Krimis und Thriller

Rezension: „Die Todesgeigerin“

todesgeigerinAutor: Paul Walz
Verlag: Prolibris
Erstauflage: Dezember 2014
Format: Taschenbuch
ISBN-10: 3954751011
ISBN-13: 978-3954751013
Seiten: 331

Handlung: Als am Anfang der Geschichte eine Seniorin tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, gehen Kommissar Lichthaus und sein Team zunächst noch von einem Einzelfall aus. Als sie jedoch Wissen über mehrere ähnliche Fälle erlangen, erkennen sie, dass sich jemand in einer Raubmordserie einer unheimlich verletzlichen Bevölkerungsschicht zuwendet: Alternden Menschen, die vollkommen von ihrer Umwelt abgeschnitten sind. Es stellt sich heraus, dass all den Opfern gemeinsam war, dass sie im Internet in Seniorenchatrooms ihrer Einsamkeit zu entfliehen suchten, wo der Mörder dann ihr Vertrauen erlangte. Die Ermittlungen im Cyberspace stellen das Team vor ungeahnte Herausforderungen.

~*~

Wie eigentlich immer kann ich mir nicht verwehren, das Buch von mehreren Standpunkten zu betrachten – mein erster ist der einer begeisterten Krimileserin, und als solche habe ich das Buch gerne gelesen. Der oben beschriebene Fall ist mir in dieser Weise noch nie untergekommen und mit Spannung habe ich verfolgt, wie die einzelnen Handlungsstränge aufgedröselt wurden und die Ermittler in so einigen Sackgassen stolperten. Was ich besonders mochte, waren die Kapitel, die die Sicht der Opfer und Täter beleuchteten. Ich bin jetzt 22 und die meisten Menschen, mit denen ich Kontakt habe, sind ebenfalls junge Erwachsene, oder Erwachsene vor dem Rentenalter. Dieser Blick auf ältere Menschen in ihrer Einsamkeit war etwas ganz neues und Bedrückendes für mich. Auch der Einblick in die Motive der Täter gab dem Leser eine neue Perspektive auf das Geschehen und machte es schwerer, eine klare Grenze zwischen „gut“ und „böse“ zu ziehen.
Wie es in den meisten Krimis von heute üblich ist, konzentrierte sich das Buch nicht nur auf den Fall, sondern erzählte auch vom Leben der Ermittler, hier hauptsächlich von Kommissar Lichthaus. Die Todesgeigerin ist der dritte Band einer Reihe um diesen Ermittler, man kann aber auch gut einsteigen wenn man – wie ich – keinen der vorhergehenden Bände gelesen hat. Leider muss ich sagen, dass mir hier Lichthaus leider nicht so sympathisch wurde (was aber vielleicht an meiner ganz persönlichen Abneigung gegen Eifersüchteleien liegt), das trübte mein Lesevergnügen aber nur unwesentlich. Im Allgemeinen mochte ich das Team und wie deutlich wurde, wie sympathisch sich die meisten Mitglieder sind.
Vom Krimileser-Standpunkt war das also ein gutes Buch, aber leider bin nie nur eine Art von Leserin gleichzeitig, weshalb ich nun kurz auf zwei Punkte eingehen möchte, die meinen Genuss des Buches ein wenig schmälerten:
Zum einen wäre da die Sache, dass ich eine junge Erwachsene im Jahre 2015 bin. Mit Betonung auf ‚jung‘, weil ich damit meine Zugehörigkeit zu einer Generation unterstreichen möchte, die quasi im Internet aufgewachsen ist. 😀  Zwar gab es in meiner Kindheit weder Smartphones noch Laptops, aber dennoch bin ich seit ca. 10 Jahren häufig (und immer häufiger werdend) im Internet unterwegs. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich eben online fast schon zu Hause fühle, dass es mir oft seltsam bis unglaubwürdig erschien, wie naiv die Ermittler an diesen neuen Schauplatz herangehen. Zwar kenne ich mich nicht wirklich aus, wie gut ausgebildet Polizisten in dieser Hinsicht sein müssen, doch konnte ich der Geschichte nie so ganz abnehmen, von was die Protagonisten alles noch nie gehört hatten, bzw. welche Unvorsichtigkeiten sich daraus ergaben. Doch, wie gesagt, das ist nur meine ganz persönliche Empfindung – und vielleicht finden sich „wirkliche, echte Erwachsene“ auch eher darin wieder, schließlich ist das Internet ja auch für Frau Merkel Neuland. 😉
Ein zweiteres kleines Manko war, dass ich (trotz der oben erwähnten teilweisen Aufhebung von Gut und Böse), viele (Neben-)Charaktere als etwas flach und fast karikaturhaft gezeichnet fand, als sollte es dem Leser extra einfach gemacht werden, sie schnell in Schubladen a la „Nerd“, „brave, harmlose Studentin“ zu stecken.

Alles in allem also empfand ich Die Todesgeigerin als guten  Krimi – nicht unbedingt herausragend, aber keineswegs schlecht, der spannende Unterhaltung für einen faulen Sonntag auf der Couch bietet. 🙂

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