Eleanor and Park

eleanor and park 1! Diese Rezension bezieht sich auf die englisch-sprachige Ausgabe !

Autorin: Rainbow Rowell
Verlag: Orion Publishing Group
Erstauflage: 2012
ISBN-10: 1250012570
ISBN-13: 9781250012579

Handlung: Als Park Eleanor zum ersten Mal in den Schulbus steigen sieht, findet er sie sofort seltsam – mit ihren wallenden, roten Haare und ihren seltsamen Klamotten fällt sie auf, und das mit Absicht, wie es ihm scheint. Da der Platz neben ihm jedoch der einzige noch freie ist, sitzen sie nun täglich auf den Fahrten zur Schule und zurück nebeneinander. Zunächst schweigen sie sich an, doch eines Tages bemerkt Park, dass Eleanor über seine Schulter in den Comics mitließt, die er im Bus immer verschlingt. Irgendwann bringt er ihr einen Stapel Comics zum Selberlesen mit und die ersten Gespräche entspannen sich: über Comics, Musik, das Leben im Allgemeinen …

Nothing was dirty. With Park.
Nothing could be shameful.
Because Park was the sun, and that was the only way Eleanor could think to explain it.

Das erste Buch, das ich von Rainbow Rowell laß war ihr aktuellestes Jugendbuch Fangirl. Schon dies überraschte mich positiv, ich erlebte etwas, das mir, um ehrlich zu sein, selten passiert: Ich fühlte so richtig mit den Charakteren mit. Nicht falsch verstehen – ich bin durchaus ein menschlicher Mensch mit Gefühlen, nur ist es eben so, dass ich so gut wie nie an den Punkt gerate, an dem die Geschichte, die ich lese, für mich wirklich wird. Ständig bin ich mir überdeutlich bewusst, dass all die Charaktere gar nicht existieren, und dann ist es mir auch relativ egal, ob die nun glücklich sind, oder traurig, oder verliebt. Emotionen habe ich beim Lesen zwar schon, doch die spielen sich hauptsächlich auf der Wortebene ab. Der Plot ist für mich eher da „unwichtige“ Gerüst im Hintergrund, das wunderschönen Worten ihre Existenzberechtigung auf den Seiten verschafft, übertrieben ausgedrückt.
Aber: Rainbow Rowell schafft es, was nur wenigen Autoren und Autorinnen gelingt, nämlich, dass ich wirklich mit den Figuren mitfiebere und -leide und mich freue. Während mir Fangirl schon selige Seufzer entlockte und tränenfeuchte Augen hervorrief, fand ich diese Geschichte sogar noch berührender.
Die beiden Hauptcharaktere, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, sind einfach so wahnsinnig echt. Sie sind keine einseitigen, platten Abziehbilder, die Jugendbuchautoren den Leser*innen (die sie wohl unterschätzen) oft vorsetzen. Beide sind durch grundverschiedene Familien geprägt, was die unterschiedlichen Arten, in denen sie ihre Beziehung angehen, sehr verständlich macht. Besonder Eleanors gewalttätiger Stiefvater, der die Familie tyrannisiert, erklärt viel von ihrem Zögern, sich auf andere Menschen einzulassen. Durch das Aufgreifen solcher Themen wie familiärer Probleme oder Mobbing in der Schule ist das Buch oft bedrückend, doch um einiges realistischer und lebendiger als die durchschnittliche Jugendbuch-Romanze, die entweder eine heile Welt vorspielt oder durch lieblos artifizielle Konflikte Spannung erfährt.
Ich laß in Rezensionen davon, dass vielen das Buch (gerade vielleicht das Ende) nicht fröhlich genug ist. Selbst finde ich jedoch, dass die schönen Momente, in denen die beiden sich gänzlich aufeinander einlassen, mich glücklich genug machen, und dass eine literarische Beziehung nicht nur dann (bzw. gerade dann nicht) besonders lesenswert ist, wenn sie ins Ewige und überirdisch Perfekte stilisiert wird.
Auch das Ende, das viele kritisierten, laß ich eigentlich als Happy End und ich schlug das Buch mit einem Lächeln zu.

Ich glaube, dass ich bei Jugendbüchern noch viel kritischer bin, als bei anderen – vielleicht, weil ich den Eindruck habe, dass gerade jugendliche Leser oft von Autoren unterschätzt werden und man sie mit oberflächlichen Geschichten abfertigt – doch Eleanor & Park hat mich auf ganzer Linie überzeugen können.

You saved my life, she tried to tell him. Not forever, not for good. Probably just temporarily. But you saved my life, and now I’m yours. The me that’s me right now is yours. Always.

Jugendbücher · Mystery · Schwerlich Kategorisierbar

[Rezension] „Die alltägliche Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl

Traveler DC 120Autorin: Marisha Pessl | Übersetzerin: Adelheid Zöfel
Originaltitel: Special Topics in Calamity Physics
Verlag: Fischer
Englische Erstauflage: 2006
ISBN-10: 3100608038
ISBN-13: 978-3100608031
Seiten: 601

Oberflächliches: So! Schön! Finde ich. Die riesige Rose und Kaktusblüten (?) sind hübsch, aber nicht kitschig, und wie der Titel in das Bild eingearbeitet wurde, gefällt mir auch. Außerdem fühlt sich der Schutzumschlag angenehm papierig an.

Handlung: Blues Mutter ist in ihrer Kindheit gestorben, ihr Vater reist als Universitätsprofessor von einer Universität zur anderen. Sie bleibt also nie lange an einem Ort, statt Freunde zu finden versinkt sie in Büchern. Als ihr Vater zusagt, zum Anlass ihres letzten Highschool-Jahres ein Mal ein ganzes Jahr am selben Platz zu verweilen, ändert sich das aber: Sie findet zu einer kleinen Gruppe recht reicher und arroganter Mitschüler, die sich um die charismatische Lehrerin Hannah Schneider scharen. An Blue scheint Hannah ein besonders starkes Interesse zu haben. Die Schüler ihrerseits vermuten, dass ihre Lehrerin ein Geheimnis birgt …

~*~

Wie in meinem Monatsrückblick schon angesprochen, ist meine Meinung zu diesem Buch nicht ganz einfach in Worte zu fassen.Traveler DC 120
Irgendwie wurde ich enttäuscht, ja. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich wirklich sehr hohe Erwartungen hatte: ich meine, das Cover ist ja mal wunderschön! Und beim Inhaltsverzeichnis bin ich auch dahingeschmolzen. Ich meine, schaut nur! ->

Was sich hinter all diesen begeisternden Äußerlichkeiten versteckte … naja. Man könnte sagen, dass ich beim Lesen eigenltich größtenteils genervt war. Nicht direkt von der Ich-Erzählerin selbst, aber von ihrem Vater. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, die dieses Buch gelesen haben, aber wurde ihr auch allmählich in den Wahnsinn getrieben von sämtlichen „Dad sagt immer“, „wie Dad schon meint“ und Blah?! Klar, sie wuchs als Halbwaise auf, zog viel um; er ist wohl die einzige wirkliche Bezugsperson in ihrem Leben, aber dennoch: Wenn du schon dazu aufgezogen wurdest, alles kritisch zu hinterfragen, dann fang‘ doch einfach mal bei deinem Vater an, liebe Blue.

Ebenfalls recht störend fand ich den Stil an sich. Eigentlich mag ich ja ausgefallene Metaphern und Vergleiche, auf die man erst beim zweiten Hinsehen kommt, aber wenn sich alles so ließt, als würde die Autorin versuchen, die vorhergehende Seite an absurden Stilmitteln zu übertrumpfen, dann denke ich mir halt nur noch „chill mal, ey“.

Auch etwas Stilistisches, wovor ich vielleicht warnen sollte: Statt bloß auf Bücher Bezug zu nehmen, zitiert Blue diese direkt und verweißt dann auch jedes Mal auf den Urheber eines Gedankens (Pessl, 2006), was manche Leser vielleicht als störend empfinden könnten.

Nicht, dass es mir zu Anfang überhaupt nicht gefallen hat – ich war sozusagen „milde interessiert“, hatte auch nicht das Bedürfnis, das Buch wegzulegen, war nur einfach ziemlich genervt. 😉
Wirklich das Gefühl, gefesselt und in der Geschichte angekommen zu sein, hatte ich leider erst nach ungefähr 500 Seiten, also, kurz, bevor es auch schon wieder vorbei war. Dort geschah nämlich etwas, dass mir das ganze Genervt-Sein es dann doch wert erscheinen ließ. 😀 Darüber muss ich mich gerade auch kurz auslassen, wer das nicht lesen will, überspringt den Abschnitt zwischen den Spoilerwarnungen …

[SPOILER ANFANG]

Das Ereignis, das mein Bild so umwarf, war natürlich der Fortgang von Blues Vater. Ich kann nicht mal wirklich sagen, ob ich die Idee gut/glaubwürdig fand, ich hatte es einfach nie im Leben erwartet, und das mag ich an Büchern sehr, wenn sie mich so überraschen können!
Was haltet ihr davon? Habt ihr schon geahnt, dass hinter dem Mann mehr steckt als nur eine arrogante Nervensäge?

Sehr schön fand ich auch die „Abschlussprüfung“, ich finde das nett von Büchern, wenn sie einem so höflich Denkanstöße servieren.

[SPOILER ENDE]

Ja. Im Allgemeinen kann ich nicht sagen, ob ich das Buch empfehlen würde – es ist schon irgendwie interessant und lohnend, aber man wird auch aggressiv dabei. (Also, ich. Aber ich bin auch leicht zu ärgern, besonders von Ich-Erzählern.) Es wirkt irgendwie unnötig überladen und ist durch allzu abstruse Metaphorik manchmal anstrengend zu lesen, ohne den Leser dafür zu „belohnen“. (Also, es gibt ja auch Texte, die anstrengend sind, aber wenn man sich durchwühlt gerät man in so ein Literatur-High, meine ich …)
Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber – abgesehen von der wunderschönen Aufmachung – ist es jetzt nichts, was ich unbedingt im Regal stehen haben müsste.

Meine liebsten Zitate aus dem Buch gibt es jetzt übrigens zum Lesen und Rebloggen auf Tumblr, wenn ihr auf diesen Satz hier klickt!

Fantasy · Jugendbücher

[Rezension] „Die Herrscher von Dhaleth“ von Priska Lo Cascio

Traveler DC 120Autorin: Priska Lo Cascio
Verlag: Thienemann
Erstauflage: 13. August 2014
ISBN-10: 3522202007
ISBN-13: 978-3522202008
Seiten: 416

Cover: Die Gestaltung finde ich ziemlich gelungen. Die Landschaft im Hintergrund ist klassisch-phantastisch, doch es sieht auch so modern aus, dass man merkt, dass es ein Buch aus der heutigen Zeit ist.

Handlung: In Dhaleth leben vier Völker (deren Charakter und übernatürliche Fähigkeiten eng mit den vier Elementen verbunden sind) mehr oder weniger friedlich nebeneinander – bis der Feueropal, der das Feuervolk in der Einheit der Völker symbolisiert, gestohlen wird. Dhaleth ist mit unserer Welt durch Portale verbunden, doch in der Regel begibt sich keiner durch diese; Menschen und Dhalether leben parallel, doch seperat. Durch die enge Bindung jedoch würde ein Krieg in Dhaleth auch die Welt der Menschen zerstören. Daher willigen die vier jungen Menschen, die von den Dhalethern dazu auserwählt werden, den Feueropal wieder zu finden, und somit die Einheit zu bewahren, auch ein, sich auf die Mission, den Opal zu finden, zu begeben.

~*~

Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht, wie ich das Buch finden soll … Zu Anfang möchte ich jedoch anmerken, dass ich seit einigen Jahren nicht mehr so intensiv Fantasy lese, das mag vielleicht einige meiner Schwierigkeiten, wie das Auseinanderhalten vieler Protagonisten mit komplizierten Namen, erklären. 😉
Ich hatte mich für die Lovelybooks-Leserunde beworben, weil ich in letzter Zeit sehr gerne Kinder- und Jugendromane lese und außerdem gerne wieder in das Fantasy-Genre einsteigen wollte. In gewisser Weise hat Die Herrscher von Dhaleth meine Erwartungen auch erfüllt – Außerwählte, die eine Mission erfüllen müssen und sich auf eine abenteuerliche Reise durch eine fremde Welt begeben, wenn das mal nicht die klassische Fantasy-Handlung ist! Ich war allerdings ein wenig enttäuscht, weil ich nicht den Eindruck hatte, dass hier diesem üblichen Trope etwas wirklich Spezielles gegeben wurde, das diesen Roman aus anderen, die dem selben Muster folgen, herausstechen lässt. Die Charaktere waren zwar alle auf den ersten Blick recht interessant, doch fehlte es vor allem den Dhaletern irgendwie an Tiefe und Individualität, die den Leser (ob mit Sympathie oder Antipathie) an sie binden. Auch die Handlung wartete leider nicht wirklich mit Überraschungen auf, und während ich zwar nie wirklich gelangweilt war, war ich eben auch nicht gefesselt.
Eigentlich interessanter als die Handlung fand ich die Beschreibungen der Landschaften in den einzelnen Landteilen Dhaleths. Die Welt wirkt wirklich interessant und auf jeden Fall einen Besuch wert. Während ich also wie ein Tourist in Dhaleth herumstrich, war mir eigentlich gar nicht so wichtig, was genau gerade eigentlich passierte …

Ob ich also eine Empfehlung aussprechen soll, kann ich nicht wirklich sagen. Es ist ein solider Fantasy-Roman, der recht gut unterhält, aber nicht vom Hocker reist. Die Idee hinter den Dhaleth und den vier Völkern fand ich auf jeden Fall sehr schön, man hätte meiner Meinung nach nur mehr daraus machen können. So ist das Buch zwar eine nette Geschichte für Zwischendurch, war für mich aber nichts zum richtig Darin-Versinken.