Kurzgeschichten

[Rezension] „Palo Alto“ von James Franco

Traveler DC 120

Autor: James Franco

Verlag: Eichborn
ISBN-10: 3847900099
ISBN-13: 978-3847900092

Seiten: 221
Cover: Passt zum Buch, definitiv. Blinkende Lichter, Sterne, dennoch viel Grau und insegsamt irgendwie fehl am Platz. (Das war positiv gemeint.)

„Vor zehn Jahren, in meinem zweiten Jahr auf der Highschool, habe ich an Halloween eine Frau getötet.“

Schon dieser erste Satz gibt die Stimmung für den vorliegenden Band an Kurzgeschichten vor. Man spürt sofort, dass das, was auf einen zukommt, nicht hoffnungsvoll, oder gar fröhlich wird.

Es geht um Jugendliche im Highschool-Alter, die in der kalifornischen Stadt Palo Alto leben, und ihr Leben ist teilweise so trostlos, dass man sich fragt, warum man überhaupt weiter liest, doch aufhören kann man auch nicht. Zu fesselnd werden all die Dinge beschrieben, die die jugendlichen Ich-Erzähler in in distanzierte, nahezu kalte Worte packen. Da gibt es einen Jungen, der seine Freundin als lebendes Sexspielzeug herumreicht, das Mädchen, das eine Beziehung mit ihrem Sportlehrer hat, und einen anderen Jungen, der spontan mit dem Auto gegen eine Wand fährt, einfach so, warum denn auch nicht? Sie erzählen davon, als ginge es ihnen kaum nahe, wäre nicht einmal real, was eine wunderbar desillusionierende Wirkung hat.

Ein Wort, dass die Atmosphäre des Buches insgesamt treffend beschreibt, ist ernüchternd.

Während andere Bücher den Leser in fremde Welten schicken oder ihn immerhin wenigstens auf ein Happy End hoffen lassen, schleudern ihm die hier gesammelten Geschichten die Realität richtig ins Gesicht. Doch obwohl all die Protagonisten trinken, töten (wollen), Drogen nehmen, irgendwie versteht man sie doch im Grunde ein bisschen. Das Buch ist erfüllt von einer Leere, die wohl die meisten schon einmal irgendwie gespürt haben.
Wer willens ist, dieser Leere auch beim Lesen noch nachzuspüren, ist mit Palo Alto gut bedient – und man kann auch nicht sagen, dass ein Happy End unmöglich wäre. Sie sind noch jung, alles ist möglich, wenn man sich es vorstellen kann.

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