Historisches · Liebesromane

Rezension: Die Stadt der schweigenden Berge

stadt der schweigenden bergeHandlung: Berlin, 1930. Die Studentin Amarna ist fasziniert von der Archäologie und Altorientalistik. Besonders interessiert sie der Gilgamesch-Mythos, zu dem sie auch ihre Magisterarbeit schreiben möchte. Die Hauptstadt des untergegangenen Hethiter-Reiches, Hattuša, übt ebenso eine starke Faszination auf sie aus – vor allem, da sie über diese schon seit sie denken kann Albträume hat. Warum nur sträubt sich ihr Vater, der doch selbst begeisterter Archäologe ist, so sehr dagegen, sie an einer Expedition dorthin teilnehmen zu lassen? Als sich ihr die Gelegenheit bietet, eine solche Reise zu machen, kommt sie nicht nur den Geheimnissen einer Stadt, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur …

War ganz Hattuša eine in Felsen hineingezwungene Festung, die selbst die Stürme des Himmels nicht einnehmen konnten, so war der Palast auf dem Hügel ihr Herz, das einst, beim Weltende, der berstenden Erde trotzen würde.
(S.323)

Wenn es in einem Buch um Archäologie geht, ist das für mich alleine schon ein Anreiz, es zu lesen. Damit es mir dann auch richtig gut gefallen soll, müssen natürlich auch mehr Dinge stimmen, doch ich kann frohen Mutes verkünden, dass ich sehr glücklich bin, Die Stadt der schweigenden Berge gelesen zu haben, und es auch guten Gewissens weiter empfehle! Es ist eines der Bücher, die mich schon vom ersten Satz an in ihren Bann gezogen haben. Kaum hatte ich es aufgeschlagen, war ich schon drin in Armanas Welt und ihrem Denken, fühlte ihre Begeisterung für die Erforschung der Vergangenheit. So waren die schönsten Stellen für mich jene, in denen man die Liebe zur archäologischen Forschung spürte, und im Allgemeinen die Begeisterung verschiedenen Kulturen gegenüber. Der Schreibstil war bildhaft und poetisch und machte Beschreibungen von Städten, Landschaften und Artefakten zu einem Genuss. Ich bekam immer stärker selbst Lust, auf Expedition zu gehen und vergessene Städte auszugraben – auch wenn mir das nicht möglich ist, den Gilgamesch-Mythos werde ich mir auf jeden Fall zu bestellen, Amarnas Begeisterung ist nämlich sehr ansteckend und die eingestreuten Textpassagen tun ihr Übriges.

Wie immer kann ich ein Buch nicht ohne kleine Kritikpunkte empfehlen. Was mir hier stellenweise die Lust raubte, war eine Liebesbeziehung mit der ich mich erst so gar nicht anfreunden konnte, später aber warm wurde. Dies lag zum Teil auch daran, dass ich wirklich nicht damit gerechnet hatte, dass eine Romanze einen so großen Stellenwert in dem Roman einnehmen würde, und wurde dann bei meiner immerwährenden Suche nach einem romantiklosen Roman natürlich enttäuscht. Hier also die offizielle Warnung für alle, denen es ähnlich geht: Liebe in Sicht! 😀
Ebenso kam mir beim Nachdenken über Bücher, die mich emotional zu berühren wissen, in den Sinn, dass ich große Gefühle am liebsten in kleinen, klaren Worten geschildert habe. Da Die Stadt der schweigenden Berge aber wie gesagt ein Buch großer, dramatischer Sprache ist, löste das vielleicht auch gleichzeitig bei mir eine Distanz zu den realen Emotionen (außerhalb des Genusses wunderschöner Sprachbilder) aus.
Die Thematisierung der Romantik war für mich allerdings der einzige Wehrmutstropfen – und wer mich kennt, weiß ja, dass ich in dieser Hinsicht wirklich schwer zufrieden zu stellen bin, weshalb das für andere Leser kein Hindernis darstellen sollte, sich den Roman einzuverleiben. Mein „Leser-Service“ enthält aber eben, dass ich auch erwähne, was mich nicht so zu beglücken wusste. 😉

Ansonsten besonders gelungen fand ich die Einbettung in den historischen Kontext. Die Charaktere wirken sehr realistisch der Zeit entsprechend (und es ist eigentlich traurig, dass ich das so hervorheben muss, aber leider ist das in historischen Romanen nicht immer so). Interessant ist Amarnas schwierige Stellung als Frau in der Wissenschaft; mit banger Vorausahnung erfüllen die ersten Anzeichen des aufkommenden Dritten Reiches. Ebenfalls sehr eindrücklich ist das, was man über den Völkermord an den Armeniern erfährt – mit diesem Thema hatte ich mich noch nie gefasst, und es ist doch immer exzellent, wenn man durch Romane auch etwas lernt, gerade über Geschehnisse, die ob ihrer Grausamkeit nicht vergessen werden dürfen.

Wenn man die Geschichte eines Volkes nicht mehr erzählt, löscht man es ein zweites Mal aus, nicht wahr?
(S.230)

Alles in allem also: eine Leseempfehlung! Ich habe diese lehrreiche und unterhaltsame Liebesgeschichte an die Archäologie mit viel Vergnügen verschlungen.

Meine Lieblingszitate findet ihr wieder auf Tumblr, wenn ihr diesem Link folgt!

Autorin: Carmen Lobato
Verlag: Knaur Taschenbuch
Erstauflage: 2015
Seiten: 576
ISBN-10: 3426514559
ISBN-13: 978-3426514559

Advertisements

2 Kommentare zu „Rezension: Die Stadt der schweigenden Berge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s