Liebesromane · Mystery

[Rezension] „Die Augen des Schmetterlings“ von Federica de Cesco

Traveler DC 120

Autorin: Federica de Cesco
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442367506
ISBN-13: 978-3442367504
Seiten: 510

Handlung: Mit dem Ziel, Modedesignerin zu werden, zieht es die Finnin Agneta nach Tokio, auf das Bunka Fashion College. Dort lernt sie rasch die wunderschöne, aber undurchsichtige Lumina kennen. In deren Onkel, Dan, verliebt sie sich dann auch. Ihr neues Leben in Japan könnte alles in allem ziemlich schön sein, doch in der Vergangenheit lauern düstere Geheimnisse, die auf die Gegenwart übergreifen. Da wären zum Beispiel Luminas Großmutter, die sie in Visionen verfolgt, und Agnetas Bruder, der in ihrer Kindheit ertrunken ist, aber heute noch in ihrem Kopf mit ihr spricht…

Oberflächliches: Mit den zarten Blautönen und den vielen Schmetterlingen sieht der Einband schön verträumt und leicht aus. Bei der abgebildeten Frau tritt bei mir – wie fast immer – das Problem auf, dass ich mir die Protagonisten grundsätzlich anders Vorstelle, als die Personen auf den Covers, doch das ist ja wohl Geschmackssache. 😉 Alles in allem finde ich das Titelbild wirklich gelungen.

Zitat de CescoDas Buch war in vielerlei Hinsicht anders und damit auch besser, als ich es erwartet hatte. Die Kurzbeschreibung sowie das Versprechen „Große Frauenunterhaltun!“ weckten in mir die Erwartung einer recht typischen Liebesgeschichte an einem etwas außergewöhnlicheren Schauplatz, ich rechnete mit sehr simpler, leichter Frühlingslektüre.
Tatsächlich und zu meiner großen Freude ist es aber gar nicht die Romanze, die den Hauptteil der Handlung einnimmt. Stattdessen entfaltet sich eine Mystery-Geschichte, die schon Generationen zurückreicht, und in der sich die Historie und Mythologie von Japan und den finnischen Samen begegnen und vermischen.
Außerdem geht es um Menschen, die schreckliche Dinge vergessen, verdrängen und unterdrücken; die schlecht Handeln, ohne es zu wissen oder zu wollen. Der Kurzbiographie der Autorin entnahm ich, dass sie Psychologie studiert hat, und ich finde, das merkt man an diesen Aspekten sehr gut.
Oft weiß man nicht, was wirklich übernatürliche Elemente im realen Leben sind, und was nur in den Gehirnen der Protagonisten vor sich geht, und darum wirklich wird.
Auch den Schreibstil genoss ich sehr, besonders, wenn verschiedene Gegenden Tokios oder die finnischen Landschaften aus Agnetas Kindheit beschrieben wurden. Der bildhafte Stil erzeugt sofort Atmosphäre, war für mich nur manchmal ein wenig zu überladen.
Schön fand ich auch, dass man Einiges über andere Kulturen erfährt, wie die Sagenwelt der Samen, die Traditionen des Kabuki-Theaters, Episoden aus der Geschichte der Samurai…
Die gefühlvollen Szenen rutschten mir oft zu sehr ins Melodramatische ab, doch da es für mich selten emotionale Bücher gibt, die ich nicht als melodramatisch empfinde, sollte das auch niemanden abschrecken.
Ansonsten störten mich nur Kleinigkeiten, die anderen vermutlich gar nicht auffallen: so empfand ich es zum Beispiel als störend, wenn Dinge, die Agneta als Ich-Erzählerin nicht miterlebt hatte, allzu detailliert erzählt wurden, gerade so, als wäre sie dabei gewesen, was mir zu unlogisch/unmöglich war. Außerdem gab es einige allzu klischeehafte Sätze über Männer und Frauen und wie diese sich verhalten, aber dem kann man ja leider so gut wie nie entkommen…
Generell war ich von meinem Leseerlebnis aber positiv überrascht und empfehle das Buch auch gerne weiter!

Für wen? Leute, die ein überzeugendes Mittelding zwischen „zu nervenzerreissend spannend“ und „zu kitschig“ suchen; Menschen, die sich für Japan interessieren; Genusssüchtige, die gerne in blumigen Schreibstilen schwelgen.

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