Jugendbücher · Mystery · Schwerlich Kategorisierbar

[Rezension] „Die alltägliche Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl

Traveler DC 120Autorin: Marisha Pessl | Übersetzerin: Adelheid Zöfel
Originaltitel: Special Topics in Calamity Physics
Verlag: Fischer
Englische Erstauflage: 2006
ISBN-10: 3100608038
ISBN-13: 978-3100608031
Seiten: 601

Oberflächliches: So! Schön! Finde ich. Die riesige Rose und Kaktusblüten (?) sind hübsch, aber nicht kitschig, und wie der Titel in das Bild eingearbeitet wurde, gefällt mir auch. Außerdem fühlt sich der Schutzumschlag angenehm papierig an.

Handlung: Blues Mutter ist in ihrer Kindheit gestorben, ihr Vater reist als Universitätsprofessor von einer Universität zur anderen. Sie bleibt also nie lange an einem Ort, statt Freunde zu finden versinkt sie in Büchern. Als ihr Vater zusagt, zum Anlass ihres letzten Highschool-Jahres ein Mal ein ganzes Jahr am selben Platz zu verweilen, ändert sich das aber: Sie findet zu einer kleinen Gruppe recht reicher und arroganter Mitschüler, die sich um die charismatische Lehrerin Hannah Schneider scharen. An Blue scheint Hannah ein besonders starkes Interesse zu haben. Die Schüler ihrerseits vermuten, dass ihre Lehrerin ein Geheimnis birgt …

~*~

Wie in meinem Monatsrückblick schon angesprochen, ist meine Meinung zu diesem Buch nicht ganz einfach in Worte zu fassen.Traveler DC 120
Irgendwie wurde ich enttäuscht, ja. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich wirklich sehr hohe Erwartungen hatte: ich meine, das Cover ist ja mal wunderschön! Und beim Inhaltsverzeichnis bin ich auch dahingeschmolzen. Ich meine, schaut nur! ->

Was sich hinter all diesen begeisternden Äußerlichkeiten versteckte … naja. Man könnte sagen, dass ich beim Lesen eigenltich größtenteils genervt war. Nicht direkt von der Ich-Erzählerin selbst, aber von ihrem Vater. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, die dieses Buch gelesen haben, aber wurde ihr auch allmählich in den Wahnsinn getrieben von sämtlichen „Dad sagt immer“, „wie Dad schon meint“ und Blah?! Klar, sie wuchs als Halbwaise auf, zog viel um; er ist wohl die einzige wirkliche Bezugsperson in ihrem Leben, aber dennoch: Wenn du schon dazu aufgezogen wurdest, alles kritisch zu hinterfragen, dann fang‘ doch einfach mal bei deinem Vater an, liebe Blue.

Ebenfalls recht störend fand ich den Stil an sich. Eigentlich mag ich ja ausgefallene Metaphern und Vergleiche, auf die man erst beim zweiten Hinsehen kommt, aber wenn sich alles so ließt, als würde die Autorin versuchen, die vorhergehende Seite an absurden Stilmitteln zu übertrumpfen, dann denke ich mir halt nur noch „chill mal, ey“.

Auch etwas Stilistisches, wovor ich vielleicht warnen sollte: Statt bloß auf Bücher Bezug zu nehmen, zitiert Blue diese direkt und verweißt dann auch jedes Mal auf den Urheber eines Gedankens (Pessl, 2006), was manche Leser vielleicht als störend empfinden könnten.

Nicht, dass es mir zu Anfang überhaupt nicht gefallen hat – ich war sozusagen „milde interessiert“, hatte auch nicht das Bedürfnis, das Buch wegzulegen, war nur einfach ziemlich genervt. 😉
Wirklich das Gefühl, gefesselt und in der Geschichte angekommen zu sein, hatte ich leider erst nach ungefähr 500 Seiten, also, kurz, bevor es auch schon wieder vorbei war. Dort geschah nämlich etwas, dass mir das ganze Genervt-Sein es dann doch wert erscheinen ließ. 😀 Darüber muss ich mich gerade auch kurz auslassen, wer das nicht lesen will, überspringt den Abschnitt zwischen den Spoilerwarnungen …

[SPOILER ANFANG]

Das Ereignis, das mein Bild so umwarf, war natürlich der Fortgang von Blues Vater. Ich kann nicht mal wirklich sagen, ob ich die Idee gut/glaubwürdig fand, ich hatte es einfach nie im Leben erwartet, und das mag ich an Büchern sehr, wenn sie mich so überraschen können!
Was haltet ihr davon? Habt ihr schon geahnt, dass hinter dem Mann mehr steckt als nur eine arrogante Nervensäge?

Sehr schön fand ich auch die „Abschlussprüfung“, ich finde das nett von Büchern, wenn sie einem so höflich Denkanstöße servieren.

[SPOILER ENDE]

Ja. Im Allgemeinen kann ich nicht sagen, ob ich das Buch empfehlen würde – es ist schon irgendwie interessant und lohnend, aber man wird auch aggressiv dabei. (Also, ich. Aber ich bin auch leicht zu ärgern, besonders von Ich-Erzählern.) Es wirkt irgendwie unnötig überladen und ist durch allzu abstruse Metaphorik manchmal anstrengend zu lesen, ohne den Leser dafür zu „belohnen“. (Also, es gibt ja auch Texte, die anstrengend sind, aber wenn man sich durchwühlt gerät man in so ein Literatur-High, meine ich …)
Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber – abgesehen von der wunderschönen Aufmachung – ist es jetzt nichts, was ich unbedingt im Regal stehen haben müsste.

Meine liebsten Zitate aus dem Buch gibt es jetzt übrigens zum Lesen und Rebloggen auf Tumblr, wenn ihr auf diesen Satz hier klickt!

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