[Texte] Fantasy · [Texte] JugendbĂŒcher

Rezension: „Dana Mallory im Haus der lebenden Schatten“ von Claudia Romes

dana malloryDiese Rezension sticht vielleicht ungewohnt aus dem Großteil der Rezensionen hier heraus – schließlich bespreche ich hier ein Kinderbuch. Vielleicht kommt nun die Frage auf, warum ich denn mit 26 Jahren und ohne eigenes Kind oder Kinder in naher Verwandtschaft/Bekanntschaft ĂŒberhaupt noch KinderbĂŒcher lese. Ich zumindest habe mir diese Frage selbst gestellt, habe nachgedacht, und gewann die Erkenntnis, dass ich gerade KinderbĂŒcher aus dem Gruselbereich sehr wertschĂ€tze. Das nicht etwa, weil mir „erwachsene“ HorrorbĂŒcher eine Spur zu heftig sind, auch die lese ich regelmĂ€ĂŸig. Was ist es also, was mich an Kindergrusel reizt? HauptsĂ€chlich finde ich, dass in GruselbĂŒchern, die an ein jĂŒngeres Publikum gerichtet sind, oft mehr MĂŒhe darauf verwendet wird, eine stimmungsvoll-spukige AtmosphĂ€re zu kreieren, wĂ€hrend in Horror-Romanen fĂŒr Erwachsene oft eklige und brutale Ereignisse im Mittelpunkt stehen, die pausenlos aufeinander folgen, ohne dass viel Zeit fĂŒr das Ausarbeiten einer AtmosphĂ€re bleibt. Das finde ich persönlich recht uninteressant, weshalb ich, wenn es mir um die Stimmung geht, oft zu BĂŒchern greife, die an Kinder im Alter von 10-14 gerichtet sind. Ein weiterer Bonuspunkt ist hier, dass die Protagonisten noch nicht das Alter erreicht haben, in dem auf Biegen und Brechen ein Romanzen-Subplot in die Geschichte gezwungen wird.

So viel zu meiner Motivation an sich, KinderbĂŒcher zu lesen – nun kann ich (endlich) ĂŒber Danas Erlebnisse auf Mallory Manor berichten. Das Buch handelt von zwölf -, fast dreizehnjĂ€hrigen, Dana, die von ihrem Vater dazu beordert wird, die Ferien bei der seltsamen Tante ihres Vaters in einem noch seltsameren alten Herrenhaus zu verbringen. Ihr Vater hat ihr immer davon vorgeschwĂ€rmt, wie schön und idyllisch seine Kindheit auf Mallory Manor war, doch Dana findet das schwer zu glauben, in diesem dĂŒsteren Haus. Als sich jedoch herausstellt, dass die Frau, die sich als Danas Tante ausgibt, in Wirklichkeit eine uralte und gefĂ€hrliche Hexe ist, muss Dana rasch handeln, vor allem, da sie dazu auserkoren ist, an ihrem 13. Geburtstag in die Fußstapfen der HĂŒterinnen der Magie des Hauses zu treten.

Alles in allem war das Buch unterhaltsam, ohne mich aber vollkommen ĂŒberzeugt zu haben. Die angesprochene AtmosphĂ€re, die mir so wichtig ist, fand ich vor allem zu Beginn des Buches, als Dana Mallory Manor und seine Magie kennenlernt, und schließlich wieder am Ende, als nach dem obligatorischen Showdown wieder Ruhe einkehrte. In diesen Kapiteln ließ die Autorin in ihren Beschreibungen die Welt und Charaktere des Buches lebendig und greifbar werden und weckte mein Interesse nach Mehr. Ich wĂŒnschte mir, dass auch der Mittelteil mehr Zeit fĂŒr einen Ausbau der Welt gelassen hĂ€tte, statt sich auf die Schlag auf Schlag folgenden Ereignisse zu konzentrieren. Das fasst auch den Kern des Problems, das ich mit dem Buch habe: Es fehlt mir an einer sorgfĂ€ltigen Ausarbeitung der Welt, der Magie, und der HintergrĂŒnde. Leider sind auch die Charaktere ziemlich flach gezeichnet, oft wird das Wesen einer Person beschrieben, statt es beispielhaft zu zeigen. Zudem sind sĂ€mtliche auftretenden Figuren durchweg sehr gut oder sehr böse, Grautöne und KomplexitĂ€t gibt es leider nicht.

Hier kann man natĂŒrlich einwenden, dass es sich immer noch um ein Kinderbuch handelt, und dass fĂŒr Kinder eben einiges einfacher sein muss als fĂŒr Erwachsene. Doch ich glaube daran, dass junge Leser*innen allzu oft unterschĂ€tzt werden und dass man ihnen durchaus einiges zutrauen kann. Und wenn man mal daran denkt, welche KinderbĂŒcher die grĂ¶ĂŸten Erfolge erzielen und auch Erwachsene oft noch fesseln, dann sind das solche, die die Lesenden auch mit Zwischentönen konfrontieren, und ihnen zutrauen, selbst zu denken.

Als Beispiel kann man hier die Harry-Potter-Reihe anbringen, da die mir auch beim ErlĂ€utern eines weiteren Kritikpunkts behilflich sein kann. In dieser Reihe, wie auch im Haus der lebenden Schatten, geht es um ein Kind, das entdeckt, dass es magische FĂ€higkeiten besitzt, und nun lernen muss, damit umzugehen. Und wĂ€hrend Harry zwar auch ungelernt und unbeabsichtigt zaubern kann (wenn man an die Szene zurĂŒck denkt, in der er im Zoo die Glasscheibe eine Schlangengeheges verschwinden lĂ€sst), wird doch deutlich, dass das nicht zu erwĂŒnschten Ergebnissen fĂŒhrt, und dass auch die Magie bestimmten Regeln folgt und eben nicht ganz unverbindlich alles möglich ist. Das Magiesystem in der Geschichte ĂŒber Dana Mallory ist hingegen so vage, dass  es mich wohl auch als Kind nicht zufrieden gestellt hĂ€tte: gefĂŒhlt nichts ist unmöglich, wenn man nur fest genug auf seine Intuition oder sein Herz hört – eine Botschaft, an der ich zwar in einem Kinderbuch nicht viel auszusetzen habe, die aber nicht dazu fĂŒhrt, dass die Handlungen selbst im Rahmen eines Fantasy-Buches glaubhaft und greifbar werden.

Im Allgemeinen finde ich also, dass Dana Mallory im Haus der lebenden Schatten ein interessantes Konzept mit einer spannenden und fantasievollen Welt bietet, die aber noch ausgebaut werden könnte. Falls es einen zweiten Band geben wird, werde ich einen Blick hineinwerfen, da mich die Welt interessiert, und ich darauf hoffe, dass die Charaktere, wenn man sie lÀnger kennt, mehr DreidimensionalitÀt erlangen.

Ich danke dem Thienemann-Verlag dafĂŒr, mir ĂŒber Netgalley ein Rezensionsexemplar zur VerfĂŒgung zu stellen!

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[Texte] [Sonstiges Buchbezogenes]

Montagsfrage: VerĂ€nderter BĂŒchergeschmack

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Heute fragt Antonia von Lauter-und-Leise danach, wie sich unser Leseverhalten innerhalb der letzten zehn Jahre verÀndert hat. Da ich mich, ehrlich gesagt, an den Lesegeschmack meines 16-jÀhrigen Ichs gar nicht so gut erinnern kann (ich glaube, das waren hauptsÀchlich Krimis und Thriller), zunÀchst mal die Aspekte, bei denen ich mit relativer Sicherheit sagen kann, dass sie sich verÀndert haben:

Zum einen habe ich vor ungefĂ€hr genau einem Jahr eine plötzliche Leidenschaft fĂŒr Horror entwickelt. Ich weiß ĂŒberhaupt nicht, woher das kam, fĂŒr das Genre habe ich mich nie wirklich interessiert – ich war auf ein paar HorrorfilmnĂ€chten bei Freundinnen, aber da war fĂŒr mich eher von Bedeutung, eine Nacht mit lieben Menschen und leckeren Snacks zu verbringen, als was genau wir da eigentlich schauen – aber im letzten Sommer habe ich in der Hitze wohl plötzlich das BedĂŒrfnis bekommen, mir kalte Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagen zu lassen. 😀

Außerdem lese ich zur Zeit gefĂŒhlt mehr JugendbĂŒcher als zu meiner eigenen Jugend. Damals habe ich mich kaum dafĂŒr interessiert und habe wahrscheinlich auch irgendwie genervt gedacht, dass ich im Alltag ja schon genug mit Gleichaltrigen zu tun habe, und ihnen deshalb nicht auch noch in meinen BĂŒchern begegnen muss. Inzwischen finde ich JugendbĂŒcher aber sehr faszinierend, und gerade Jugend-Thriller (wie die vom Arena-Verlag) sind eigentlich mein Standard-Entspannungsgenre, wenn ich einfach mal ein paar gemĂŒtliche Stunden auf der Couch verbringen will. Hierzu muss ich sagen, dass ich JugendbĂŒcher aber sehr kritisch lese, und vor allem bei all den Klischees, die dort gang und gĂ€be sind, zwischen Wut und Augenverdrehen schwanke.

Ein weiteres Genre, dass ich jetzt erst wirklich fĂŒr mich entdecke, ist Fantasy in all ihren Formen und AusprĂ€gungen. Da hatte ich zwar frĂŒher schon eine Phase, die ist aber mehr als zehn Jahre her, so zwischen meinem neunten und zwölften Lebensjahr. In der vierten Klasse las ich zum ersten Mal die Herr-der-Ringe-Trilogie und hab die BĂŒcher in den Jahren danach noch mehrmals gelesen, so begeistert war ich. Die blieben aber lange eine Ausnahme, von keinem anderen Fantasy-Werk, Harry Potter ausgenommen, war ich derart eingenommen.

Außerdem hĂ€tte man mich frĂŒher mit SachbĂŒchern jagen können, inzwischen lese ich aber eigentlich jeden Monat mindestens eines zu den verschiedensten Themen.

Letztlich lese ich inzwischen sehr viel auf Englisch, was ich frĂŒher nie tat. Komisch, eigentlich, da meine Mutter englische Muttersprachlerin ist und daher fast nur englische BĂŒcher besitzt, ihr Regal hat mich aber nie gelockt. Begonnen, auf Englisch zu lesen, habe ich erst wĂ€hrend des Englisch-Studiums, das eine recht spontane Entscheidung war.

Was gleich geblieben ist, ist wohl hauptsĂ€chlich wirklich meine Liebe zu Krimis und Thrillern – die sind wohl, seit ich lesen kann, mein meistgelesenes Genre, das fing damals mit den FĂŒnf Freunden an und zieht sich bis heute durch. 🙂

Was mein Verhalten abseits der Genres angeht, ist, dass ich inzwischen, wie ich glaube, aufmerksamer lese, mir mehr Gedanken ĂŒber meinen Lesestoff mache, und ihn dadurch auch lĂ€nger im Kopf behalte. FrĂŒher habe ich einfach ein Buch nach dem anderen verschlungen und den Stapel dann wieder zur Bibliothek gebracht – aus den Augen, aus dem Sinn! Inzwischen, dadurch dass ich selbst Rezensionen schreibe, sie aber auch lese, und durch Seiten wie Goodreads oder meine Leseliste mir immer verschriftliche, was ich so lese, nehme ich es irgendwie bewusster wahr. Ich wage mal zu behaupten, ich könnte ĂŒber jedes Buch, das ich in den letzten Jahren las, zumindest eine kurze Zusammenfassung verfassen und aufzĂ€hlen, was ich daran mochte und was nicht. Vor zehn Jahren hatte ich wahrscheinlich die meisten BĂŒcher, die ich laß, kurz danach schon vergessen. :’D

[Texte] Krimis und Thriller · [Texte] Zwischen Kategoriengrenzen

Rezension: „Wir mĂŒssen ĂŒber Kevin reden“ von Lionel Shriver

Das Buch ist ein Briefroman, bestehend aus Briefen von Eva Khatchadourian – Kevins Mutter – an ihren (Ex-)Mann, indem sie die Geschichte von der Entscheidung, schwanger zu werden, ĂŒber ihre Schwangerschaft, Kevins Kindheit und Jugend erzĂ€hlt. Bis zu einem Tag, an dem Kevin etwas so Schreckliches tat, dass ihr bisheriges Leben vollkommen ĂŒber den Haufen geworden wurde. Nun bleibt Eva nichts mehr, als Kevin alle paar Wochen in der Jugendstrafanstalt zu besuchen, zu versuchen, durch den Alltag zu kommen, ohne dass jemand sie daran erinnert, wer sie ist (die Mutter von Kevin), und jene Briefe zu schreiben, die den Roman bilden.

WNTTAK

Ich ging mit einer vollkommen falschen Vorstellung an We Need to Talk About Kevin / Wir mĂŒssen ĂŒber Kevin reden heran. Das kann daran liegen, dass ich es im Rahmen des #YearOfHorror-Buchclubs laß (fĂŒr mehr Infos, schaut euch dieses Video von chapterstackss an!), und ‚Horror‘ bedeutet fĂŒr mich, dass zumindest ein noch so kleines ĂŒbernatĂŒrliches Element vorhanden ist. Von daher erwartete ich eine Geschichte ĂŒber einen Jungen, dessen Verhalten daher rĂŒhrt, dass er besessen ist, oder etwas Ähnliches. Doch stattdessen gibt es hier keine wirkliche ErklĂ€rung, weder ĂŒbernatĂŒrlich noch psychologisch: Kevin ist grausam und sadistisch und findet einzig gefallen daran, seine Mitmenschen zu quĂ€len. Einfach so.

Wir werden mit einem Jungen konfrontiert, der schon als Baby Boshaftigkeit und KĂ€lte in sich zu tragen schien, besonders seiner Mutter gegenĂŒber. In den folgenden Jahren verschreckt er nicht nur eine Babysitterin nach der anderen, die Eltern sĂ€mtlicher Spielkameraden und auch alle Gleichaltrigen. Einzig sein Vater sieht nur, was er sehen möchte, nĂ€mlich den perfekten amerikanischen Sohn, mit dem er Baseball spielen und Museen besuchen kann. Diese Illusion des idealen Jungen, die Kevin so erfolgreich aufrechterhalten kann, wenn er es denn nur möchte, machte es nur umso schwerer zu ertragen, welche fantasievollen Grausamkeiten er den meisten anderen Menschen antut, darunter auch seiner kleinen Schwester, die ihm trotz allem vertraut und zu ihm aufsieht.

You can only punish people who have hopes to frustrate or attachments to sever; who worry what you think of them. You can really only punish people who are already a little bit good.

Stellenweise kostete es mich große Überwindung, weiter zu lesen, und es gibt Szenen, die mir in ihrere Grauenhaftigkeit so nahe gingen, dass ich wahrscheinlich noch in einigen Jahren daran werde denken mĂŒssen – und das meine ich ganz und gar nicht negativ. We Need to Talk About Kevin hat es geschafft, eines meiner LieblingsbĂŒcher zu werden, denn es ist noch so viel mehr als eine Aneinanderreihung sadistischer Aktionen.

ZunĂ€chst ist bemerkenswert, wie emotional ich involviert war. Normalerweise bin ich nicht der emphatischste Leser, doch dieses Buch hat es geschafft, dass ich auf so vielen Ebenen mitgefĂŒhlt habe, und das, was es noch beeindruckender macht, ohne dass mir auch nur einer der handelnden Charaktere wirklich sympathisch gewesen wĂ€re. Lionel Shrivers ErzĂ€hlweise ist so psychologisch dicht und komplex, sie springt dazwischen umher, Dinge den Lesenden direkt ins Gesicht zu sagen oder sie als Andeutung zu belassen, und entwickelt damit einem Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Außerdem geht es noch um so viele Themen mehr als nur darum, dass ein Teenager ein Massaker anrichtet und sich seine Mutter fragt, wie es dazu kommen konnte. Es geht um das Muttersein an sich, zwischenmenschliche Beziehungen, was Amerika ausmacht, das Leid und Luxus von Schuld und Selbstmitleid … fĂŒr fast jedes Interesse findet sich hier etwas zum Nachdenken.

Eine große Empfehlung also von mir!

[Texte] Historische Fiktion · [Texte] JugendbĂŒcher

Rezension: „Sturmflimmern“ von Moria Frank

sturmflimmern 3Die Handlung, die in den 1980ern in Nevada spielt, dreht sich hauptsÀchlich um die 15-jÀhrige Sophia und ihren engeren Freundeskreis. Unabsichtlich hat sie einen schwelenden Konflikt zwischen ihrer kleinen Clique und dem Àlteren Bruders ihres besten Freundes, sowie dessen Freunden, verstÀrkt. Und zwischen den jungen Menschen, die aus oft komplizierten ElternhÀusern stammen, und mit Konflikten nicht umzugehen wissen, entsteht so nach und nach eine Spirale der Gewalt.
Doch die Handlung an sich ist fĂŒr mich nicht der Grund, das Buch zu empfehlen – ich bin keine besonders handlungs-fixierte Leseperson, aber was mir wirklich im GedĂ€chtnis bleibt sind so Dinge wie Charaktere und AtmosphĂ€re, und damit konnte das Buch bei mir richtig punkten!

In ihrem zwischen Poesie und knallharter Wahrheit schwebenden Schreibstil bringt Moira Frank die (be)drĂŒckende, aufgeladene AtmosphĂ€re dieses heißen Sommers wirklich ganz wundervoll rĂŒber. Ich hĂ€tte noch viel lĂ€nger in ihren Beschreibungen schwelgen können!

Auch die Charaktere blieben mir lÀnger im GedÀchtnis. Sie sind vielschichtig und komplex, nicht immer leicht zu durchschauen oder gar zu mögen, aber umso interessanter. Hier werden einem nicht einfach die altbekannten Klischee-Jugendbuchcharaktere vor die Nase geknallt, sondern wirklich einzigartige und lebendige Menschen!

Auch sonst hebt sich das Buch fĂŒr mich dadurch von der Masse der JugendbĂŒcher ab (ich probiere das Genre so oft und werde so oft enttĂ€uscht :D), dass hier die Lesenden als Menschen ernst genommen werden. Man wird nicht mit den schon tausendmal gelesenen Standard-Plots abgefertigt. Stand den in JugendbĂŒchern schon obligatorischen Erste-große-Liebe-Dramen stehen hier Freundschaft und familiĂ€re Beziehungen im Vordergrund. Es ist eine Geschichte darĂŒber, wie kleine Konflikte außer Kontrolle geraten können, gerade, wenn im Hintergrund der Figuren noch einiges vor sich geht. Eine Geschichte von Jugendlichen, die von einer beengenden Kleinstadt, komplizierten und teils gewalttĂ€tigen Familien oder ungeklĂ€rter Vergangenheit so festgehalten werden, dass es irgendwann explodieren muss. Das ist nicht immer schön. Aber echt.
[Texte] Lyrik · [Orte] Stadt- und Landlyrik

Stadthorizont mit KrÀnen

I.

Das Rauchgraugelb taumelt von Schwerkraft
geplagt ĂŒber den DĂ€chern des Horizonts;
hat schon lÀngst den Willen abgelegt
sich in die unendliche schwebende BlÀue zu erheben.

KrÀne recken sich in alle Richtungen.
Irgendwo ist ein Hafen
doch ich kann ihn nicht sehen.

 

II.

Neulich erst bemerkte ich
(tÀgliches Fensterstarren lehrt viel)
dass KrÀne keine starrverharrenden MonstrositÀten sind,
sondern der brutalen Leichtigkeit des Windes ergeben.

Ihre langen Stahlschnauzen deuten in Richtungen
– nicht alle in die gleiche -,
da ist Unordnung in der Welt und im Wind.

Jetzt blicke ich morgendlich hinaus
und versuche mich an eisernen OrakelsprĂŒchen.

Heute ist es neblig, ich sehe keine KrÀne:
[x] Ich blicke mutlos in die Zukunft
kreuze ich auf dem Fragebogen an.

 

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[Texte] [Sonstiges Buchbezogenes]

Montagsfrage: BĂŒcher mehrmals lesen

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Die heutige Montagsfrage dreht sich darum, ob wir BĂŒcher eher nur ein Mal lesen, oder auch mehrmals. Hier habe ich eine ziemliche Wandlung durchgemacht – als Kind habe ich stĂ€ndig die selben BĂŒcher wieder und wieder gelesen: FĂŒnf Freunde, Hanni und Nanni, Harry Potter, den Herrn der Ringe.

Dann habe ich einige Jahre fast nur neue BĂŒcher fĂŒr mich entdeckt.

Letztes Jahr aber habe ich einiges zum wiederholten Male gelesen: die gesamte Harry-Potter-Reihe, den Anfang der Bis(s)/Twilight-Reihe und ein paar einzelne BĂŒcher. Dabei habe ich auch gemerkt, wie gut mir das tut, wie schön es ist, die bekannten Welten wieder zu betreten und auch mit ganz neuen Augen zu betrachten. NatĂŒrlich halten sie nicht immer den Erwartungen stand – so habe ich zum Beispiel letztes Jahr auch die ersten beiden Hanni-und-Nanni-BĂŒcher wieder gelesen, und erinnerte mich wieder daran, dass man die Handlung jedes Buches dieser Reihe eigentlich zusammenfassen kann mit: „Ein neues MĂ€dchen, das sich anders verhĂ€lt, als die anderen kommt auf das Internat, und wird dann so lange gemobbt, bis sie „gebrochen“ ist und so ist wie alle anderen.“ Als Kind fand ich das noch amĂŒsant (ich war wohl ein recht schadenfrohes Kind), inzwischen bin ich eher skeptisch … 😀

Dennoch möchte ich dieses Wiederentdecken nicht mehr missen und plane auch fĂŒr 2019 einige Lesestunden mit geliebten BĂŒchern ein.

[Zum Schluss] Link-Empfehlungen

[Woche 3, 2019] Meine gesammelten Lieblingslinks

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Foto von Nick Morrison auf Unsplash

Rezensionen und anderes Buchbezogenes:

Two Can Keep a Secret von Karen M. McManus von Kat auf StĂŒrmische Seiten
Diese Rezension hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich – wenn ich genĂŒgend Geld auf dem Konto gehabt hĂ€tte, die Woche war dahingehend etwas schwierig đŸ˜¶Â – wahrscheinlich sofort die Mit-einem-Klick-Kaufen-Option fĂŒr ebooks betĂ€tigt hĂ€tte. Diese Mischung aus Twin Peaks und Pretty Little Liars klingt einfach genau nach meinem Geschmack!
Lieblingsstelle: „“Two Can Keep a Secret” ist ein sehr dicht erzĂ€hlter Roman und fĂŒhlt sich richig nach small town America an: Das kleine Echo Ridge an der kanadischen Grenze ist geprĂ€gt von Vorurteilen, Geheimnissen und aufgesetzter Freundlichkeit, hinter der sich viel mehr verbirgt. Dazu kommen wunderbare Beschreibungen von New England im Herbst, die dafĂŒr gesorgt haben, dass sich Echo Ridge realistisch und greifbar angefĂŒhlt hat.“

Reading Women Across Time and Culture von Nataly RamĂ­rez Baeza auf The Attic on Eighth
In diesem Beitrag des Online-Magazins erzĂ€hlt die Autorin von ihrer Recherche bezĂŒglich lesender Frauen im Chile der 1910s und empfiehlt zudem chilenische Autorinnen. Da ich noch nie wissentlich und absichtlich etwas von chilenischen Autor*innen gelesen habe, waren diese Namen neu fĂŒr mich und haben mein Interesse geweckt.
Lieblingsstelle: „The fact that women could read about divorce in a widely circulated magazine and learn about literature that addresses such issues, was thanks to the visualization and promotion of works written by female authors.“

Writing the Victorians von Kat auf StĂŒrmische Seiten
Hier schreibt Kat ĂŒber Klischees, Un- und Halbwahrheiten und anderes, was ihr immer wieder in historischen Romanen, die im viktorianischen Zeitalter spielen, negativ auffĂ€llt. Unterhaltsam geschrieben und sehr lehrreich, vor allem, wenn man selbst mit dem Gedanken spielt, eine Geschichte in dieser Epoche zu schreiben, und nun wissen möchte, wie man es vermeidet, Stereotypen und Sexismen zu reproduzieren!
Lieblingsstelle: „Wenn eure feministische Viktorianerin nĂ€mlich klingt, als hĂ€tte sie ebenfalls hundert Jahre feministische Geschichtsforschung zur VerfĂŒgung gehabt, haben wir ein Problem.“

Orchis von Verena Stauffer auf Angelika liest
Diese Rezension kam mir gerade recht, denn als ich neulich durch einen Buchladen schlenderte, ist mir dieses Buch ins Auge gefallen, aber ich habe mich dann doch nicht entscheiden können, ob ich es mir kaufen soll. Jetzt bin ich aber endgĂŒltig ĂŒberzeugt, das Buch lesen zu mĂŒssen – Wissenschaft des 19. Jahrhunderts, Schiffsreisen, ein Mensch aus dem (wenn auch nur in Halluzinationen) eine Pflanze wĂ€chst, das klingt sehr nach mir!
Lieblingsstelle: „Ich habe selten ein so sprachgewaltiges Buch erlebt. Stauffers Beschreibungen ließen mir manches Mal mein Herz schneller schlagen. Oft hatte ich das GefĂŒhl, ich stehe mit Anselm in diesen Orchideenfeldern und rieche sie ebenso intensiv wie er.“

Der Maßstab der Wirklichkeit – Zur Kontroverse um Takis WĂŒrgers Roman Stella von Johannes Franzen in Merkur
Von den Diskussionen um das genannte Buch habe ich bisher hauptsĂ€chlich auf Twitter mitbekommen. Seinen neuen Roman basiert Takis WĂŒrger auf dem Leben von Stella Goldschlag, einer JĂŒdin die zur Nazizeit als Spionin fĂŒr die Gestapo gearbeitet hat. Daraufhin entspannten sich viele Diskussionen, ob Takis WĂŒrger mit seinem Stil und seinem erzĂ€hlerischen Fokus der realen Geschichte gerecht wird, und auch darĂŒber, ob er als deutscher, nicht-jĂŒdischer Autor der Thematik ĂŒberhaupt gerecht werden kann und soll. Von der Kontroverse um das Buch erweitert Johannes Franzen seine Betrachtungen auf VerĂ€nderungen im Literaturbetrieb und weißt sehr ĂŒberzeugend auf einen Wandel im Lesen und Besprechen (vielleicht auch Schreiben) hin, in dem ethische und Ă€sthetische AnsprĂŒche miteinander verbunden werden.
Lieblingsstelle: „ErzĂ€hlen als Kulturtechnik steht gerade auf dem PrĂŒfstand – zumindest was die allzu triumphalistische HochschĂ€tzung alles Narrativen der letzten Jahrzehnte betrifft.“

 

Andere Themen:

15 auf Ein Blog von Vielen
Letzte Woche habe ich ja schon einen Artikel zum Minimalismus geteilt, in dem es darum ging, dass dieser Lebensstil fĂŒr weniger wohlhabende oder arme Menschen relativ schwer durchzufĂŒhren ist. Dieser Artikel nimmt genau die gegenteilige Position ein. Und weil ich es notwendig finde, sich mit mehreren Positionen zum einem Thema befassen, und weil auch ich so meine Sichtweise noch revidieren konnte, teile ich auch diesen.
Lieblingsstelle: „Was spricht dagegen, diese Dinge einfach nicht zu haben und sich der Konsequenz zu stellen? Was spricht dagegen, es einmal anders zu probieren? Mit solcherart Fragen gehen wir aktuell mit einem Umzug vor der Brust durch unseren Hausstand und merken, wie sehr wir ĂŒber Besitz und Kram – vor allem aber ĂŒber das StĂŒckeln der Funktionen – versucht haben, unsere Armut zu verstecken. Sogar vor uns selbst.“

„Es gibt keine Kavaliere mehr“ – Warum Ritterlichkeit aussterben muss von Michelle Janßen auf BĂŒchnerwald
In diesem Text geht es um das leider weit verbreitete PhĂ€nomen des Romantisierens von Stalking und anderen ĂŒbergriffigen Handlungen. Detailliert und mit einem kleinen historischen Exkurs beschreibt sie die Problematik dahinter, sie wie ein „Gentleman“ oder „Kavalier“ zu verhalten. Ich kann ihr nur aus tiefstem Herzen zustimmen, nicht nur, weil auch schon unverschĂ€mte Aktionen von MĂ€nnern wegstecken musste, die sich als ErklĂ€rung als „Gentleman der alten Schule“ bezeichnet haben, weshalb mir bei diesem Ausdruck eh das kalte Grausen kommt.
Lieblingsstelle: „Wenn jemand sagt, dass es keine richtigen „Kavaliere“ mehr gibt, dann ist das gut. Wird jemand als Überbleibsel dieser „guten alten Zeit“ bezeichnet, so ist das nichts anderes als eine Beleidigung.“

The Marie Kondo Books Debate Has Classist and Racist Undertones that Can’t Be Ignored von Kerri Jarema auf Bustle
Die Diskussionen um Marie Kondos Ratschlag, was das Ansammeln von BĂŒchern betrifft, haben mir diese Woche auf Twitter ehrlich gesagt den letzten Nerv geraubt … Meine Meinung lĂ€sst sich wohl in den folgenden Tweets zusammenfassen

Es ging darum, dass Marie Kondo sagte, dass fĂŒr sie persönlich die ideale Anzahl an BĂŒchern, die sie besitzen möchte, 30 ist. Zusammen mit dem Vorschlag, dass man bei jedem Buch wirklich gut ĂŒberlegen sollte, ob man es behalten möchte, reichte dies, dass Buchtwitter mehr oder weniger ausrastete, weil, wo kĂ€men wir denn ja hin, wenn wir das eigene Konsumverhalten hinterfragen wĂŒrden oder gar mit der Tatsache umgehen mĂŒssten, dass andere Menschen einfach andere PrioritĂ€ten in ihrem Leben haben?
Der verlinkte Artikel macht darauf aufmerksam, dass abgesehen von der absoluten Unwilligkeit dieser angeblichen Literaturliebhaber, den Ausdruck „sparks joy“ anders als absolut wörtlich zu interpretieren und damit einen zweifelhaften Umgang mit verschiedenen Lese-Möglichkeiten und Übersetzungen, sowie dem Wissen, was ein Vorschlag oder Ratschlag ist, zu beweißen, auch sehr viel Klassismus und Rassismus in die Kritik hineinspielen, die Marie Kondo erfĂ€hrt.
Lieblingsstelle: „The backlash has focused on everything from [Kondo’s] poor English to making fun of the terms she [uses],“ Oh says. „We have seen so many memes making fun of the concept of ’sparking joy‘ and it reminds me in many ways of people deliberately misunderstanding and making fun of my parents‘ broken English.“

 

Videos:

Auch diese Woche habe ich zwei Videos fĂŒr euch.

ZunĂ€chst erzĂ€hlt Ariel Bisset in why i struggled with my masters warum ihr Master-Studium eine sehr negative Erfahrung fĂŒr sie war:

Ich selbst bin gerade in meinem letzten Mastersemester, und kann ihr da in den Hauptpunkten nur zustimmen. Besonders störte mich in den letzten Jahren, wie hĂ€ufig mir die UniversitĂ€t wie eine hermetisch versiegelte Einheit vorkam, die absolut keinen Zugang zu dem hat, was ich mal als „echte Welt“ bezeichne. Das bezieht sich zum einen auf die Frustration, die auch Ariel teilt: all die Forschung, die man betreibt, all die Essays, die man schreibt, und niemand bekommt sie zu sehen außer andere Akademiker*innen! Weil das absolut gegen alles geht, wofĂŒr ich stehen möchte, war diese Empfindung fĂŒr mich ein Auslöser, mich mehr auf die Optionen zu konzentrieren, mein Wissen und meine Gedanken zu teilen, sei es hier auf dem Blog oder anderswo. Ich habe viele PlĂ€ne! 😀 Ansonsten hatte ich auch oft den Eindruck, dass viele Dozierpersonen gar keine Vorstellung von der Lebenswirklichkeit ihrer Studierenden haben, gerade was das Finanzielle betrifft. Ob da solche RatschlĂ€ge fallen, dass man sich fĂŒr eine gute Stipendienbewerbung schon mal ein paar Monate frei nehmen sollte (wer das kann braucht doch wohl sowieso kein Stipendium?), oder Aussagen wie „einen Hiwi-Job macht man ja nicht wegen dem Geld sondern um zu networken“, ich wundere mich schon fast ĂŒber mich, dass ich immer noch ĂŒberrascht werden kann.
UrsprĂŒnglich war mein Plan, mich direkt nach meinem Abschluss auf Doktorand*innenstellen zu bewerben. Inzwischen ist mein BedĂŒrfnis nach frischer, un-akademischer Luft aber so groß, dass das fĂŒr mich nicht in Frage kommt, weshalb es mich im Sommer zunĂ€chst nach Canada verschlagen wird, wo ich arbeiten und Geld sparen und schreiben möchte. Den Doktor möchte ich noch nicht ganz in den Wind schlagen, habe ich doch auch von Internetmenschen absolut großartige UnterstĂŒtzung erfahren, aber meine PrioritĂ€t liegt darin, meine Forschung öffentlich zu machen und nicht mein Leben lang im Biotop der Uni herumzuschwimmen.

Nun. Das wurde jetzt doch sehr persönlich, als rasch zum nÀchsten Video:

Helene von Books by Leynes ist eine meiner liebsten Booktuberinnen, und dieses Video, in dem sie ihre liebsten BĂŒcher, die sie 2018 las, Revue passieren lĂ€sst, macht schnell deutlich, warum – ihre Begeisterung und Humor machen jedes ihrer Videos zu einem Erlebnis und ich könnte sie den ganzen Tag schauen!