Historisches

[Rezension] „Transatlantik“ von Colum McCann

Traveler DC 120Autor: Colum McCann | Übersetzer: Dirk van Gunsteren
Originaltitel: Transatlantik
Verlag: rowohlt
Englische Erstauflage: 2012
ISBN-10: 3498045229
ISBN-13: 978-3498045227
Seiten: 384

Oberflächliches: Ich kann nicht klagen. 😀 Nicht überwältigend, aber schick, wirkt irgendwie ernst und seriös. Und es dauerte peinlich lange, bis mir aufging, dass der Adler mit dem Kleeblatt wohl die Verbindung zwischen Irland und Amerika aufzeigen soll … Der Umschlag fühlt sich glatt und plastik-mäßig an; das Buch darunter ist dunkelgrün. Das orangene Lesebändchen fand ich farblich etwas unpassend, aber es korrespondiert wohl mit Adlerschnabel und -klauen (Füßen? Greifern??). (Und ich frage mich immer mehr, wieso ich diese Kategorie überhaupt in meinen Rezensionen habe.)

Handlung: Dieses Buch verwebt mehrere Handlungsstränge – zum einen gibt es da die Flieger Alcock und Brown, die 1919 von Neufundland nach Irland den ersten Nonstop-Transatlantikflug unternehmen, dann gibt es da noch Frederick Douglass, den bekannten schwarzen amerikanischen Abolitionisten, der 1845 eine Reise durch Irland unternimmt, und schlussendlich, fast im Hier und Jetzt, wird 1998 der US-Senator George Mitchell zu den nordirischen Friedensgesprächen begleitet. All diese Personen sind durch mehrere Generationen hinweg durch Freundschafts- und Familienbeziehungen verbunden, die einem im Laufe der Lektüre klar werden.

transatlantik

Leider muss ich sagen, dass ich auch von diesem hoch gelobten Buch nicht allzu begeistert war. (Hoffentlich wird das nicht mein Trend-Thema für dieses Jahr, dieses “mit großen Erwartungen an Bücher herangehen und dann enttäuscht werden” …) An dem Gedanken an sich, all diese Schicksale miteinander zu verbinden, habe ich überhaupt nichts auszusetzen, den finde ich großartig! Auch finde ich, dass es dem Autor durchaus gelungen ist, Blickwinkel und Randperspektiven zu beleuchten, die man in Romanen nicht so häufig zu Gesicht bekommt. So weit, so gut. Ein immenser Störfaktor war für mich allerdings der Schreibstil, der in mir wieder und wieder den Wunsch aufkommen ließ, das Buch einfach zuzuklappen und aufzugeben.

Ich lese ja recht viel, auch kostenlos online Publiziertes, und ich schreibe auch. Das heißt, ich habe schreibstiltechnisch schon so Einiges erblickt und auch so Einiges verbrochen. Von daher verstehe ich den Gedanken vollkommen, mit kurzen, schlichten Sätzen den Leser mal innehalten zu lassen, den Text mit mehr Tiefe auszustatten, als wenn Alles in einem überquellenden Strom von Kommata und Nebensätzen am Publikum vorbeisprudelt. Gezielt eingesetzt finde ich das wunderbar. Die Vorlesestimme im Kopf kommt zu Atem, man kann eine Szene auf sich wirken lassen. An Transatlantik störte mich jedoch ungemein, dass das Buch zu gefühlten 90% aus Sätzen bestand, die nicht mal eine Zeile lang sind.

Kurze Sätze. Knapp. Klar. Prägnant. Einer nach dem anderen. Statt Beschreibungen: Listen. Ich wurde immer frustrierter. Wütender. Unzugänglich, so schien mir das Buch. Keine Möglichkeit, in einen Lesefluss zu geraten. Die Charaktere blieben fremd und leer. Mit jedem verfrühten Satzende größere Distanz zu mir. Schade.

So ungefähr fühlte sich das an, und das beinahe 400 Seiten lang. Klar, ich habe keinen einfachen, super leicht zugänglichen Roman erwartet, und in der Regel bin ich sogar Willens, mich auf kompliziertere Texte einzulassen. Aber dieses Abgehackte hat es mir wirklich unmöglich gemacht, in diesen Zustand zu geraten, wo man nur ließt und ließt und ließt. Selten habe ich so lange für ein relativ kurzes Buch (die Schrift ist recht groß) gebraucht, mit so vielen gedanklichen Unterbrechungen und Abschweifungen. Ich habe das Gefühl, mein Gehirn wäre so ein Laptop, der bei jedem Punkt runtergefahren wird, und sich beim nächsten Satz dann wieder anschalten muss. Transatlantik war für mich also ein ständiges An- und Ausschalten, und wie mein geliebter (und schon ca. 7 Jahre alter) Laptop, fing ich dann eben an, zu rattern, immer langsamer zu werden, und zu überhitzen. Metaphorisch gesprochen. Unmetaphorisch saß ich da und beschimpfte ein Buch, das doch eigentlich hätte so schön sein können.

Denn, es war ja nicht alles schlimm. 😉 Auch, wenn die Stellen, an denen ich mich wirklich “in der Geschichte” fühlte, selten waren, es gab sie. Während mich die meisten Charaktere kalt ließen, haben mich andere Geschichten dann doch irgendwie zu berühren vermocht. Auch schöne Sätze und interessante Gedanken waren ja vorhanden, wenn man sich nur fleißig durch den Urwald aus Punkten kämpfte.

Dass das Buch nichts für mich ist, heißt ja definitiv nicht, dass es schlecht ist – ich würde nur jedem empfehlen, vor dem Kauf mal hineinzulesen, ob man mit dem Schreibstil klarkommt! Wie ich mit Erleichterung feststellen musste, als ich auf Goodreads in den Reviews stöberte, bin ich nämlich nicht die einzige, die ein wenig – oder ziemlich – genervt reagierte.

Da es ja trotz allem auch einige echt schöne Passagen in dem Buch gab, habt ihr nun die wunderbare Gelegenheit, auf diesen Satz zu klicken, und meine liebsten Zitate zu lesen und zu rebloggen! 🙂

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