Dramatisches · Jugendbücher

[Rezension] „Nach allem, was passiert ist“ von Sophie Coulombeau

Traveler DC 120

Originaltitel: Rites
Autorin: Sophie Coulombeau
Verlag: Kein & Aber
ISBN-10: 3036956905
ISBN-13: 978-3036956909
Seiten: 256

Handlung: Damian, Nick, Rachel und Lizzie rekapitulieren, was damals vor 15 Jahren geschah, in der Nacht, als sie alle gemeinsam ihre Unschuld verlieren wollten. Doch nicht nur sie kommen in den recht kurzen Textpassagen zu Wort, sondern auch andere, Unbeteiligte wie der Dorfpfarrer, oder die Eltern der vier. Zu Anfang weiß man nur, dass etwas schrecklich schief gelaufen ist, was genau passierte (oder auch nicht), kann man dann versuchen, sich anhand der Schilderungen, die sich oftmals widersprechen, zusammen zu reimen.

Oberflächliches: Ok, wie ich dauernd erwähne: Ich bin kein Fan von Menschen auf Buchcovern, gerade von Fotos nicht. Dadurch, dass die hier zumindest halb abgeschnitten sind, und der Rest des Covers relativ schlicht gehalten ist, finde ich es aber ganz gut. Das Titelbild der Originalausgabe finde ich aber um einiges ästhetischer und treffender!
(Hm. Diese Kategorie sollte ich vielleicht abschaffen. Kommt ja auf den Inhalt an, und alles. Allerdings bin ich doch so ein leidenschaftlicher Buchcovernörgler…)

nawpi
Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen! Ich bin eh total pro Es-gibt-keine-Wahrheit-und-alles-ist-subjektiv, von daher hat mich die Grundidee von Anfang an überzeugt. Die einzelnen Perspektiven dann fand ich auch alle sehr gut beschrieben – jede und jeder hatte so eine eigene Art sich auszudrücken, es schimmerten persönliche Motive durch und man konnte die ganze Zeit grübeln, wer denn nun was warum sagt. Interessant fand ich, wie sich meine Sympathieverteilung im Verlauf der Erzählung stark änderte, und die Person, die ich zu Beginn noch am sympathischsten fand, hatte es sich am Ende total mit mir verscherzt…
Natürlich kam ich nicht umhin, mir meine eigene „Wahrheit“ zu bilden, beziehungsweise Positionen zu ergreifen, doch wird man hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Büchern, nicht dazu gedrängt, eine bestimmte Perspektive anzunehmen. Ich denke, dass kein Buch jemals von allen Lesern gleich empfunden wird, doch gerade bei solchen Büchern, wird man geradezu dazu eingeladen, sich seinen ganz persönlichen (absolut echten) Plot zu knüpfen.
Abgesehen von der Struktur genoss ich auch den Stil – außer in den Passagen von Personen, die mir zu unsympathisch waren. Ich bin ja starke Verfechterin der Theorie, dass sich der Charakter im Schreibstil widerspiegelt… 😉
Es sind auch einige Absätze dabei, über die man gerne mehrmals nachdenkt. Einer meiner Favoriten war: Jemand hat mal gesagt, Versuchung sei der Sekundenbruchteil zwischen dem Moment, wo es zu früh ist, dagegen anzukämpfen, und dem, wo es zu spät ist. Soll heißen, dass so etwas wie Versuchung gar nicht existiert. Dass man im Grunde nur scheitern kann.
Trotz solcher Stellen, die ich in anderen Kontexten manchmal als „pseudotiefsinniges Rumgelaber“ bezeichnen würde, macht sich das Buch mir nicht dadurch unsympatisch, dass es in jeden Satz so viel Tiefgründigkeit wie nur irgend möglich quetschen wollte. Zum Denken anregende Sätze wechseln sich mit solchen ab, die einfach nur da sind. So gehört sich das. Finde ich. In fiktionalen Texten zumindest. (Ist natürlich wieder subjektiv und man darf das nicht verallgemeinern, und ach…)
Was ich sagen will: Obwohl das Buch nicht so einfach gestrickt ist, wie manch andere Unterhaltungsromane, erstickt es einen nicht mit seiner Bedeutungsschwere. Das finde ich super. 🙂

Für wen? Ich würde sagen: Für alle! Außer halt denen, die unbedingt klare Aufteilungen von gut/böse, Wahrheit/Lüge verlangen… (Doch wieso sollte man?)

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